Grenswerk wirbt an Berufs- und Hochschulen für Jobs im jeweiligen Nachbarland
Betriebsbesichtigung in 3D

Gronau/Ahaus/Enschede -

Die Wirtschaft brummt. Sowohl im Westmünsterland als auch in Twente und im Achterhoek herrscht fast Vollbeschäftigung. Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften. Wieso also sollten sich junge Leute für ein Praktikum oder gar einen Job im Nachbarland interessieren, wenn es doch im eigenen Land massenhaft Möglichkeiten gibt? Warum schickt die grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung Grenswerk in dieser Woche ein Info-Fahrzeug zu Berufs- und Fachhochschulen, um Studierenden die Möglichkeiten im Nachbarland schmackhaft zu machen?

Dienstag, 01.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 18:00 Uhr
NRW-Minister Laumann probierte bei einem Besuch bei Grenswerk in Gronau die 3D-Brille aus. Links Ben Kwast, Mitarbeiter bei Grenswerk.
NRW-Minister Laumann probierte bei einem Besuch bei Grenswerk in Gronau die 3D-Brille aus. Links Ben Kwast, Mitarbeiter bei Grenswerk.

Peter Schildkamp , Teamleiter bei Grenswerk, hat nicht nur die Gegenwart im Blick. „Die nächste Krise liegt schon auf der Lauer“, stellt er fest. Erste Haarrisse zeigten sich in der boomenden Wirtschaft: Firmen, die von drei auf zwei Schichten herunterfahren, und auch der Brexit wirft seine Schatten voraus. „Wer sich auf beiden Arbeitsmärkten orientiert, findet in solch einer Situation schneller wieder einen Job.“

Allerdings: Die meisten Jugendlichen kennen die Möglichkeiten gar nicht, die der benachbarte Arbeitsmarkt bietet. Die Staatsgrenze bildet immer noch ein Hemmnis. Dagegen hilft nur: Information.

Darum tourt an drei Tagen ein Wohnmobil durch das Grenzgebiet. Dessen Insassen, Mitarbeiter von Grenswerk, geben den Studierenden Auskunft über die Chancen und Risiken, auf der anderen Seite der deutsch-niederländischen Grenze zu arbeiten oder ein Praktikum zu absolvieren. Während der Tour wird am morgigen Mittwoch an der BBS in Ahaus Station gemacht.

Spannend dabei: Die 3D-Betriebsbesichtigung: Mit einer Virtual-Reality-Brille lassen sich Arbeitsstätten und Arbeitsumgebung erkunden. Auf deutscher Seite sind unter anderem die Biomolkerei Söbbeke aus Epe und Elanko aus Heek dabei, auf niederländischer das Logistikunternehmen Bolk Transport und die Müllverwerter von Twente Milieu. „Zweidimensional können wir auf wesentlich mehr Berufsbilder zurückgreifen“, sagt Michael Paskert , Berater bei Grenswerk.

„Uns geht es mit unseren Aktionen auch darum, junge Talente an die Region zu binden“, sagt Schildkamp. Er selbst ist immer wieder überrascht, welches Potenzial an innovativen Unternehmen die Region aufweist. Ob Opwoco und Shopware in Schöppingen oder Demcon in Enschede – die Euregio beherbergt unglaublich viele mittelständische Unternehmen, die in ihrem Bereich an der Spitze mitspielen.

Vielleicht wartet jenseits der Grenze – nur ein paar Kilometer vom Wohnort entfernt – der Job, vom dem man immer geträumt hat. Vielleicht wird auch die gleiche Arbeit im Nachbarland besser bezahlt – man bekommt es nur nicht mit. Grenswerk will mit seinen Aktionen der Grenze den hemmenden Charakter nehmen. Ermutigen, sich zumindest beim Nachbarn umzuhören und vielleicht ein Praktikum in Erwägung zu ziehen. „Selbst wenn man im Heimatland auf Arbeitsplatzsuche geht: Ein Auslandsaufenthalt macht sich bei Bewerbungen immer gut“, sagt Peter Schildkamp.

Von Ausnahmen abgesehen werden die meisten Berufsabschlüsse im Nachbarland anerkannt. „Es kann sein, dass man für bestimmte Tätigkeiten eine Zusatzqualifikation benötigt. Aber dabei helfen wir“, sagt Michael Paskert.

Bei Unternehmen stoßen die Grenswerker mittlerweile meist auf offene Ohren, wenn es darum geht, Praktikanten oder Arbeitnehmer aus dem Nachbarland zu beschäftigen. „Mit Unterschieden in den Arbeitskulturen und den Mentalitäten muss man nach wie vor rechnen. Aber davon kann man auch gegenseitig lernen“, findet Schildkamp. Die Sprachbarriere mag potenzielle Grenzpendler abschrecken. Doch die Erfahrung lehre, dass die Verständigung schnell funktioniere.

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