Vater und Sohn sind erstmals Alttier-Meister in der Reisevereinigung Hamaland
Holtkamps aus Alstätte gewinnen ganz enges Rennen

Alstätte -

Um exakt 18.29 Uhr und 19 Sekunden stand am vergangenen Samstag die erste Alttier-Meisterschaft in der Reisevereinigung Hamaland für Hermann und Michael Holtkamp fest. Da nämlich hatte die letzte Preistaube beim Flug ab Straubing (538 km) den Schlag von Helmut Pennekamp erreicht. Dadurch konnten sich die zweitplatzierte Schlaggemeinschaft Göring und Rosing (Vreden) und Heinrich Breuer (Vreden) nicht mehr verbessern.

Freitag, 31.07.2020, 17:54 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 11:34 Uhr
Glücklich über ihre erste Meisterschaft in der Reisevereinigung mit den Alttauben sind Michael (l.) und Hermann Holtkamp.
Glücklich über ihre erste Meisterschaft in der Reisevereinigung mit den Alttauben sind Michael (l.) und Hermann Holtkamp. Foto: Rupert Joemann

Auf die offizielle Bestätigung mussten Vater und Sohn allerdings in der Einsatzzentrale bis 21.15 Uhr warten. Dann waren alle Ergebnisse der Alstätter, Lüntener und Vredener Züchter in ein Computerprogramm eingegeben. Und das druckte am Ende die Schlaggemeinschaft Holtkamp und Sohn als Sieger aus.

Eher ungewöhnlich ist dabei, dass die beiden nicht die höchste Preiszahl haben. Die beiden Nächstplatzierten wiesen 40 Preise auf, Hermann und Michael Holtkamp dagegen 39 Preise. Seit einigen Jahren jedoch wird die RV-Meisterschaft nach Anzahl der geflogenen Preiskilometer vergeben. Und hier hatten die beiden Alstätter mit 11 468 Kilometer zu 10 867 beziehungsweise 10 732 Kilometer der Konkurrenten die Nase vorn.

„Das war dieses Jahr ganz eng“, erzählt der 28-jährige Michael Holtkamp. Der vor dem letzten Flug führende Willy Garwer (Lünten) musste sich am Ende mit Rang sechs begnügen. Garwer blieb als kleines Trostpflaster wenigstens der Tagessieg.

Auch wenn es bei den Alttauben der Premierentitel war, mit RV-Meisterschaften kennt sich das Duo aus. 2015, 18 und 19 gewannen die beiden zusammen die Jungtier-Meisterschaft.

Die beiden sind ein eingespieltes Teams. Obwohl Michael Holtkamp erst 28 Jahre alt ist, schicken die beiden Männer schon seit 22 Jahren unter der Bezeichnung Schlaggemeinschaft Holtkamp und Sohn. Man habe mit sechs Jahren Mitglied im Brieftaubenverein werden können, so Michael Holtkamp. Kaum hatte er das Alter erreicht, trat er ein. „Die ganze Arbeit mit den Tieren“, fasziniert den Landschaftsgärtner. Dazu kommt der sportliche Wettkampf bei den Preisflügen.

„Der Sport hat so viele Facetten“, findet sein Vater Hermann. Ein halbes Jahr kümmerten sich die Brieftaubenliebhaber um die Zucht, das andere halbe Jahr um das Reisen.

Die beiden teilen sich die Arbeit so auf, wie sie gerade anfällt. Sie haben sich nicht extra spezialisiert. „Jeder weiß, was der andere zu tun hat“, betont Michael Holtkamp. Das gemeinsame Hobby schweiße auch in der Vater-Sohn-Beziehung zusammen, finden sie.

Bei der Auswahl der Tauben haben sie „keine körperlichen Vorlieben“, wie Michael Holtkamp erklärt. Wo bei er schon sagt, dass „die Harmonie passen muss.“ ein riesen Flügel passe nicht zu einem kleinen Körper. Letztlich entscheide aber der Korb, wie sein 58-jähriger Vater hinzufügt. Das heißt: Mit den erfolgreichsten Tauben wird weiter gearbeitet.

Und mit Tauben arbeiten, das macht Hermann Holtkamp ebenfalls Kindestagen. Sein Vater Johann züchtete auf dem Hof in Graes Brieftauben. „Da war ich automatisch auch auf dem Schlag.“ Hermann und seine Brüder Heinrich und Helmut mischten munter mit. „Unser Vater hat uns alleine machen lassen“, erinnert sich Holtkamp, der 1987 nach Alstätte zog. So übernahmen die Geschwister früh die Verantwortung für die Reisesaison.

Ein halbes Jahr bevor das Wohnhaus fertiggestellt war, hatte Holtkamp schon seinen Taubenschlag gebaut. „Ich war ja sowieso täglich hier“, sagt der 58-Jährige. Neben dem Hausbau versorgte er noch parallel die Tiere.

Seit vielen Jahren kann er sich dabei auf seinen Sohn verlassen. Der gehört mit seinen 28 Jahren zu den jüngeren Züchtern in der Reisevereinigung. Während viele Reisevereinigung der Nachwuchs fehlt, gehen in Alstätte relativ viele junge Züchter dem Hobby nach. „Wir haben eine gute Kameradschaft“, sagt Michael Holtkamp. Gegenseitige Sticheleien förderten dabei noch die Motivation.

Die Kameradschaft zeigt sich auch dabei, dass die Mitbewerber sich für die Holtkamps gefreut haben. Wann die beiden nach der obligatorischen Meisterfeier in Einsatzzentrale am Samstag exakt nach Hause gekommen sind, das wurde – anders als bei den Tauben – nicht auf die Sekunde genau festgehalten.

 

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