An sieben Stationen in Ahaus, Alstätte, Legden und Heek können E-Autos ausgeliehen werden
E-Carsharing: Aller Anfang ist mühsam

Heek/Alstätte/Ahaus -

Türen gehen nicht auf, das Auto lässt sich nicht starten: Die Anfänge für das E-Carsharing waren mühsam. Vor allem die App bremste Autofahrer aus. Jetzt aber ziehen die Mietzahlen an.

Dienstag, 11.02.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 18:30 Uhr
Die Verantwortlichen des Elektro-Carsharing-Projekts sind zuversichtlich, dass die Akzeptanz nach der Eingewöhnungsphase besser wird.
Die Verantwortlichen des Elektro-Carsharing-Projekts sind zuversichtlich, dass die Akzeptanz nach der Eingewöhnungsphase besser wird. Foto: Markus Gehring

Die Kinderkrankheiten sind zum größten Teil raus, sagt Ute Schwietering , die Koordinatorin des Leader-Projekts E-Carsharing. Je problemloser es funktioniert, ein E-Auto auszuleihen, desto mehr werde das Angebot genutzt. Auch der Fuhrpark wurde noch ausgebaut. Mit mehr Öffentlichkeitsarbeit soll in diesem Jahr noch mehr Schwung in das Projekt gebracht werden. Und es gibt noch mehr Pläne.

Inzwischen sind es sieben Autos, die an verschiedenen Standorten in Ahaus, Heek und Legden ausgeliehen werden können. Beliebteste Ausleihstation: die Stadtwerke in Ahaus.

Rund 100 Menschen haben dort zwischen Juni und Dezember ein E-Auto ausgeliehen – für ein paar Stunden oder für das ganze Wochenende. In diesem Jahr beobachtet Ute Schwietering eine steigende Nachfrage. An den anderen Stationen waren es zwischen 10 und 35 Fahrten. Ute Schwietering: „Da ist noch Luft nach oben.“

E-Mail mit Tipps und Tricks

Neben technischen Schwierigkeiten bei der Verbindung vom Smartphone zur Telemetrieeinheit im Fahrzeug gab es auch Missverständnisse bei der Anwendung. Diese erste Zeit nennt Ute Schwietering eine Lernphase. „Wir verschicken jetzt eine E-Mail mit Tipps und Tricks“, erzählt sie. Wie entferne ich das Ladekabel, wie beende ich die Miete, was mache ich, wenn sich die Türen nicht öffnen – auf all diese Fragen gibt es eine Antwort.

„Viele sind neugierig“, erzählt Ute Schwietering. „Manche testen auch die verschiedenen Modelle.“ Genau so soll es sein. Denn das erst einmal auf zwei Jahre begrenzte Leader-Projekt hat das Ziel, Bürger für Elektrofahrzeuge zu begeistern und einen Umstieg auf Elektromobilität zu fördern.

Das größte Angebot gibt es in Ahaus mit fünf Standorten: am Rathaus, bei der Wirtschaftsförderung, den Stadtwerken, bei der Autovermietung Althoff und in Alstätte an der Ladesäule auf dem Edeka/Aldi-Parkplatz an der Haaksbergener Straße. Am Heeker Rathaus und in Legden steht jeweils ein Wagen.

Wir mussten hohe Hürden nehmen, bis wir alles am Start hatten.

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff

Aller Anfang ist mühsam: Da stellt auch die Dinkelgemeinde in Sachen E-Carsharing keine Ausnahme dar. „Wir mussten hohe Hürden nehmen, bis wir alles am Start hatten“, sagt Heeks Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Anfrage.

Negative Vorfälle habe es so gut wie noch nicht geben, sagt Weilinghoff. „Nein, bis auf eine Ausnahme glücklicherweise nicht.“ Seinerzeit habe eine Frau das E-Car einfach kurzerhand mit nach Hause genommen. Angeblich, weil die Ladestation am Rathaus nicht frei gewesen sei. Ob dem tatsächlich so war, lässt sich nicht mehr klären.

Übrigens waren die Mitarbeiter der Dinkelgemeinde im Vorfeld des offiziellen Starts vor sechs Monaten eine Art „Versuchskaninchen“. Wochenlang testeten sie den E-Golf und die dazugehörige Technik. Und halfen dabei, die „Kinderkrankheiten“ Stück für Stück auszumerzen. „Wir als Gemeinde blicken jetzt zuversichtlich in die Zukunft“, so Franz-Josef Weilinghoff mit Blick auf das Pilotprojekt.

Beim ersten Mal ist das vielleicht noch etwas ungewohnt, aber das gibt sich schnell.

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff

Das lässt sich an Zahlen festmachen. 3000 Kilometer ist der geleaste E-Golf bei mittlerweile rund 35 externen Buchungen gelaufen. „Seit November 2019 haben sich die Zugriffszahlen deutlich verbessert.“ Und der Bürgermeister hat einen Ratschlag: „Beim ersten Mal ist das vielleicht noch etwas ungewohnt, aber das gibt sich schnell. Einfach einmal ausprobieren.“

In Heek wird perspektivisch bereits daran gedacht, das Projekt irgendwann mal auf eigene Beine zu stellen – beispielsweise mit Ankermietern aus der lokalen Wirtschaft.

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Aktuell steht erst einmal eine Verlängerung des auf zwei Jahre bis April 2021 ausgelegten Leader-Projekts im Raum.

Weil es Sinn macht

„Das möchten wir gerne, weil es einfach Sinn macht“, so Weilinghoff. Denn: „Jeder soll auch in Zukunft bei uns mit relativ wenig Aufwand und kostengünstig ein E-Car testen können.“

Ute Schwietering ist sicher, dass sich noch einiges tun wird. „In diesem Jahr sollen viele neue Modelle herauskommen“, sagt sie. Möglich, dass dann auch noch mehr Autos für das E-Carsharing angeschafft werden. Weitere Standorte in Ortsteilen von Ahaus könnten dazukommen.

Die kommenden Monate sollen nun klären, ob man das Projekt wirtschaftlich auf eigene Beine stellen kann. Auf dem Weg dorthin sollen weitere Unternehmen gewonnen werden. Ute Schwietering: „Sie könnten eigene Autos einbringen oder aber unseren Pool nutzen.“​

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