Linda Hassels arbeitet als Schulsozialarbeiterin an der Katharinenschule
Zeit für Probleme und Plauderei

Alstätte -

Linda Hassels’ Bürotür im Obergeschoss der Katharinenschule steht immer offen – außer sie befindet sich gerade in einem Gespräch. Damit will die Sozialpädagogin zeigen, dass alle Mädchen und Jungen der Katharinenschule jederzeit zu ihr kommen können, egal ob sie Probleme haben oder einfach zum Plaudern.

Mittwoch, 22.01.2020, 17:18 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 17:12 Uhr
Schulleiterin Beda Lassernig (l.) freut sich mit Heiner van Weyck (Stadt Ahaus) darüber, dass im ersten Schulhalbjahr die Stelle der Schulsozialarbeiterin Linda Hassels aufgestockt werden konnte.
Schulleiterin Beda Lassernig (l.) freut sich mit Heiner van Weyck (Stadt Ahaus) darüber, dass im ersten Schulhalbjahr die Stelle der Schulsozialarbeiterin Linda Hassels aufgestockt werden konnte. Foto: Rupert Joemann

Die Stadt Ahaus hat in diesem Schuljahr neben den weiterführenden Schulen auch an allen städtischen Grundschulen Schulsozialarbeit eingeführt. „Wir haben bei einer Abfrage einen sehr hohen Bedarf für Schulsozialarbeit festgestellt“, sagt Heiner van Weyck, Leiter soziale Dienste beim städtischen Jugendamt.

Während die Stadt in diesem Schuljahr Stellen einrichtete, hatte die Alstätter Grundschule dieses schon vor vier Jahren getan. Die Alstätterin Linda Hassels hatte während ihres Studiums ein halbjähriges Praktikum in der Schule absolviert.

Da haben wir gemerkt, dass Linda ganz viel aufgefangen hat.

Schulleiterin Beda Lassernig

„Da haben wir gemerkt, dass Linda ganz viel aufgefangen hat“, sagt Schulleiterin Beda Lassernig . Früher hätte die Schule die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit gar nicht gesehen. Deshalb richtete die Schule eine entsprechende Minijob-Stelle ein. Die lief formal über die Offene Ganztagsschule, die vom Förderverein betrieben wird. Jetzt trägt der Förderverein Hassels’ Vollzeitstelle zur Hälfte, die andere Hälfte teilen sich die Stadt und die Bezirksregierung Münster.

Wie wichtig die Schulsozialarbeit der Katharinenschule ist, zeigt sich bereits darin, dass sie ausdrücklich in das Schulprogramm aufgenommen wurde. Dadurch seien die Zuständigkeiten klar geregelt, so Beda Lassernig. Die Lehrerinnen sind Ansprechpartnerinnen für fachliche Probleme, Linda Hassels für Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich.

„Die Schule ist mehr und mehr ein pädagogischer Raum und nicht mehr nur ein Lernort“, sagt Beda Lassernig. Die Kinder nähmen die Schule als wichtigen Lebensbereich wahr, so die Pädagogin. Die Grundschule ist daher aus ihrer Sicht der ideale Ort, um Probleme im sozialen Bereich der jungen Kinder früh anzugehen, damit sie „weniger werden oder verschwinden“.

Lehrerinnen freuen sich über ihren Besuch

Linda Hassels setzt sich regelmäßig in die Klassen und beobachtet die Schülerinnen und Schüler. „Ich halte mich dann bedeckt“, sagt die Sozialpädagogin. Manchmal nimmt sie sich aber auch schon in der Klasse ein Kind zur Seite. „Ein Kind kann man dann aufmerksam auf das machen, was es gerade getan hat, wobei das Kind denkt, dass sein Verhalten normal ist“, sagt Beda Lassernig.

Die Lehrerinnen freuen sich dabei über den Besuch. „Jeder reflektiert sich mehr. Jeder möchte, dass Linda kommt“, betont Lassernig.

Sie möchte sich Zeit nehmen für die Kinder, so Linda Hassels. Ihre Tätigkeit sei ein Angebot an alle Kinder – und Eltern. Auf spielerische Weise versucht die Schulsozialarbeiterin, die Kinder zum Reden zu bringen. Die können sich auf die Vertraulichkeit Hassels’ verlassen. Häufig sind es Probleme mit Lehrern, Mitschülern, im häuslichen Umfeld oder es liege eine Scheidungsproblematik vor.

Beda Lassernig weiß, dass auch viele Eltern das „niederschwellige Angebot“ wahrnehmen. Hier zahlt sich aus, dass die Zuständigkeiten im Schulprogramm klar geregelt sind.

Ein gesellschaftliches Phänomen

Die Schulleiterin hat in den vergangenen Jahren festgestellt, dass der Prozentsatz der Kinder, die einen Wunsch sofort erfüllt haben wollen oder ansonsten bockig reagieren, sich erhöht hat. Das sei ein insgesamt gesellschaftliches Phänomen, so Lassernig.

„Ich versuche den Lebensraum Schule positiv zu gestalten“, sagt Hassels, die den Mädchen und Jungen mit einem Lächeln im Gesicht entgegentritt. So kommt sie leichter mit ihnen in Kontakt. Und wenn die Kinder durch die weit offene Tür kommen, nur um etwas mit Linda Hassels zu spielen.

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