August Jung, Heinrich Wessendorf und Willi Ellerkamp haben 50 Jahre Majestäten geweckt
Die Nachtruhe-Störer

Alstätte -

Heinrich Wessendorf, August Jung und Willi Ellerkamp sind zusammen seit 200 Jahren im Musikverein aktiv. Dort spielen sie ihre Instrumente auch bei den Alten Kameraden und den Egerländern – und waren als Weck-Trio seit mehr als 50 Jahren dafür zuständig, dass die Könige, Königinnen, Oberste, Majore und Vorsitzenden der Alstätter Schützenvereine am zweiten Schützenfesttag rechtzeitig aus den Federn kommen.

Freitag, 17.01.2020, 17:14 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 17:16 Uhr
Heinrich Wessendorf, August Jung und Willi Ellerkamp (v.l.) bringen es zusammen auf genau 200 Jahre Mitgliedschaft im Musikverein.
Heinrich Wessendorf, August Jung und Willi Ellerkamp (v.l.) bringen es zusammen auf genau 200 Jahre Mitgliedschaft im Musikverein. Foto: Bernd Schäfer

Sie haben schon Schützenköniginnen im Schlafanzug gesehen. Oder Könige, die einfach nicht aus dem Bett wollen. Und ihnen später sagten: „Ick hebb wohl watt hört – aber datt was mi noch to früh.“ Wenn der Abend davor allzu heftig war, ist auch mal niemand wach geworden. „Wenn sich gar nichts rührte, sind wir halt weitergegangen“, zuckt Willi Ellerkamp grinsend mit den Schultern.

Über 50 Jahre lang waren August Jung , Heinrich Wessendorf und Willi Ellerkamp fürs Wecken mit Hörnern und Trompete beim Schützenfest zuständig. Egal, ob Brink-Gerwing-Beßling, Schmäing- oder Schwiepinghook, ob Brook oder Dorf – immer wenn Majestäten und Offiziere am zweiten Schützenfesttag aus ihrer meist kurzen Nachtruhe zum Antreten gerissen werden mussten, stand das Trio aus Musikern des Musikvereins früh morgens vor der Tür.

Nur ein paar Stunden Schlaf

Sehr früh morgens. „Für uns war das gar nicht so schwer“, meint Willi Ellerkamp, der mit seinen „nur“ 71 Jahren das Küken der Dreierbande ist. „Aber die anderen sind ja oft erst um drei oder vier Uhr zuhause gewesen – wenn die dann um 6 Uhr geweckt wurden, war das für die ganz schön schwer.“

Majore, Vorsitzende und Könige sind immer die ersten, vor deren Haustüren sich die „Wecker“ mit ihren Instrumenten aufbauen, erst das Wecksignal und „Freut euch des Lebens“ spielen und zum Abschluss laut „Aufstehen!“ rufen. Vorletzte Station vor der Königin ist traditionell der Oberst – dort heißt es nach dem Weckruf „Kommt binnen!“ und es gibt ein Frühstück, meist mit Rührei, Kaffee und . . . „Sowas gibt‘s da jedenfalls nicht“, lacht August Jung und zeigt auf ein Glas Mineralwasser.

An den zwei Schützenfesttagen sind wir schnell auf 26, 27 Stunden gekommen.

August Jung, Heinrich Wessendorf und Willi Ellerkamp

Jung ist mit 83 der älteste Wecker, gerade wurde er für seine 70-jährige Mitgliedschaft im Musikverein geehrt. Die steht dem 80-jährigen Heinrich Wessendorf im nächsten Jahr bevor.

Alle drei wissen noch gut, wie es früher auf den Schützenfesten war, als es noch keine Musikanlagen gab. „Wir waren damals nur 30, 40 Musiker und mussten das ganze Schützenfest durchspielen“, erinnern sie sich. „An den zwei Schützenfesttagen sind wir schnell auf 26, 27 Stunden gekommen.“

Die drei sind auch heute noch bei den Alten Kameraden und den Egerländern aktiv. Mit deren Uniform waren sie in den vergangenen Jahren auch beim Wecken unterwegs.

Die drei sind auch heute noch bei den Alten Kameraden und den Egerländern aktiv. Mit deren Uniform waren sie in den vergangenen Jahren auch beim Wecken unterwegs. Foto: privat

Das blieb manchmal nicht ohne Folgen. „Manchmal bluteten meine Lippen“, weiß Willi Ellerkamp noch.

Zu jener Zeit waren viele Instrumente nur einfach besetzt, aufhören und jammern war also keine Option. „Da musste man durchziehen.“ August Jung, bei dem er sich Rat holte, gab einen kompetenten ärztlichen Tipp: „Einfach einen Wacholder trinken und weitermachen.“ Zum Glück habe sich mittlerweile die Zahl der Musiker deutlich erhöht, sodass sie in zwei Schichten antreten können. „Heute kommen wir frisch – und gehen nicht mehr ganz so frisch nach Hause“, schmunzelt Willi Ellerkamp.

nach der Königin ist Feierabend

Nach dem Frühstück beim Oberst geht es zur letzten Station: Der Königin. Auch dort dauert der Aufenthalt etwas länger. Während die Männer gemeinsam den Gottesdienst besuchen, einen Kranz niederlegen und einen kurzen Frühschoppen machen hat die Regentin noch etwas Zeit, um sich für ihren Auftritt fein zu machen. Meist mit Hilfe von Nachbarn und Verwandten – und musikalisch begleitet von den drei Weckbeauftragten. Später wird die Königin dann von der gesammelten Schützengemeinschaft ausgeholt. „Wenn wir dann die Musik vom Schützenverein auf der Straße hörten, war für uns Feierabend.“

Im vergangenen Jahr war für das Trio endgültig Feierabend, in Zukunft sollen Jüngere ihre Aufgabe übernehmen. Aber bei den „Alten Kameraden“ und den „Egerländern“ des Musikvereins wollen sie natürlich weiter mitmischen.

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