Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner
Die Jagd beginnt oft abends und mit biologischen Mitteln

Alstätte -

In den beiden vergangenen Jahren wurde der Eichenprozessionsspinner zu einer echten Plage. Nun schauen die Menschen bang auf die kommende Saison. Jürgen Busch glaubt, einer erneuten Plage vorbeugen zu können – mit Fadenwürmern.

Samstag, 18.04.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 06:01 Uhr
Der Alstätter Jürgen Busch überprüft den um 360 Grad drehbaren Sprühnebelkopf. Mit einer Wasser-Nematoden-Lösung bekämpft er Eichenprozessionsspinner.
Der Alstätter Jürgen Busch überprüft den um 360 Grad drehbaren Sprühnebelkopf. Mit einer Wasser-Nematoden-Lösung bekämpft er Eichenprozessionsspinner. Foto: Rupert Joemann

Jürgen Busch legt derzeit mit seinen Mitarbeitern so manche Spätschicht ein. Der Grund für die ungewöhnlichen Arbeitszeiten bis teilweise nach Mitternacht ist, dass seine mikroskopisch kleinen biologischen Helfer eine feuchte Umgebung lieben. In der Sonnenhitze überleben die wirbellosen Fadenwürmer (Nematoden) nicht lange. Dann haben sie zu wenig Zeit, um in die jungen Eichenprozessionsspinner einzudringen und diesen den Garaus zu bereiten.

Und gerade dafür buchen die Auftraggeber, vor allem Kommunen und Privatpersonen, den Alstätter. Er soll versuchen, dass sich die Eichenprozessionsspinner-Plage der vergangenen beiden Jahre nicht wiederholt.

Wirbellose Würmer zum Wasser

Zum ersten Mal setzt der gelernte Gärtner, der sich zum European Tree Worker, fortgebildet hat und in Alstätte ein Baumpflege-Unternehmen besitzt, dabei auf eine professionelle Maschine. In den vergangenen Jahren nutzte Jürgen Busch einen Hubsteiger und Handspritzgeräte, um in den Kronenbereichen den Eichen zu Leibe zu rücken. Das sei zeitaufwendig und mühsam gewesen, so der Alstätter.

Zahlreiche Prozessionsspinner hängen noch am Nest.

Zahlreiche Prozessionsspinner hängen noch am Nest. Foto: Jürgen Busch

„Mit der Maschine geht das zwei- bis dreimal schneller“, sagt Jürgen Busch. Die Maschine besteht vor allem aus einem um 360 Grad drehbaren Sprühnebelkopf. Darüber sind drei Strahler montiert, die auch nachts für genügend Licht sorgen, und eine Kamera. So kann Jürgen Busch aus dem Fahrerhaus seines Treckers die Eichen gezielt besprühen.

Das nötige Wasser kommt aus mehreren Behältern, die zusammen 800 Liter fassen. Dem Wasser werden die wirbellosen Fadenwürmer beigemischt, sodass eine 1,6 prozentige Lösung entsteht. Rund 20 Liter Wasser-Nematoden-Lösung benötigt Jürgen Busch pro Baum.

Zeitpunkt hängt vom Wetter ab

„Die Nematoden leben sonst im Boden, wo es feucht ist“, erklärt Jürgen Busch. Ist es an den Bäumen kühl genug und die Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig, überleben die Nematoden etwa vier bis fünf Stunden. Ausreichend Zeit, um in die Körperöffnungen der Eichenprozessionsspinner zu dringen, und sie mit Bakterien zu infizieren, sodass sie absterben. Das können sie allerdings nur, wenn die Eichenprozessionsspinner noch klein sind.

Die Eichenprozessionsspinner-Saison geht für Jürgen Busch und sein Team noch bis Anfang Mai. Der genaue Zeitpunkt hängt vom Wetter ab. „Je kälter es ist, umso inaktiver sind die Eichenprozessionsspinner. Dann wachsen sie auch langsamer.“

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die Eichenprozessionsspinner überwintern im Ei. Etwa 150 bis 250 davon bilden ein Nest. „Die Gelege sitzen an den dünneren Trieben im Kronenmantel“, erklärt Jürgen Busch. Die Sprühnebel-Lösung mit den Nematoden umschließt die Triebe. Und die machen sich dann ans Werk.

Erfolgsquote bei 70 bis 80 Prozent

„Für Menschen und andere Nützlinge sind die Nematoden ungefährlich“, betont der Baumpflege-Experte. Die Lösung sei biologisch unbedenklich. Busch hat auf seinem Gefährt einige Erklärungen aufgeführt. Details erfahren Interessenten über einen aufgebrachten QR-Code. Seine Erfahrungen sind positiv. „Die Leute sind froh, dass etwas vorsorglich gegen die Eichenprozessionsspinner getan wird“, sagt Jürgen Busch. Früher sei immer erst etwas unternommen worden, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen war“.

Die Erfolgsquote mit der biologischen Nematoden-Lösung beziffert er auf etwa 70 bis 80 Prozent. Ein Problem sei, dass die Eichenprozessionsspinner nicht alle zur gleichen Zeit schlüpfen. Die Tiere bräuchten Wärme. Jedoch seien die Bedingungen an den einzelnen Bäumen teilweise sehr unterschiedlich, obwohl die Eichen nah beieinander stünden, so Jürgen Busch. Aber durch die ungewöhnlichen Arbeitszeiten können die wirbellosen Fadenwürmer viele Eichenprozessionsspinner frühzeitig ausschalten.

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