Unternehmen müssen ab nächstem Jahr Bons ausdrucken
Mehr Müll durch Kassenbons

Schöppingen/Alstätte -

60 niedersächsische Bäcker haben schon vor dem Landtag in Hannover demonstriert. So weit ist Josef Ebbinghoff nicht. Einen dicken Hals hat er dennoch. „Wir fangen an, Müll zu produzieren“, sagt der Bäckermeister aus Schöppingen. Er meint die Kassenbons, die er ab dem 1. Januar für seine Kunden ausdrucken muss – ob die wollen oder nicht.

Mittwoch, 20.11.2019, 20:07 Uhr
Jedem Kunden müssen Nicole Ebbinghoff (l.) und Mitarbeiterin Ulla Thesing ab dem kommenden Jahr ihren Kassenbon ausdrucken. Das sieht ein neues Gesetz vor.
Jedem Kunden müssen Nicole Ebbinghoff (l.) und Mitarbeiterin Ulla Thesing ab dem kommenden Jahr ihren Kassenbon ausdrucken. Das sieht ein neues Gesetz vor. Foto: Rupert Joemann

Mehrere 100 000 Bons muss Ebbinghoff dann jährlich in den neun Filialen der Bäckerei den Kunden in die Hand drücken. Verständnis hat er dafür nicht. „Schon jetzt kann das Finanzamt die digitale Kasse überprüfen“, sagt der Bäckermeister. Jede einzelne in die Kasse eingetippte Buchung sei bereits seit Jahren vollständig nachvollziehbar. Demnächst müssen die Kassen über eine manipulationssichere technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen.

Die von ihm genutzten Bons aus Thermopapier sind aus Sicht Ebbinghoffs Sondermüll. Thermopapier enthält möglicherweise die Chemikalie Bisphenol. Thermopapier hat aber den Vorteil gegenüber herkömmlichem Papier, dass keine weiteren Materialien wie Farbbänder und Farbpatronen nötig sind. Zudem sind sie wartungsarm und langlebig, jedoch sind die Drucker in der Anschaffung teurer.

Um seine Kassen entsprechend auszustatten, müsste Josef Ebbinghoff sie noch umrüsten. Das würde gut 1000 Euro pro Kasse kosten. Seine Frau Nicole und er nehmen das zum Anlass, neue Kassensysteme in allen Filialen anzuschaffen. Gesamtkosten: 40 000 Euro. „Das hat aber nichts mit den Kassenbons zu tun“, sagt Josef Ebbinghoff. Die können auch jetzt schon gedruckt werden.

Der Gesetzgeber will offensichtlich auch schwarze Schafe vom Umsatzsteuer-Betrug abhalten. Lebensmittel, die im Geschäft verzehrt werden, müssen mit 19 Prozent versteuert werden, wenn die Kunden die gleichen Produkte mit aus dem Geschäft nehmen, sind es lediglich sieben Prozent. Dieses müsste aber kontrolliert werden. Bei einem gleichen Produktpreis bringt dem Unternehmer das Außer-Haus-Geschäft zwölf Prozentpunkte mehr Gewinn.

„Ich bin doch bestrebt, Ruhe mit dem Finanzamt zu haben“, sagt Josef Ebbinghoff. Deshalb weise er seine Mitarbeiter immer darauf hin, korrekt abzurechnen. Auf den Kassen gibt es extra eine Im-Haus-Taste, um den korrekten Steuersatz zu berechnen.

Derzeit nimmt die Bäckerei Ebbinghoff eine Service-Pauschale von 50 Cent pro Kunden, der im Café isst. Damit soll auch die erhöhte Umsatzsteuer ausgeglichen werden. Mit den neuen Kassen wollen die Ebbinghoffs dann zwei unterschiedliche Preise für die Waren ausweisen – fürs Café und zum Mitnehmen.

Für Ludger Gerwing und seinen Sohn Hendrik vom Alstätter Restaurant Wulf‘s ändert sich nichts. Schon jetzt wird für jeden Kunden, auch den, der nur ein Getränk verzehrt, ein Bon erstellt. „Das geht automatisch. Das ist so in der Kasse eingestellt“, sagt Ludger Gerwing.

Die Thematik mit der unterschiedlichen Höhe der Umsatzsteuer ist den beiden bestens bekannt. In ihrem Catering-Bereich müssen sie darauf achten. Entscheidend sind mehrere Faktoren. Wird das Essen nur bis zur Haustür geliefert, aber die Wohnung des Kunden nicht betreten, können sieben Prozent Umsatzsteuer angesetzt werden, so Ludger Gerwing. 19 Prozent werden beim Betreten des Wohnraums fällig.

Wird in Styropor-Einwegverpackungen geliefert, sind ebenfalls sieben Prozent Umsatzsteuer zu berechnen. Bei wiederverwertbaren, zu reinigenden Behältern sind es dagegen 19 Prozent. „Immer wenn eine qualifizierte Dienstleistung dahintersteckt ist es der höhere Satz“, erklärt Ludger Gerwing.

Auch er will sich nichts gegenüber dem Finanzamt zu schulden kommen lassen. So rechnet Gerwing bei Firmenkunden, die er mit Essen bis zur Tür beliefert, 19 statt der möglichen sieben Prozent ab. Alles andere gebe nur Diskussionen.

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