St. Mariä Himmelfahrt
Kennenlernphase beginnt für Pfarrer Heinrich Hagedorn

Alstätte -

Die Eindrücke sind bei Pfarrer Heinrich Hagedorn noch recht frisch. Vor gut zehn Tagen ist der Geistliche in Alstätte eingetroffen und hat im Pfarrhaus sein neues Domizil bezogen. Im Interview spricht der 53-Jährigen über die ersten Tage im Westmünsterland, seine ersten Messen, den Grund für seinen Schritt zurück in die Seelsorge, seine Vorlieben in der Freizeit und über Dinge, die er besser machen möchte.

Dienstag, 22.10.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 18:34 Uhr
Pfarrer Heinrich Hagedorn hat seine erste Messe in Alstätte mit den Kindern des St.-Marien-Kindergartens gefeiert.
Pfarrer Heinrich Hagedorn hat seine erste Messe in Alstätte mit den Kindern des St.-Marien-Kindergartens gefeiert. Foto: Tanja Sicking

Herr Pastor, haben Sie sich bereits in Alstätte eingelebt? Wie waren Ihre ersten Tage hier?

Heinrich Hagedorn: Sie waren geprägt vom Neuen, von vielen Begegnungen mit den Menschen, vom Auspacken der Kisten bzw. sind es noch immer. Dass es wohnlich hier ist, man sich beheimatet fühlt, gehört für mich ein Stück weit zusammen. Außerdem gewöhne ich mich in meine neue Rolle ein.

Sie übernehmen in der Gemeinde keine leitende Funktion mehr, so wie sie es zehn Jahre lang in Everswinkel und Alverskirchen sowie acht Jahre in Marl getan haben. Diesen Schritt haben Sie bewusst gewählt, da die vergangenen anderthalb bis zwei Jahre nicht einfach gewesen sind.

Hagedorn: Das stimmt. Die Begleitung meines Vorgängers in Everswinkel nach seinem Schlaganfall über zweieinhalb Monate und dann dessen Tod, meine Operation an den Krampfadern, die Krebserkrankung meiner Schwester, eine schöne, aber anstrengende Reise nach Indien: Viele Dinge kamen zusammen. Kurz gesagt, der Körper hat irgendwann zugemacht. Daher habe ich mich entschieden, einen Schnitt zu machen. Mir ging es darum, weniger Zeit für die Verwaltung aufzubringen und dafür wieder mehr Zeit für die Menschen zu haben. Dass ich, wenn ich mich mit ihnen treffe, nicht auf die Uhr schauen muss, sondern ihnen zuhören kann. Jetzt habe ich weniger Termine. Im Gespräch bin ich viel tiefer dran am Menschen. Deswegen bin ich damals auch Priester geworden.

Sind Sie damit bei allen Entscheidungen außen vor?

Hagedorn: Die leitenden Funktionen nehme ich nicht mehr wahr, sondern helfe in der Seelsorge mit. Stefan Jürgens wird die Leitung übernehmen. Er tritt seinen Dienst am ersten Advent an. Ich gehe davon aus, dass wir eine flache Hierarchie haben werden. Es wird jede Woche Dienstgespräche geben. Wir entwickeln die grundlegende Richtung gemeinsam im Team. Die Menschen können mich fragen, ich werde eine Meinung haben.

Sie hatten jetzt Zeit, körperlich und geistlich etwas herunterzufahren. Wie geht es Ihnen heute?

Hagedorn: Ich bin zufrieden und glaube, dass ich 80 Prozent meiner Kraft wiederhabe. Dafür habe ich mir viel Zeit genommen. Was ich begonnen habe, aber ungern mache, ist, mehr Sport zu treiben. Das muss aber sein. Am vergangenen Wochenende hatte ich komplettes Programm mit fünf Gottesdiensten. Das merke ich dann schon. Ich komme da langsam wieder rein nach einem halben Jahr Pause. Pfarrer Heinrich Hagedorn Foto: Tanja Sicking

Wie waren die ersten Messen in der neuen Gemeinde?

Hagedorn: Ich merke sehr viel Wohlwollen der Menschen hier. In Ottenstein haben mich mein indischer Mitbruder aus Everswinkel, Thomas Daniel, sowie der indische Bischof von Kumbakonam, Francis Antonysamy, unterstützt. Das war sehr schön. In Alstätte war es ein Erntedankgottesdienst mit dem Kindergarten St. Marien. Da ich selbst Nichten und Neffen habe, arbeite ich gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Es ist mein Anliegen, Jung und Alt abzuholen, ihnen durch den Glauben eine Stütze zu sein in schwierigen Situationen. In diesem ersten Gottesdienst fand ich das sehr sinnbildlich, weil alle Generationen vertreten waren. Das ist heutzutage nicht mehr üblich

Wie werden Sie die Aufgabe in Ihrer neuen Gemeinde angehen?

Hagedorn: Wir möchten versuchen, Seelsorgebereiche festzulegen, in der Eigenständigkeit und eigene Entscheidungen Thema sind. Das ist das Schöne von diesem Modell in Alstätte, Ottenstein und Ahaus. Es ist nicht eine Pfarrei, wie bei einer Fusion, sondern zwei, so dass es Seelsorgeschwerpunkte geben und man Verantwortung delegieren kann. Die Kirche vor Ort soll in den kleinen Einheiten stärker gefördert werden

Sind Veränderungen in der Gemeinde geplant? Stehen größere Projekte an?

Hagedorn: Große Projekte nicht, eher das Tagesgeschäft. Was ich schon jetzt sagen kann ist, dass wir dumm wären, wenn wir das, was läuft, kaputtmachen, nur um eine Einheit hinzukriegen. St. Mariä Himmelfahrt in Ahaus und in Alstätte, St. Georg in Ottenstein oder St. Josef in Graes sollen ihre Eigenständigkeit ein Stück weit behalten. Das war immer mein Prinzip als leitender Pfarrer. Ich glaube, dass Stefan Jürgens da ähnlich gestrickt ist. Bis dahin geht für mich zunächst die Kennenlernphase weiter. Etwas, was wir gemeinschaftlich konkret besprechen werden, ist die Möglichkeit, die Mitternachtsmesse an Heiligabend in St. Mariä Himmelfahrt weiterzuführen.

Wie ist die Zukunft in der Gemeinde aufgestellt?

Hagedorn: Wir sorgen dafür, dass die Sakramente gespendet werden, sorgen dafür, dass es Sonntagsgottesdienste in der Gemeinde gibt. Das Leben vor Ort muss von den Menschen gestaltet werden. Wir sind dabei, soweit wir es personell, zeitlich und körperlich können. Das wird das Modell der Zukunft sein. Durch die Pastoralreferenten sind wir an Seelsorgern an sich nicht weniger geworden, als Priester aber schon. Ob in jedem Ortsteil an jedem Tag die Eucharistie gefeiert werden kann, müssen wir sehen. Es kann auch Wortgottesdienste mit oder ohne Kommunion geben. Der Veränderungsprozess ist in Gange.

In vielen Gemeinden ist der Altersschnitt während der Messen recht hoch. Ist es dann noch nötig, täglich in allen Gemeinden Gottesdienste zu feiern?

Hagedorn: Es handelt sich nicht um einen Priestermangel, sondern eher um ein en Glaubensmangel. Ich denke, es wäre ausreichend, jeden Tag entweder in Alstätte oder in Ottenstein einen Gottesdienst zu feiern. Die Mobilität ist vorhanden und ich nehme auch gerne jemanden im Auto mit. Doch dadurch ginge die Identität verloren. Sind auch bloß drei Leute im Gottesdienst und ich lasse ihn ausfallen, fällt etwas in dem Ort weg, was für ihn wichtig ist. Der Kirchturm hat identitätsstiftenden Charakter. Bis zur Fastenzeit halten wir in allen Kirchen alle Gottesdienste so wie sie sind. Dann entscheiden wir, was sinnvoll und leistbar ist.

Hat ein Pfarrer eine Halbwertszeit? Kann er sich in einer Gemeinde abnutzen?

Hagedorn: Ein leitender Pfarrer erhält in der Regel nach zehn bis 15 Jahren vom Bischof die Anfrage zu einer Versetzung. Bei einem Pastor gibt es das nicht, solch eine Frist setze ich mir auch nicht. Ich schaue, wie es mir hier geht, was die Gesundheit macht, wie die Menschen mich annehmen. Ich habe Familie im Raum Warendorf und könnte eines Tages dorthin zurück. Es kann aber auch gut sein, dass ich hier so familiär aufgenommen werden, dass ich bis zum Rentenalter von 75 Jahren in Alstätte bleibe.

Gibt es Dinge, die Sie mit Blick auf die vorherigen Stationen besser machen möchten? Was nehmen Sie von dort mit?

Hagedorn: Menschen wünschen sich, dass jemand da ist, der für sie sorgt. Dieser Punkt ist entscheidend gewesen, als ich wieder in der Seelsorge tätig geworden bin. Ich bin ein Typ, der schnell Zusagen trifft. Da muss ich auch für mich lernen, hin und wieder nein zu sagen. Ich arbeite gerne, muss aber stärker auf mich und meinen Körper hören, eine gesunde Selbstfürsorge betreiben. Ich kann die Welt nicht alleine retten.

Sie haben sich vorgenommen, den Montag als freien Tag fest zu verankern. Wie sieht Ihre Freizeitgestaltung aus?

Hagedorn: Ich versuche, montags keine Termine anzunehmen, um Zeit für mich zu haben. Im Aufenthaltsraum ist ein Beamer aufgebaut und ich schaue mir gerne Spiele von Borussia Dortmund an. Ich gönne mir auch mal einen Stadionbesuch.

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