Alstätter Naturschutzgebiete
Vielfältige Vogel- und Farbpracht

Alstätte -

Rund um Alstätte bieten mehrere kleine wie auch einige große Naturschutzgebiete vielen Vogelarten einen Rückzugs- oder Brutraum. In dieser Jahreszeit gibt es seltene Arten, aber auch eine farbenfrohe Vegetation zu sehen. Naturschutzbeauftragter Adolf Busch und Biologe Christoph Rückriem führen virtuell durch Flora und Fauna.

Dienstag, 20.08.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 21.08.2019, 16:34 Uhr
Graugänse ziehen auf der Suche nach Nahrung über ein abgeerntetes Feld im Hündfelder Moor.
Graugänse ziehen auf der Suche nach Nahrung über ein abgeerntetes Feld im Hündfelder Moor. Foto: Alex Piccin

Adolf Busch ist seit über acht Jahrzehnten ein Erdenbürger. Vieles hat er in dieser Zeit erlebt und gesehen. Aber auch für den Alstätter Naturschutzbeauftragten gab es vergangene Woche eine Premiere: „Ich habe vorher in unseren Naturschutzgebieten noch nie Kraniche gesehen – und dann gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.“ Tatsächlich sind die Kraniche frische Bewohner des Hündfelder Moores, wie Christoph Rückriem , Diplom-Biologe und Mitarbeiter der Biologischen Station Zwillbrock, ausführt: „Es ist neu, dass die Kraniche hier ein Brutgebiet gefunden haben. Sie benötigen ungestörte und nasse Flächen zur Brut.“

Vier dieser grauen Vögel staksen mitten auf einem abgeernteten Feld im südlichen Bereich des Naturschutzgebiets Amtsvenn-Hündfelder Moor umher, auf der Suche nach Futter. Wachsam schauen sie sich um, lassen sich aber vom Auto nicht stören. Ganz anders die Graugänse: Wie ihre Artgenossen von einem benachbarten Feld stieben sie auf und suchen das Weite. Wir finden sie später etwa 500 Meter weiter wieder, in der Nähe eines Hochwasserrückhaltebeckens. Unsere Ankunft schreckt sie jedoch wieder auf und wir machen zügig kehrt.

„Viele Arten sind störungsempfindlich“, sagt Christoph Rückriem. Die Fluchtdistanz betrage bis zu 500 Meter. Daher soll in Naturschutzgebieten ausschließlich das öffentliche Wegenetz benutzt werden. Ausnahmen bilden einzelne Strecken, die explizit ausgeschildert sind.

Alstätter Naturschutzgebiete

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Im Bereich des Rückhaltebeckens finden sich auch kahle Laubbäume, die den Anstieg des Wasserspiegels nicht verkraftet haben. „Es ist bei vielen Baumarten so, dass sie als große Bäume Wasserbedingungen, bei denen sie als junge Bäume gut wachsen können, nicht verkraften, wenn diese mehr oder weniger plötzlich auftreten“, erklärt Rückriem.

Das Hündfelder Moor sei ein Relikt aus vergangener Zeit, als es im Westmünsterland noch viele Hochmoorgebiete gab. Dort sehe man die Grenze zwischen Moorland und offenem Land. Die mageren Grünländer stellen für Zug- und Brutvogelarten ein spannendes Terrain dar, so der Zwillbrocker Biologe: „Durch die Schließung einiger Wege für den Durchgangsverkehr vor etwa vier Jahren hat das Gebiet eine deutliche Beruhigung erfahren und die Brutzahl ist angewachsen.“ Andere Hochmoorspezialisten sind Rosmarinheide, Moosbeere oder die arktische Smaragdlibelle.

Ein Jahr noch

Für Adolf Busch ist es das vorletzte Jahr als Naturschutzbeauftragter, das hat er mit sich abgemacht und auch der Kreisbehörde kommuniziert. „Zwei Personen haben mich bereits kontaktiert, die meine Nachfolge antreten würden. Das liegt aber nicht in meiner Hand“, sagt der 83-Jährige. Er selbst ist über einen Fußballkollegen zu dieser Aufgabe gekommen. Der ehemalige Tischler und Schwimmmeister übt sie heute noch mit Leidenschaft aus. Jeden Morgen steigt er auf sein Fahrrad und fährt die Naturschutzgebiete auf einer Strecke von durchschnittlich 20 Kilometern ab. „Natürlich nicht immer die gleiche Strecke, das wäre langweilig und ich würde nicht alles mitkriegen“, merkt er an. Spielt die Witterung nicht mit, geht es mit seiner Frau Maria im Auto auf die Rundtour.

Adolf Busch achtet darauf, dass in den Schutzgebieten alles rechtens läuft. Es passiere mal, dass Landwirte Wallhecken entfernen oder zu weit pflügen. „Da suche ich das Gespräch mit dem entsprechenden Bauern“, berichtet er von seiner Tätigkeit. Ein Dorn im Auge sind ihm wilde Müllkippen. Dem 83-Jährigen ist aufgefallen, dass gerade die Anzahl an Kleinwild in den vergangenen Jahren abgenommen hat: „Fasane gibt es fast gar nicht, Rebhühner auch kaum.“

Wilde Grünstreifen

Positiv registriert er hingegen, dass die bestellten Felder in der Regel auch wilde Grünstreifen aufweisen. „Dazu gibt es bestimmte Projekte und sogenannte Greening-Vorgaben“, sagt Christoph Rückriem. Auch freiwillig werde die Fläche zwischen Weg und Feld eingesät. Je nach Zielsetzung werden die Grünstreifen auch für das nächste Jahr umgebrochen oder eben wild gelassen. Letzteres gerate den Insekten zum Vorteil, wenn sie ein Winterquartier suchen.

Die Naturschutzgebiete Goor-Witte Venn und Bennekampshaar liegen nah beieinander an der niederländischen Grenze. Dieses Venn sei vor allem für seinen Wasserkörper wichtig, erklärt Rückriem: „Im Frühjahr finden hier Durchzugvögel Wasser und Futter.“ Da das Gewässer zum Angeln genutzt wird, sind Amphibien dort nicht anzufinden. Sie vertragen sich nicht mit Fischen. Das Goor-Witte Venn bildet eine Art Restheimat für die Durchschnittsarten unserer Kulturlandschaft. „Sie finden auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen heute keinen Lebensraum mehr und haben daher in den vergangenen Jahrzehnten etwa 90 Prozent ihres Verbreitungsraums eingebüßt“, schildert der Biologe. Bis dahin sei das Westmünsterland von Heiden und mageren (Feucht-)Wiesen geprägt gewesen: „Das ist komplett verschwunden.“ Fast, denn in den Naturschutzgebieten finden sich solche Vegetationen noch wieder.

Ein weiteres Beispiel für den einst prägenden Landschaftsstil befindet sich zwischen Alstätte und Ottenstein. Inmitten der ganzen Grün-, Gelb- und Brauntönen der Natur sticht die Wacholderheide Hörsteloe mit ihrem lila Blütenstand hervor. Etwa 8,7 Hektar groß und in sieben Teilflächen unterteilt ist dieses geschützte Gebiet. Neben Sandlaufkäfer oder Ameisenlöwen kann mit etwas Glück die Waldeidechse hier entdeckt werden.

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