Die Corona-Vorsichtsmaßnahmen legen auch das kirchliche Gemeindeleben lahm
Der Kirche fehlt das wichtigste Pfund

Alstätte -

Normalerweise ist sein Tag, wie der vieler anderer Pfarrer auch, eng durchgetaktet: Gottesdienste müssen vorbereitet und gefeiert werden, Gremien besucht und Organisationsfragen geklärt werden.

Das ist plötzlich alles vorbei – damit sich das Corona-Virus nicht ungehindert verbreiten kann, ist auch das Gemeindeleben beinahe vollständig zum Erliegen gekommen.

Donnerstag, 19.03.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 17:12 Uhr
Die Kirchenbänke bleiben als Vorsichtsmaßnahme derzeit leer. Deshalb hat Pfarrer Stefan Jürgens seine geistliche Arbeit ins Internet verlegt.
Die Kirchenbänke bleiben als Vorsichtsmaßnahme derzeit leer. Deshalb hat Pfarrer Stefan Jürgens seine geistliche Arbeit ins Internet verlegt. Foto: Matthias Ahlke

Taufen und Hochzeiten werden verschoben, die Vorbereitung auf die Erstkommunion fällt aus, und selbst Besuche in Altenheimen oder Krankenhäusern dürfen momentan nicht sein.

„Vorher ist man tatsächlich von Termin zu Termin gehetzt“, sagt Pfarrer Stefan Jürgens . Von denen es alleine dadurch schon reichlich gab, dass insgesamt fünf Kirchen in Ahaus, Graes, Ottenstein und eben Alstätte in seinem Verantwortungsbereich liegen.

Lediglich die Krisenstäbe, die in jeder der Pfarrgemeinden gebildet wurden, tagen noch regelmäßig – allerdings per Telefon oder Internet. Die fehlenden persönlichen Begegnungen sind das, was Pfarrer Jürgens derzeit am meisten fehlt: „Sie sind doch eigentlich das Pfund, mit dem die Kirche wuchern kann.“

Normalerweise gehörten Kontakte untereinander zum Alltag in der Gemeinde – entsprechend heftig sei jetzt die „Schockstarre“ durch die Regelungen, die derzeit notwendig sind.

Das Beten auf der Bettkante geht immer.

Stefan Jürgens

Stefan Jürgens nutzt die neu gewonnene Zeit, um wenigstens übers Telefon Kontakte zu pflegen. „Ich kann mich endlich bei Leuten, mit denen ich schon lange mal wieder sprechen wollte, melden.“

Ganz auf seine geistlichen Aufgaben will der Pfarrer aber in Zeiten abgesagter Gottesdienste und Gemeindetreffen nicht verzichten. Deshalb hat er seinen Blog „Der Landpfarrer“ wieder reaktiviert. Die täglichen Beiträge dort sollen vor allem eine Anleitung zum direkten Gespräch mit Gott sein – deshalb nennt er sie die „kleine Gebetsschule“. „Das Beten auf der Bettkante geht immer. Es ist spirituell auch viel grundlegender als das Beten in der Kirchenbank“, findet Stefan Jürgens. Auch wenn die Reaktivierung seines Blogs durchaus mit der Coronakrise zusammenhängt: Von verzweifelten Bittgebeten hält er nichts. „Wenn nur die Not das Beten lehrt, ist das eine sehr naive Form von Glauben.“ Obwohl Jürgens einiges an Kameraerfahrung hat – schließlich war er einige Jahre lang einer derjenigen, die das „Wort zum Sonntag“ in der ARD sprachen – will er es diesmal beim Schreiben lassen. „Ich bin kein klassischer Youtuber – das machen andere besser.“

| derlandpfarrer.blogspot.com

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