Mani Beckmann alias Tom Finnek bringt neuen Roman „Rauchland“ heraus
Spannendes Lokalkolorit

Alstätte -

O, schaurig ist‘s übers Moor zu gehen . . . Nicht nur zu Annette von Droste-Hülshoffs Zeiten löste das Venn Ängste aus. Erst recht im Dunkeln.

Freitag, 18.09.2020, 17:12 Uhr
Mani Beckmann hat unter dem Pseudonym Tom Finnek einen weiteren Kriminalroman mit Westmünsterland-Bezug veröffentlicht.
Mani Beckmann hat unter dem Pseudonym Tom Finnek einen weiteren Kriminalroman mit Westmünsterland-Bezug veröffentlicht.

Die Stille, bei der jedes Geräusch den Wanderer in Schrecken versetzt, die Schwierigkeit, sich bei dem oft auftretenden Nebel zu orientieren – dass man dann Geister sieht, ist gut nachvollziehbar.

Die Anfangsszene in Tom Finneks (alias Mani Beckmann ) neuem Roman „Rauchland“ nimmt die Leser gleich im ersten Kapitel mit in diese Szenerie: Ein Ehepaar irrt in der kalten Nacht zum Dreikönigstag durch das Venn zwischen Münsterland und Twente. Das Licht, das ihnen endlich Orientierung bietet, erweist sich als ein heftiges Feuer: Ein einsamer Hof an der Grenze brennt. Ein Mann schleppt einen durch einen Angriff tödlich Verletzten aus dem Gebäude – und haut ab. Ist er der Mörder?

Ahlbeck alias Alstätte

Kriminalkommissar Maik Bertram – den Lesern aus den drei Vorgängern der im Ort Ahlbeck (alias Alstätte) und Umgebung spielenden Krimireihe bekannt – hat in diesem Roman nicht nur an der Lösung des Falls zu knacken. Ein wahrhaft existenzielles Problem droht ihn aus der Bahn zu werfen.

Bertrams Ex-Chef, der pensionierte Kommissar Heinrich Tenbrink, dagegen scheint sich von seinen mentalen Aussetzern zu erholen, die ihn in den Vorgänger-Romanen plagten. Er wird – Pension hin oder her – in den Fall involviert und ermittelt parallel. Zumal ein alter Bekannter in den Fall verwickelt ist.

Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich zunächst auf das Umfeld des Todesopfers, des kauzigen Spökenkiekers Friedhelm Harking. Seine Kinder hat er vergrault, nur noch sporadischen Kontakt zu seinem Nachbarn, den alkoholkranken Denhöfde und seinen alten Kumpel Schultewolter, der genauso kauzig ist wie er – sich im Venn aber bestens auskennt.

Geheimnisvolle letzte Worte

Haben Entschädigungszahlungen für enteignetes Land mit der Tat zu tun? Welche Rolle spielen die familiären Verbindungen zwischen den verwandten und ver(schwipp)schwägerten Protagonisten? Was hat es mit den geheimnisvollen letzten Worten Harkings auf sich: „Vandaage den twölwden“? Gibt es wirklich einen verborgenen Schatz im Venn?

Dem gebürtigen Alstätter Mani Beckmann, der seit über 30 Jahren in Berlin lebt, gelingt es erneut, eine spannungsreiche und atmosphärisch dichte Szenerie aufzubauen. Dörfliche Strukturen belebt er mit vielen handfesten Figuren, die er so aus der Realität in die Fantasie transloziert haben könnte. Als Antagonisten bringen die urigen, wortkargen, eigenbrötlerischen Typen Spannung in die Geschichte. Wobei auch Tenbrink und Bertram – obwohl sie eine Wohngemeinschaft in Schöppingen bilden – durch ihre gegensätzlichen Charaktere ebenfalls für Reibung sorgen.

Viel Lokalkolorit

Viel Lokalkolorit, typische Namen (sogar einem früherer Direktor des Alexander-Hegius-Gymnasiums erweist Beckmann seine Reverenz) sind für ortskundige Leser Extra-Boni. Für sie ist es auch nicht schwierig, die verfremdeten Ortsnamen zuzuordnen.

Die Lösung des Falles? Wird natürlich nicht verraten. Selber lesen! Martin Borck

Tom Finnek: Rauchland, Bastei Lübbe Taschenbuch: 427 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-7413-0179-7; E-Book: 400 Seiten, ISBN: 978-3-7325-9429-0, 4,99 Euro.

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