Auch Landwirte aus Alstätte und Graes machen sich heute auf den Weg nach Telgte
Mit dem Trecker zur Ministerin

Alstätte/Graes -

1000 Traktoren werden am heutigen Samstagnachmittag in Telgte erwartet, wo die Landwirte Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum wiederholten Mal auf ihre Sorgen und Nöte hinweisen wollen.

Samstag, 11.01.2020, 05:00 Uhr
Martin Kortbuß (l.) und Matthias Löhring wollen gemeinsam mit ihren Berufskollegen auf die Sorgen der Landwirte aufmerksam machen.
Martin Kortbuß (l.) und Matthias Löhring wollen gemeinsam mit ihren Berufskollegen auf die Sorgen der Landwirte aufmerksam machen. Foto: Bernd Schäfer

Auch Matthias Löhring aus Alstätte und Martin Kortbuß aus Graes setzen sich ans Steuer ihrer Ackerschlepper und machen sich auf den Weg nach Telgte, zusammen mit 25 bis 30 weiteren Landwirten aus den beiden Gemeinden.

Um 12.30 Uhr startet der Trecker-Tross in Richtung Altenberge, von dort aus soll es um 15 Uhr – dann schon als deutlich größere Gruppe – weiter nach Telgte gehen, wo der Neujahrsempfang der Stadt, in dessen Rahmen das Treffen mit der Ministerin stattfindet, um 17 Uhr beginnt.

Das, was die mit der Düngeverordnung vorhaben, geht einfach nicht.

Matthias Löhring

Für die Landwirte aus Graes und Alstätte ist es nicht die erste Teilnahme an den Protestveranstaltungen, die seit einigen Monaten Fahrt aufgenommen haben: Im Oktober waren sie bereits in Bonn und in Münster, im Dezember unterstützten sie die Kollegen in den Niederlanden bei deren Protesten gegen stärkere Umweltauflagen. Auch in Deutschland sind diese ein Aufreger: „Das, was die mit der Düngeverordnung vorhaben, geht einfach nicht“, meint Matthias Löhring.

Weniger Gülle auf den Feldern bedeute auch weniger Ernte. „Wenn ich 20 Prozent weniger düngen darf, kann ich mehr als 20 Prozent weniger ernten“, rechnet er vor. Weniger Ernte bedeute weniger Futter für die Kühe, das dann teuer zugekauft werden müsse.

Wie eine Enteignung

Die beiden Landwirte bezweifeln, dass die Nitratwerte in den örtlichen Gewässern so schlecht sind, wie in den Untersuchungen des Bundesumweltamts aufgeführt. Vielmehr sei das schlechte Netz der Nitratmessstellen daran schuld, dass aufgrund punktueller Daten ganze Landstriche unter Generalverdacht gestellt und zu „roten Zonen“ für die Düngerausbringung würden. „Diese roten Gebiete sind für die Betroffenen wie eine Enteignung“, macht Martin Kortbuß die Auswirkungen für die Landwirte drastisch deutlich.

Auch gegen sich immer wieder ändernde Verordnungen richtet sich der Protest der Bauern. „Wir brauchen mal wieder eine Planungssicherheit“, fordert Kortbuß. „Wir können nicht heute investieren – und ein halbes Jahr später wird wieder alles umgekrempelt.“ Vom Landwirt werde immer mehr gefordert, aber alles zum Nulltarif. „Einiges von dem, was gefordert wird, ist ja okay“, sagt Matthias Löhring. „Aber jemand muss es auch bezahlen.“

Einiges von dem, was gefordert wird, ist ja okay. Aber jemand muss es auch bezahlen.

Matthias Löhring

Dabei seien die Subventionen, von denen die Politik gerne spreche, reine Augenwischerei. „Davon kommt nur wenig bei uns an“, sind sich beide einig. Die Kosten, die strengere Auflagen mit sich bringen, über den Preis wieder hereinzuholen, halten beide für schwierig.

Zwar würden viele Verbraucher immer wieder sagen, dass sie durchaus bereit seien, höhere Preise für Lebensmittel aus der Landwirtschaft zu bezahlen – im Supermarkt würde dann aber doch wieder zu dem mit dem günstigsten Preis gegriffen.

Immerhin die Solidarität untereinander sei im Moment ein Lichtblick. „Alle Landwirte ziehen an einem Strang, vom Mäster bis zum Winzer“, freut sich Kortbuß über den Zusammenhalt, der sich auch bei der heutigen Sternfahrt nach Telgte wieder ausdrückt. Den Grund dafür nennt Matthias Löhring: „Weil es allen in gleichem Maß an den Kragen geht.“

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