Schützenverein ist jetzt eingetragener Verein
Schmäinghooker feiern mit allen

Alstätte -

Auch der Oberst wirbt fürs Schützenfest. Theo Wermer sitzt im Kreisverkehr auf einem großen Pferd. Daneben steht eine Standarte, auf der die Festtermine des Schützenvereins Alstätte-Schmäinghook vermerkt sind. Da Wermer natürlich nicht rund um die Uhr und das an sieben Tagen in der Woche im Sattel sitzen kann, handelt es sich um eine echt wirkende sowie liebevoll hergestellte und beklebte Holzfigur. Die Schützen haben sich sehr viel Mühe gegeben, um auf ihr alle zwei Jahre stattfindendes Schützenfest hinzuweisen.

Freitag, 02.08.2019, 19:00 Uhr
Eine tolle Idee. Die Schmäinghooker Schützen werben mit dem Konterfei von Oberst Theo Wermer auf einem Pferd sitzend im Kreisverkehr.
Eine tolle Idee. Die Schmäinghooker Schützen werben mit dem Konterfei von Oberst Theo Wermer auf einem Pferd sitzend im Kreisverkehr. Foto: Guido Kratzke

Genauso viel Mühe wie bei der Vereinssatzung, die die Mitglieder am 4. Mai beschlossen haben. Mit notarieller Hilfe haben die Schützen dieses Regelwerk erstellt. Prompt gab‘s vom zuständigen Gericht den nötigen Stempel: alles in Ordnung. Alle Schmäinghooker können nun – mit staatlichem Siegel versehen – auch als gemeinnütziger Verein ihr Fest feiern.

Alle Schmäinghooker? Wer die Satzung liest, könnte da auf komische Gedanken kommen. Dort steht: „Wer im Schmäinghook wohnt und Mitglied sein kann, es aber nicht ist, hat keinen Zutritt zu den Veranstaltungen des Vereins.“

Also dürfen Schmäinghooker, die nicht im Schützenverein sind, nicht aufs Schmäinghooker Schützenfest? Natürlich dürfen sie. „Das Schützenfest ist eine offene Veranstaltung für alle“, sagt Vorsitzender Burkhard Overbeck. Betonung auf „offen“. Somit auch für alle Schmäinghooker – Gott sei Dank. Der großen Schmäinghooker Party steht nichts mehr im Wege. Die meisten Schmäinghooker sind selbstverständlich sowieso Mitglied im Schützenverein. Der Verein hat immerhin rund 550 Mitglieder.

Mitglied kann übrigens „jeder Bürger von Alstätte werden, der das 16. Lebensjahr vollendet hat und die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt“. Bürgerliche Ehrenrechte – das hört sich ein wenig nach Kaisers Zeiten an. Darunter werden aber das aktive Wahlrecht, das passive Wahlrecht und das Recht, öffentliche Ämter auszuüben, verstanden.

Jetzt wird‘s interessant. Was ist mit Ausländern – EU-Ausländern und Nicht-EU-Ausländern? EU-Ausländer besitzen nicht bei jeder Wahl ein Wahlrecht. Nicht-EU-Ausländer haben in Deutschland kein Wahlrecht. Aber natürlich nimmt der Schützenverein Schmäinghook auch Ausländer auf. Die Schmäinghooker sind schließlich weltoffene Menschen. Vorsitzender Burkhard Overbeck weist auf die vielen Niederländer hin, die in Alstätte und in der Bauerschaft wohnen und Mitglied im Schützenverein sind.

Was ist aber mit Straftätern, die aufgrund ihrer Strafe kein öffentliches Amt bekleiden dürfen oder denen gar das Wahlrecht vorübergehend aberkannt wurde und die somit nicht die bürgerlichen Ehrenrechte besitzen? Egal. Es ist auch nicht zu erwarten, dass Gefängnisinsassen extra fürs Schützenfest Freigang erhalten.

Übrigens: Die Bürgerschützengilde Gronau hat vor Kurzem mal eben nicht nur eine Königin, sondern gleich einen ganzen Thron aus weiblichen Mitgliedern eingesetzt. Und die Statuten? Wen juckt‘s.

Papier ist halt geduldig. Geschriebenes kann so oder so interpretiert werden. Geschenkt. Wichtig ist bekanntermaßen „aufm Platz“– oder in diesem Fall besser „unter der Vogelstange“. Alle, Schmäinghooker und die übrigen Alstätter, sind gespannt, wer am morgigen Sonntag neuer König wird und wen er zu seiner Königin wählt. Nur das zählt. In diesem Sinne: Ein schönes Schützenfest. Horrido!

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