Corona-Krise
Handel richtet sich aufs Schließen ein

Schöppingen/Alstätte/Heek -

Der 90. Geburtstag – ein Grund zum Feiern. Doch daraus wird für Schmuck, Uhren und Augenoptik Jansen in Schöppingen nichts, zumindest nicht – wie geplant – in dieser Woche. Am Dienstag bereitete sich Inhaber Uwe Jansen auf die vorübergehende Schließung vor.

Dienstag, 17.03.2020, 17:34 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 18:12 Uhr
Eine Plexiglas-Scheibe hat Roswitha Richler in ihrem Schreibwaren-Geschäft auch im Bereich der Lotto-Annahmestelle gehängt. So wird der Virenaustausch verhindert.
Eine Plexiglas-Scheibe hat Roswitha Richler in ihrem Schreibwaren-Geschäft auch im Bereich der Lotto-Annahmestelle gehängt. So wird der Virenaustausch verhindert. Foto: Rupert Joemann

In den vergangenen Tagen hatte Jansen versucht, die Postwurfsendung anlässlich des runden Geburtstags zu stoppen – vergeblich. Die Unterlagen waren gedruckt und bei der Post. „Seit Anfang Januar haben wir das Jubiläum mit Aktionen im Frühjahr, Sommer und Herbst geplant“, sagt Uwe Jansen. Die Frühjahrsaktion ist eigentlich für diese Woche vorgesehen gewesen.

Wann und wie lange die Geschäfte geschlossen bleiben müssen, weiß Uwe Jansen am Dienstagvormittag nicht. Dabei haben die Mitarbeiter sich im Beisein der Kunden penibel an die vorgeschriebenen Hygiene-Vorschriften gehalten, um möglichst transparent zu handeln. „Wir werden den Schaden begrenzen müssen“, sagt der Optikermeister. Was bleibe, sei Unsicherheit. Er wisse auch nicht, ob die Augenoptik möglicherweise zur Daseinsvorsorge zähle, wovon Uwe Jansen überzeugt ist. Eine Info darüber hat er bisher nicht erhalten.

Bis jemand sagt: „Macht zu!“

Wie es weitergeht, weiß auch Roswitha Richler vom gleichnamigen Schreibwaren-Geschäft nicht. Sie will auflassen, „bis dass jemand sagt: Macht zu“. Seit ein paar Tagen hängen in den beiden Kassenbereichen zur Lotto-Annahmestelle und für den Schreibwaren-Bedarf Plexiglas-Scheiben. So wird der Virenaustausch verhindert.

Die Schöppingerin spürt schon seit ein paar Tagen die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Allein acht Kunden hätten diverse Bestellungen storniert. Denn Hochzeiten und Taufen würden nur noch eingeschränkt gefeiert. Eingekauft hat sie schon Artikel für Kommunionfeiern. Doch einige Kirchengemeinden haben ihre Erstkommuniontermine verschoben. Roswitha Richler fragt sich zudem, ob Lotto-Anbieter in Tankstellen und Supermärkten offen bleiben dürfen, während sie schließen muss.

Ihr fehlen hierüber Informationen. Auch darüber, ob sie für den Lotto-Bereich öffnen dürfte.

Daniel Rahms vom Schuhhaus Rahms geht davon aus, dass noch am Dienstag entschieden werde, wann die Geschäfte schließen müssen. Er sehe die Notwendigkeit ein, um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, doch „wirtschaftlich ist das eine Katastrophe“. Rahms geht von einer mindestens 14-tägigen Schließung aus.

Im Januar und Februar wäre das halb so schlimm. Da ist das Geschäft ruhiger.

Daniel Rahms

Die Schuh-Branche trifft die Situation zu einer Unzeit. Gerade im März läuft das Frühjahrsgeschäft. Rahms: „Im Januar und Februar wäre das halb so schlimm. Da ist das Geschäft ruhiger.“

Was für ihn überhaupt nicht in Frage kommt, ist das Entlassen von Mitarbeitern. „Die sind teilweise schon über 30 Jahre bei uns.“

Sich von Mitarbeitern zu trennen, kommt auch für Jürgen van Weyck vom gleichnamigen Möbelhaus in Alstätte überhaupt nicht in Betracht. Er habe ein gutes Team, die Zusammenarbeit müsse sich auch in der Krise bewähren. Das gelte auf beiden Seiten, so Jürgen van Weyck. Damit meint er ausdrücklich auch die Arbeitgeber-Seite. Er werde selbstverständlich seiner Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern gerecht.

Der Alstätter geht davon aus, dass die Läden bis nach den Osterferien geschlossen bleiben. Das Möbelhaus dürfe aber weiter ausliefern. Um das sicherzustellen, will Jürgen van Weyck die Ausliefer-Teams splitten, sodass sie keinen Kontakt untereinander haben. Sollte ein Team ausfallen, muss das andere nicht in Quarantäne. Auch den Service möchte er aufrechterhalten. „Wir wollen die Kunden nicht im Regen stehen lassen.“

Lager sind noch voll

Das Gros der Kunden zeigt Verständnis für die momentane Situation. Liefertermine würden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, so van Weyck.

Noch seien die Lager der Lieferanten voll. Wie lange das aber so bleibe, könne er nicht sagen. So kommen beispielsweise Stoffe und Leder aus Italien, Beschläge und Gestelle aus China, andere Produkte aus Polen.

Vermutlich auf ihren gerade eingekauften Osterhasen-Dekorationen bleibt Lucia Hinricher von Glas, Porzellan und Haushaltswaren in Heek in diesem Jahr sitzen. Die wird sie dann bis zum nächsten Jahr weglegen. „Wenn wir schließen müssen, werden wir Aufgaben erledigen, die sonst liegenbleiben“, sagt Hinricher. Die beiden Aushilfen bleiben bereits jetzt zu Hause. Sie kämen aber auf jeden Fall nach dem Ende der Corona-Krise wieder.

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