Neuer Pfarrer
Fokus auf Seelsorge anstatt Leitung

Alstätte/Everswinkel -

Das Pastoralteam Ahaus und Alstätte-Ottenstein bekommt wie angekündigt Verstärkung. Pfarrer Heinrich Hagedorn zieht aus Everswinkel ins Alstätter Pfarrhaus.

Montag, 19.08.2019, 18:08 Uhr aktualisiert: 20.08.2019, 08:24 Uhr
Im vergangenen Jahr feierte Pfarrer Heinrich Hagedorn sein silbernes Priesterjubiläum. Er ist auf eigenem Wunsch nicht mehr in seiner Kirchengemeinde St. Magnus/St. Agatha in Everswinkel und Alverskirchen tätig und soll im Oktober ins Alstätter Pfarrhaus ziehen.
Im vergangenen Jahr feierte Pfarrer Heinrich Hagedorn sein silbernes Priesterjubiläum. Er ist auf eigenem Wunsch nicht mehr in seiner Kirchengemeinde St. Magnus/St. Agatha in Everswinkel und Alverskirchen tätig und soll im Oktober ins Alstätter Pfarrhaus ziehen. Foto: St. Magnus/St. Agatha

Das Pastoralteam Ahaus und Alstätte-Ottenstein bekommt wie angekündigt Verstärkung. Pfarrer Heinrich Hagedorn zieht ins Alstätter Pfarrhaus. Er soll zum 13. Oktober zum Pastor mit dem Titel Pfarrer ernannt werden. Der Geistliche wurde am Montagabend in seiner aktuellen Kirchengemeinde St. Magnus / St. Agatha in Everswinkel / Alverskirchen im Rahmen eines Patronatsfestes verabschiedet.

Pfarrer Hagedorn war zehn Jahre im Kreis Warendorf tätig und zuvor acht Jahre leitender Pfarrer der Pfarrei St. Josef in Marl. Die Zeit für die Seelsorge fehlte ihm zuletzt immer mehr. Im April bat er Bischof Dr. Felix Genn schließlich um die Entpflichtung von seinem Amt. Der Bischof entsprach der Bitte. Der Rückzug aus Everswinkel kam für viele Gemeindemitglieder überraschend.

Was muss passieren, dass ein Mensch auf die Bremse tritt, um seinem Leben eine andere Richtung zu geben? Pfarrer Hagedorn hat seine Entscheidung nicht impulsiv getroffen. Sie ist gereift und im Frühjahr beschleunigt. Bis der Punkt erreicht war, an dem der Kopf signalisierte: „Jetzt geht gar nichts mehr bei dir.“

Die Tatsache, in heutiger Zeit immer weniger Seelsorger sein zu können und immer mehr Verwalter sein zu müssen, nagte schon eine Weile an ihm, wie Hagedorn im WN-Gespräch erzählt. Er verweist dabei auf die gestiegenen Anforderungen an einen Priester, gerade auch im Zusammenhang mit der Fusion von Kirchengemeinden. „Ich trage für über 70 Mitarbeiter die Verantwortung“, sagt er mit Blick auf Kirche und Kindergärten. „Die letzte Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag ist immer meine.“ Das Friedhofswesen mit diversen Fragen und Regelungen, der Ausbau der drei Kitas, „wo wir in den letzten zehn Jahren durch immense Baumaßnahmen das Bestmögliche für die Kinder erreicht haben“, das Wohnhaus für Flüchtlingsfamilien, die Renovierung der St. Magnus-Kirche. Die Liste ist lang.

Da Bischof Genn Priester gerne nach zehn bis 15 Jahren Dienst in einer Gemeinde an andere Aufgaben heranführt und Hagedorn seit 2008 Pfarrer in Everswinkel ist, „fingen die Gedanken bei mir an, ,wie kann es mit dir weitergehen‘, welche Projekte liegen in der Gemeinde noch an?“ Es reifte die Überlegung, die Renovierung zu vollenden, noch ein Jahr in der renovierten Kirche Gottesdienste zu feiern und dann zu gehen. Das wäre in etwa anderthalb Jahren soweit gewesen. „Dann überschlugen sich ab Oktober ein bisschen die Ereignisse.“

Nach der Rückkehr von einer so beeindruckenden wie auch anstrengenden Indien-Reise wurde er mit der akuten Erkrankung von Pfarrer Franz Nottelmann und dessen Ausfall als Vertretung bei den Gottesdiensten konfrontiert. Hagedorn übernahm die Begleitung, musste sich aber selbst im November eine chirurgischen Eingriff an beiden Beinen unterziehen. Schon kurz danach stieg er zum ersten Advent wieder ein, bevor ihn vor Weihnachten die Nachricht vom multiplen Organversagen bei Nottelmann ereilte. „Ich wurde zur Uni-Klinik gerufen und musste plötzlich Entscheidungen mitfällen.“ Vor Weihnachten übernahm Hagedorn dessen Beerdigung „und merkte da schon, dass ich das wirklich unter Anstrengungen getan habe“.

Der Körper signalisierte mittels Rückenschmerzen seine Überlastung. Parallel verschlimmerte sich die Krebserkrankung bei seiner Schwester. „Ich war gedanklich einmal da, einmal hier.“ Die Schwester starb schließlich, Hagedorn nahm sich eine dreiwöchige Auszeit für eine kurähnliche Behandlung. Doch der Druck blieb spürbar. Zurück in Everswinkel nahm die Belastung mit Blick auf Ostern und die Renovierung rasch wieder zu. Unterm Strich, so rechnet der Pfarrer vor, seien es rund 70 Stunden in der Woche an Gemeindetätigkeit. „Irgendwo habe ich gemerkt, das kann es und darf es auf Dauer für mich nicht mehr sein. Besser jetzt einen radikalen Schnitt machen.“ Hagedorn beriet sich mit guten Freunden und Familie – und wurde in seiner Meinung bestärkt. Er fühle sich schon im Moment ein „Stück weit ausgebrannt“; nicht depressiv, aber ein gewisser Erschöpfungszustand aufgrund der Situation.

Das Gespräch mit der Personalabteilung des Bistums fand Anfang April statt. Bischof Genn hat der Bitte um Entpflichtung zum 1. Mai entsprochen, ebenso der um eine Auszeit bis 1. August, die Hagedorn für einen neunwöchigen Kursus nutzen möchte. Und danach? „Ich möchte wieder das machen, was ich gerne mache: die Seelsorge.“ Nach 18 Jahren Leitungsfunktion wieder in die „zweite Reihe“. Hagedorn ist damals angetreten, „um Menschen auf ihrem Weg in den verschiedenen Lebenssituationen zu begleiten, merkte aber trotz intensiver Bemühungen auch der Ehrenamtlichen, dass immer mehr für mich auf der Strecke blieb.“ Die Leitungsaufgaben ließen kaum noch Luft für Gottesdienstvorbereitungen, zudem schrumpfte der Kirchenvorstand von ehemals 16 auf nunmehr zehn Mitglieder. „Da muss was auf der Strecke bleiben.“

Fragebogen

Die Fragebögen, die der Kirchenvorstand in Vorbereitung auf seine Klausurtagung am 14. September erstellt hat, sind in der Kirche und auf der Internetseite der Kirchengemeinde erhältlich. Die anonymisierten Fragebögen können bis zum 8. September abgegeben werden. Die Gemeindemitglieder können mitteilen, was nach ihrer Ansicht wichtig für die Zukunft der Kirchengemeinde ist.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6860647?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F146%2F
Preußen Münster bereit für eine neue Zeitrechnung
Richtungweisend: Trainer-Novize Arne Barez
Nachrichten-Ticker