Firmlinge sammeln vor Supermärkten für die Tafel
„Wir leben doch im Überfluss“

Alstätte -

Lis Peters ist begeistert: „Die Aktion ist wunderbar, das müssten sie öfter machen.“ Gemeint sind die Jugendlichen, die vor dem Lebensmittelgeschäft stehen und um Spenden für die Ahauser Tafel bitten.

Montag, 23.12.2019, 19:00 Uhr
Familie Husch aus Ahaus spendet regelmäßig mit Freude für die Tafel.
Familie Husch aus Ahaus spendet regelmäßig mit Freude für die Tafel. Foto: Monika Haget

Kürzlich haben sie das Sakrament der Firmung erhalten und im Rahmen der Vorbereitung darauf sollten sie ein soziales Projekt in Angriff nehmen. Gemeinsam mit ihrem Katecheten Matthias Terstriep entschieden sie sich für die Sammelaktion. Terstriep organisiert als Katechet bereits zum vierten Mal die Sammelaktion für die Tafel. „Ich möchte in den Jugendlichen das Bewusstsein schärfen, dass es uns doch gut geht, anderen aber nicht“, erklärt er sein Engagement.

Gerne würde er im nächsten Jahr wieder mit einer neuen Firmgruppe sammeln. „Wenn ich Mitstreiter finde.“

Im Vorfeld hatte er mit den Jugendlichen die Tafel besucht, gemeinsam haben sie sich von deren Leiter Johannes Lügering deren Notwendigkeit schildern lassen.

So motiviert postieren sie sich am Montag um 8 Uhr vor den Lebensmittelmärkten Edeka und Aldi und sprechen unermüdlich die Kunden an.

„Es gab bisher nur wenig negative Reaktionen“, sagt Luca Terstriep, einer der Jugendlichen. „Überwiegend stehen die Leute der Sache positiv gegenüber.“

So auch Elke Overbeck. Sie ist gerade erst Mutter eines kleinen Sohnes geworden und spendet eine Palette Babynahrung. „Ich war selber Katechetin“, sagt sie, „und weiß um die Bedeutung sozialer Projekte“. Die Sammlung findet sie toll: „Gerade zur Weihnachtszeit sind die Leute eher bereit, etwas zu geben.“ Reichlich gegeben hat die Familie Husch aus Ahaus, die einen Besuch in Enschede mit dem Einkauf in Alstätte verbunden hat. „Die Kinder sollen lernen, dass es anderen nicht so gut geht wie uns“, sagt die Mutter und der Vater ergänzt: „Man sollte teilen.“

Gemeinsam haben sie auch Weihnachtspäckchen für die Tafel gepackt, der Sohn erklärt strahlend: „Spenden ist toll.“ Ein Mann, der nicht genannt werden will, überreicht einen ganzen Arm voller Sachen. „Uns geht es doch gut, da soll man auch etwas abgeben“, meint er. Ina und Christoph sehen es genauso: „Wir leben doch im Überfluss, wir können gut etwas abgeben.“

Immer wieder überreichen einzelne Leute statt Sachspenden Geld, was ebenfalls sehr willkommen ist. Das Geld wird am Ende gegen Lebensmittel eingetauscht. „Wir schauen dann, was noch fehlt“, sagt Johannes Lügering, der es sich nicht nehmen lässt, die Firmlinge zu besuchen. „Wenn wir solche Aktionen wie diese nicht hätten, würde es schwierig für die Tafel“, sagt er. Inzwischen hat Klaus Köhn, seit sieben Jahren Fahrer für die Tafel, die ersten vollen Kartons nach Ahaus gebracht. Bis 17 Uhr stehen die Jugendlichen vor den Läden, am Ende sind es 64 Kartons, prall gefüllt mit Lebensmittel, geworden – stolze 20 mehr als im vergangenen Jahr.

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