Heinrich Ellerkamp hört nach 13 Jahren mit dem Sammeln von Wertstoffen auf
Das Geld wird fehlen

Alstätte -

„Es geht dem Ende zu“, sagt Heinrich Ellerkamp traurig. Aber zum Glück meint er damit nicht sein eigenes, sondern das seiner Tätigkeit als Sammler von altem Eisen.

Dass der rüstige Alstätter mit seinen 78 Jahren mittlerweile ja irgendwie auch selbst zum „alten Eisen“ gehört, ist nicht der einzige Grund.

Montag, 04.05.2020, 15:56 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 18:45 Uhr
Heinrich Ellerkamp (l.) und Lukas Aydin füllen zum letzten Mal einen Container für den guten Zweck,.
Heinrich Ellerkamp (l.) und Lukas Aydin füllen zum letzten Mal einen Container für den guten Zweck,. Foto: Bernd Schäfer

„Es kommt einfach nichts mehr dabei rein“, bedauert Ellerkamp . Als er das letzte Mal seine „gesammelten Werke“ zum Verwerter brachte, erhielt er gerade einmal noch vier Cent für das Kilo. Damit lassen sich kaum nennenswerte Beträge für die drei Einrichtungen, die von Heinrich Ellerkamp seit Jahren unterstützt werden, einnehmen: Etwa die 8000 Euro, die er im vergangenen Jahr zwischen den Hospizen in Dülmen und Stadtlohn sowie dem Familienhaus der Uniklinik Münster aufteilen konnte.

Enormer zeitlicher und finanzieller Aufwand

„Das Geld wird den Einrichtungen fehlen“, weiß der Alstätter durch die Rückmeldungen, die er erhalten hat, als er seinen Rückzug ankündigte. Lange Zeit hoffte er, noch einen Nachfolger finden zu können, dem er seine Arbeit übergeben kann – und auch die Partner, die in verschiedenen Orten der Umgebung Wertstoffe sammeln und an ihn weitergeben.

Aber daraus ist nichts geworden. Zum Einen, weil hinter der Sammlung ein enormer zeitlicher und auch finanzieller Aufwand steckt: Unzählige Kilometer hat Ellerkamp in den vergangenen Jahren auf eigene Kosten zurückgelegt, um Metalle und andere sammlungswürdige Materialien abzuholen.

Oft waren die Fuhren nicht sortenrein, sodass er sie in stundenlanger Arbeit erst einmal Stück für Stück durchsuchen und trennen musste. „Zeit und Geld darfst du nicht berechnen“, sagt Ellerkamp.

Wenn man sich dann auch noch einen Container mieten muss, lohnt es sich schon nicht mehr.

Heinrich Ellerkamp

Und selbst wer das alles auf sich nehmen würde: „Wenn man sich dann auch noch einen Container mieten muss, lohnt es sich schon nicht mehr.“ Er selbst hatte das Glück, den Behälter kostenlos von der Firma Wilmer gestellt bekommen zu haben.

„Ich würde es gerne weitermachen – aber ich schaffe es zeitlich nicht“, sagt Lukas Aydin. Der Südlohner hat Ellerkamp bereits in den letzten drei Jahren unterstützt, ist aber beruflich noch zu stark eingespannt, um das Projekt zu übernehmen.

Den großen Container vor seinem Haus will Ellerkamp noch einmal bis zum Rand füllen und dafür die Runde bei seinen Partnern machen. „Einmal nach Herne muss ich auch noch – da hat einer 1340 Kilo Kronkorken für mich“, lacht der 78-Jährige.

Die Enkel freuen sich

Die kommen dann noch auf die rund zehn Tonnen an Wertstoffen, die er in diesem Jahr bereits zusammenbekommen hat. Ende Mai, Anfang Juni will Heinrich Ellerkamp dann den endgültigen Schlussstrich ziehen.

Immerhin bleiben ihm dann noch die Erinnerungen an die vielen Leute, die er und seine Frau Mathilde in den vergangenen 13 Jahren kennengelernt haben. Und bei denen sich das Ehepaar bedankt. „Alleine hätten wir das gar nicht geschafft.“

Freuen werden sich dagegen bestimmt die zehn Enkelkinder – für da haben Oma und Opa endlich mehr Zeit.

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