Landgericht: Verfahren wegen versuchten Totschlags in Alstätte
Gutachterin empfiehlt Entzugstherapie für Angeklagten

Münster/Alstätte -

Alkoholkonsum spielte offenbar eine Rolle bei jenem 29-Jährigen, der im Oktober seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Alstätte mit einem Küchenmesser angegriffen und erheblich verletzt haben soll (wir berichteten). Im Verfahren am Landgericht Münster um versuchten Totschlag empfahl eine psychiatrische Gutachterin am Mittwoch, den Mann im Zuge einer möglichen Haftstrafe auch zu einer Alkohol-Entzugstherapie unter geschlossenen Bedingungen zu verpflichten.

Mittwoch, 29.07.2020, 18:14 Uhr

 

Betrunken war der Mann schon mehrmals aggressiv aufgetreten und zu Geldstrafen verurteilt worden. So hatte der Angeklagte 2014 und 2018 jeweils den Führerschein verloren – erst wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung, Trunkenheit im Verkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Er hatte mit 1,7 Promille Blutalkohol in Epe die Kontrolle über sein Auto verloren und war gegen eine Hauswand gefahren.

Zwei Polizisten, die zum Unfallort kamen, habe er „ohne erkennbaren Grund angegriffen“ und sie an Hand beziehungsweise Arm verletzt, zitierte die Vorsitzende Richterin aus dem Urteil des Amtsgerichts Gronau.

Beim zweiten Vorfall seien es erneut 1,7 Promille Blutalkohol gewesen – diesmal verurteilte ihn das Amtsgericht Ahaus wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr in Ottenstein.

Beim Streit mit Nachbarn hatte er laut einem weiteren Urteil des Amtsgerichts Ahaus einem Mann mit der Faust auf die Nase geschlagen und ihm und dessen Frau gedroht, er würde beiden „den Hals durchschneiden“. Letzteres bestritt der Ottensteiner damals.

Bis zu seiner Inhaftierung am 17. Oktober hatte der 29-Jährige in seinem Beruf gearbeitet, der Alkoholkonsum sei bis dahin aber ein Problem geblieben. Sein Blutalkoholwert habe zum Zeitpunkt der angeklagten Tat etwa 1,9 Promille betragen. Zwar sei medizinisch „keine Alkoholabhängigkeit“ diagnostizierbar, sagte die Ärztin mit Schwerpunkt forensische Psychiatrie. Als der Angeklagte – so der Vorwurf - mit dem Messer auf seine Frau losgegangen sei, habe aber mit Sicherheit „eine höhergradige Berauschung“ vorgelegen. Sie gehe davon aus, dass so etwas in einer Beziehungskonstellation ohne vorherige Therapie „wieder vorkommen“ könne.

Ein Rechtsmediziner berichtete von den Verletzungen der 27-Jährigen, die sie sich durch Abwehrbewegungen zugezogen haben könnte: Über etliche Verletzungen an Händen Fingern, Oberschenkel und Fuß hinaus seien an zwei Fingern Beugesehnen und Nerven von der 21 Zentimeter langen Klinge durchtrennt worden. Hinsichtlich der Nerven sei es „fraglich, ob Empfindung, Motorik und Kraft“ in normalem Maße zurückkämen.

Am heutigen Donnerstag werden die Plädoyers gehalten und voraussichtlich auch das Urteil gesprochen.

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