Jürgens will bis zur Rente in Ahaus bleiben
Unendlich herzlich und leicht

Alstätte -

Eins steht für Stefan Jürgens jetzt schon fest: „Ich fühle mich sehr wohl in Ahaus – hier bleibe ich bis zur Rente.“ Dabei ist der 51-Jährige erst seit knapp vier Monaten Pfarrer der beiden Gemeinden St. Mariä Himmelfahrt Ahaus und St. Mariä Himmelfahrt Alstätte und Ottenstein.

Freitag, 27.03.2020, 15:42 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 17:58 Uhr
Pfarrer Stefan Jürgens an einem seiner neuen Einsatzorte – der St. Marien-Kirche in Alstätte.
Pfarrer Stefan Jürgens an einem seiner neuen Einsatzorte – der St. Marien-Kirche in Alstätte. Foto: B. Schäfer

Dass er sich so schnell festlegt, habe sich schon ganz zu Anfang herauskristallisiert: „Der Einstieg war unendlich herzlich und leicht. Da habe ich sofort gemerkt: Hier passe ich hin.“

Leicht wurde ihm der Einstieg wahrscheinlich auch dadurch gemacht, dass er zumindest die „Stadt“-Gemeinde schon aus seiner Zeit als Kaplan kannte – auch wenn die schon über 20 Jahre zurückliegt. „Deshalb kannte ich den Menschenschlag hier schon“, lacht Stefan Jürgens .

Ich möchte als Pfarrer nicht nur ein Gegenüber sein, sondern ein Teil der Gemeinde.

Pfarrer Stefan Jürgens

Der passe gut zu ihm, findet er. Und das sei absolut wichtig: „Ich möchte als Pfarrer nicht nur ein Gegenüber sein, sondern ein Teil der Gemeinde. Wenn die Beziehung nicht passt, nützen alle Worte nichts.“

Manchmal können es aber doch nur Worte richten, zum Beispiel als die Frau, die gerade in der Alstätter Marienkirche eine Kerze angezündet hat, ihn fragt, ob sie das Geld dafür auch einfach in den Opferstock werden solle. „Machen Sie das ruhig“, sagt er – und gibt gleich darauf schmunzelnd zu: „Ich habe keine Ahnung, wie die das hier machen. Ich erkundige mich nachher mal – ich muss eben noch so einiges lernen.“

Auf keinen Fall wolle er den Mitarbeitern in der Gemeinde vorschreiben, wie Dinge geregelt werden sollen. „Ich kann als Pfarrer nicht durchregieren. Ich brauche viele andere, die mich unterstützen.“ Dafür will er klare Strukturen schaffen, wer welche Aufgaben aber auch Kompetenzen hat. „Sonst bliebe mir für die seelsorgerische Arbeit ja überhaupt keine Zeit mehr.“

Alstätte und Ottenstein sind eher traditionell.

Pfarrer Stefan Jürgens

Die ersten Monate hat er vor allem genutzt, um viele Menschen aus den Gemeinden kennenzulernen. Dabei hat er einen Unterschied schon festgestellt: „Die Stadtgemeinde ist sehr liberal, Alstätte und Ottenstein sind eher traditionell.“ Auf den Dörfern seien oft Traditionen weitergegeben worden, ohne sie zu reflektieren.

Das will Stefan Jürgens ändern. Und hat dafür auch schon ein Beispiel: In Alstätte wurde der Rosenkranz immer noch mit dem Satz „Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle“ gebetet. „Ich habe dann zu einem Vortrag eingeladen, warum wir das heute eigentlich nicht mehr sagen“, war Jürgens gespannt auf die Reaktion der Gemeinde. Und anschließend erfreut: „Er wurde sehr gut angenommen. Ich sehe hier einen Hunger nach Innovationen.“

Kein traditioneller Heimatverein

Der wird durch den oft streitlustigen Geistlichen, der sich auch nicht davor scheut, manchmal eine andere Meinung als die der Amtskirche einzunehmen, ganz bestimmt noch gestillt. So sagt er etwa: „Die Kirche darf sich als Institution nicht zu wichtig nehmen – es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“ Er verstehe die Kirche nicht als „traditionellen Heimatverein“: „Die alten Formen passen nicht mehr, sie müssen in die neue Zeit geholt werden.“ Und der Glaube sei kein Zustand, sondern ein Weg. „Ich habe mir vorgenommen, gemeinsam mit den Menschen in meinen Gemeinden diesen Glauben zu entwickeln.“

Stefan Jürgens ist optimistisch, dass ihm das in den Ahauser, Alstätter und Ottensteiner Gemeinschaften gelingen kann. „Wir haben alle ganz schnell zueinander gefunden. Ich bin hier nicht der ‚Chef“ oder der ‚Alte‘.“

Täglich eine Stunde Üben

Und auch das Seelsorgeteam für die beiden weiter eigenständigen St. Mariä-Himmelfahrts-Gemeinden habe schnell zusammengefunden. „Das finde ich sehr gut.“

Weil es so gut läuft, kann er sich schon jetzt hin und wieder anderen Dingen widmen. Etwa den Morgenandachten, die kürzlich aufgezeichnet wurden und in den kommenden beiden Wochen im Radio ausgestrahlt werden (siehe Infokasten).

Oder der Musik. Seine eigene Orgel hat er vor dem Umzug nach Ahaus zwar abgeben müssen, weil sie nicht in die neue Wohnung gepasst hätte. Aber seinen Flügel konnte er mitnehmen. „Auf dem übe ich jeden Tag eine Stunde.“ Und wenn er ganz nett bei Anne-Katrin Vogel oder Jan Willem Docter fragt, darf er bestimmt auch mal an einer der Kirchenorgeln üben ...

„Ich habe echt einen Traumjob. Das ist sehr erfüllend und macht mich glücklich.“

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