Bernhard Kernebeck hatte Königswürde im Schwiepinghook 13 Jahre inne
Vier Könige in einer Alstätter Familie

Alstätte -

Die Amtszeit des Schwiepinghooker Schützenkönigs beträgt in der Regel zwei Jahre. Die Familie Kernebeck ist jedoch Spezialist für längere Amtszeiten.

Donnerstag, 23.07.2020, 11:40 Uhr
Die Holzbank verdeutlicht es schon: Hier sitzen mit Andre (l.) und Heinrich Kernebeck zwei eingefleischte Mitglieder des Schützenvereins Schwiepinghook. Während der Sohn den Königorden seines Vaters hält, zeigt der Senior den Zylinder der Vorstandsmitglieder.
Die Holzbank verdeutlicht es schon: Hier sitzen mit Andre (l.) und Heinrich Kernebeck zwei eingefleischte Mitglieder des Schützenvereins Schwiepinghook. Während der Sohn den Königorden seines Vaters hält, zeigt der Senior den Zylinder der Vorstandsmitglieder. Foto: Rupert Joemann

Da an diesem Wochenende das Schützenfest wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste und das nächste Schützenfest erst 2022 stattfindet, verlängert sich die Zeit des amtierenden Königs Andre Kernebeck auf vier Jahre. Das ist aber nichts gegenüber den 13 Jahren die sein Ur-Opa Bernhard Kernebeck in Amt und Würden war.

1937 hatte Bernhard Kernebeck den Vogel abgeschossen und Anna Wigber zu seiner Königin erkoren hatte. Zwei Jahre später, als das Schützenfest noch im September abgehalten wurde, stand das Festzelt zwar schon, doch der Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 kam dazwischen. Das Zelt musste wieder abgebaut werden.

Königinnen

Aus dem Hause Kernebeck stammen nicht nur vier Könige, sondern auch drei Königinnen. So saßen Andre Kernebecks Mutter Marlies, Oma Christel und Ur-Oma Maria auf dem Thron. Dazu kam noch Elisabeth Heffler, Ur-Oma mütterlicherseits, die bei der Schützen-Gesellschaft Alstätte-Dorf mitregierte. An der Seite Andre Kernebeck ist jetzt Ann-Kathrin Weitkamp die Königin.

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„Mein Opa hat den Vogel auf dem Boden unter Heu versteckt“, erzählt Andre Kernebecks Vater Heinrich, selbst von 2002 bis 2004 König und seit 14 Jahren Vorsitzender des Schützenvereins Schwiepinghook . Sein Vater brachte es sogar auf 37 Jahre an der Vereinsspitze. Erst elf Jahre später, 1950, kramte Bernhard Kernebeck den Vogel zum erstes Schützenfest der Schwiepinghooker nach dem Krieg wieder heraus.

Bernhard Kernebeck war der erste in der König-Reihe der Kernebecks im Schwiepinghook. Von 1956 bis 1958 regierte dann Heinrich Kernebeck. Es folgten sein Sohn Heinrich und aktuell Andre Kernebeck.

Der 26-Jährige hatte schon zuvor versucht, den Vogel abzuschießen. Für den Maurer war früh klar, dass er Schützenkönig werden wollte. Endlos auf die lange Bank schieben, konnte er das aber nicht. Ab dem 21. Lebensjahr dürfen die Schwiepinghooker auf das hölzerne Federvieh schießen. Und: „Man muss im Schwiepinghook wohnen, um König werden zu können“, erzählt Andre Kernebeck, der noch zu Hause wohnt. Da sein Bruder Michael in der benachbarten Doppelhaus-Hälfte lebt, ist für den 26-Jährigen klar, dass er irgendwann ausziehen wird.

Vorher wollte Andre Kernebeck aber unbedingt noch König werden. „Man muss einmal König gewesen sein“, findet der 26-Jährige. Sein Vater pflichtet ihm nickend bei. „Etwas Schöneres gibt es nicht, wenn die Gäste auf den Tischen tanzen“, erinnert sich Andre Kernebeck kann seinen Krönungsball.

„Das wird hier ja auch vorgelebt“, ergänzt Heinrich Kernebeck schmunzelnd. Und das gilt für das gesamte Schützenwesen in der Bauerschaft. Rund 120 Häuser gibt es im Schwiepinghook. „Ich habe noch nicht gehört, dass einer nicht Mitglied geworden ist“, sagt Heinrich Kernebeck. Das gelte auch für Zugezogene.

Doch auch den Schwiepinghookern fällt es immer schwieriger, Königskandidaten zu finden. Viele glauben, dass dass mit hohen Kosten verbunden sei. Dem sei aber nicht so, versichern beide Kernebecks. Bei der Junggesellen-Kopmanie wird einmalig Geld gesammelt, das so lange im Pott bleibt, „bis einer den Vogel abschießt“, erklärt Andre Kernebeck.

Und das kommt eigentlich nur einmal im Leben vor. Laut Satzung wäre es zwar möglich, 25 Jahre nach dem ersten Königsschuss noch einmal anzutreten, doch „es gibt ein ungeschriebenes Gesetz“, so Heinrich Kernebeck, dass man das nicht macht.

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