Bombardierung von Alstätte
Der Tod kam plötzlich

Alstätte -

Schon am Morgen des 22. März 1945 schwebte eine dumpfe Vorahnung über dem Dorf. Am Vortag hatte es eine Warnung über die unmittelbar bevorstehende Bombardierung durch einen „Schwarzsender“ vom SHAEF (Hauptquartier der Alliierten) an die Alstätter Zivilbevölkerung gegeben. Doch nur wenige hatten zu der Zeit einen Volksempfänger um die Nachricht hören zu können.

Freitag, 20.03.2020, 17:12 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 17:02 Uhr
Die Kirchturmuhr zeigte noch lange den Zeitpunkt des verheerenden Angriffs auf Alstätte an: Gegen 11.10 Uhr legten Bomber das Dorf in Schutt und Asche und töteten dabei 81 Menschen.
Die Kirchturmuhr zeigte noch lange den Zeitpunkt des verheerenden Angriffs auf Alstätte an: Gegen 11.10 Uhr legten Bomber das Dorf in Schutt und Asche und töteten dabei 81 Menschen. Foto: Heimatverein

Dennoch kam die Bombardierung für die Bevölkerung plötzlich. Bisher waren alle Bomber in großer Höhe über Alstätte hinweggeflogen, sind erst am Zielort tiefer eingeflogen und haben ihre Bomben abgeworfen. In Alstätte aber waren die Bomber bereits aus geringer Höhe angeflogen und auch daher so spät entdeckt worden. Mehrere Augenzeugen berichteten, die Piloten in den Kabinen und das Ausklinken der Bomben gesehen zu haben.

In den Tagen zuvor gab es immer wieder Fliegeralarm und über Alstätte donnerten massenhaft Bomber und Jagdflugzeuge hinweg. Ein geregelter Schulunterricht war deshalb schon lange nicht mehr möglich. Oft fand dieser im Keller der Schule statt. Auch Angriffe durch Jagdflugzeuge auf einzelne Personen oder Gruppen kamen regelmäßig vor.

Viele Funker stationiert

In Alstätte waren viele Soldaten stationiert, unter ihnen auch Funker, die vorwiegend im Bereich um die Kirche untergebracht waren. Auch diese hatten durch das Abhören vom Funk der Gegner von der drohenden Bombardierung im Rahmen der Luftunterstützung des Vormarsches der alliierten Truppen erfahren.

Entgegen der Meinung, der Bahnhof sei das Ziel des Angriffs gewesen, weisen neuere Informationen darauf hin, dass eben diese Funker das hauptsächliche Ziel des Angriffs waren. Das würde auch erklären, warum fast alle Bomben im Dorfkern, und zwar im unmittelbaren Umfeld der Kirche gefallen sind.

Aus allen Ecken Flammen

„Wir sahen die zahllosen Bomben auf das Dorf regelrecht einprasseln. Sie legten das Dorf in Schutt und Asche. An allen Ecken schlugen Flammen aus den Trümmern empor. Durch die gewaltige Staubwolke und den schwarzen Qualm war die Sonne nicht mehr zu sehen“, berichteten Augenzeugen später. 23 Häuser mit 48 Wohnungen lagen komplett in Trümmern, weitere 15 waren stark beschädigt und nicht mehr bewohnbar.

Alle Häuser der Kirchstraße, der Langen Straße und der Friedhofsstraße existierten nicht mehr.

Inmitten des Trümmerfelds stand die Kirche, von der nur noch ein Torso übrig geblieben war.

Insgesamt 81 Menschen sind bei dem Luftangriff am 22. März 1945 gestorben, darunter 51 Alstätter. Es traf alle ohne Unterschied: Frauen, Männer, Kinder, Zwangsarbeiter und Soldaten. Gemessen an der Einwohnerzahl wurde kein Ort im Kreis Ahaus so hart getroffen wie Alstätte.

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