Caritas will die Senioren in ihren Einrichtungen möglichst nicht isolieren
Besuchsverbote hinterlassen Spuren

Ahaus -

Die neue Nationale Teststrategie soll seit dem 15. Oktober Bewohner von Pflegeheimen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen besser vor dem Coronavirus schützen. Doch wie genau die Umsetzung der Teststrategie aussieht, darüber gibt es noch viele Unklarheiten.

Donnerstag, 29.10.2020, 19:38 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 12:23 Uhr
Matthias Wittland
Matthias Wittland Foto: Caritasverband Ahaus-Vreden

„Immerhin liegen nun eine Allgemeinverfügung des Landes NRW sowie ergänzende Informationen des Bundesministeriums vor, in der Rahmenbedingungen für ein Testkonzept geregelt werden“, berichtet Matthias Wittland , Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband Ahaus-Vreden. „Aktuell bereiten wir ein Testkonzept für unsere Einrichtungen vor.“ Das ausgearbeitete Konzept muss anschließend dem Kreisgesundheitsamt zwecks Genehmigung vorgelegt werden.

Direkt loslegen

Der Caritasverband hat eine erste Charge von 1000 Schnelltests bestellt. „Um im Bedarfsfall direkt loslegen zu können, wenn unser Antrag genehmigt wurde.“ Dabei weist Matthias Wittland darauf hin, dass die Menge des monatlich zur Verfügung stehenden Testkontingents reduziert wurde. Zunächst war öffentlich davon die Rede, dass in stationären Einrichtungen pro Bewohner und Monat 50 Testungen möglich seien, um Besucher, Personal und Bewohner wiederholt zu testen. „Jetzt sind nur noch maximal 20 Tests pro Monat und Bewohner vorgesehen.“ Für die ambulante Pflege gelte ein Wert von zehn Tests pro Monat und Patient. „Für alle unsere Einrichtungen kommen wir auf einen Wert von bis zu 20 000 Tests pro Monat“, rechnet Wittland.

Für den Caritas-Vorstand sei wichtig, dass es mit den Schnelltests nun die Möglichkeit gebe, verunsicherte Mitarbeiter und Bewohner testen zu können.

Kein Corona in Heimen und Diensten

Zwar füllen sie bislang schon einen Screening-Bogen zu möglichen Symptomen aus. „Aber was ist im Fall eines leichten Schnupfens, verbunden mit einem leichten Kratzen im Hals? Darf der Mitarbeiter zum Dienst? Darf er nicht zum Dienst? Jetzt bekommen wir Testmöglichkeiten, um den Mitarbeitern Sicherheit zu geben.“

Das sei bei Besuchern genauso wichtig. Die Schnelltests sind ein weiterer Baustein der schon geltenden Besuchskonzepte. Dazu zählen beispielsweise besondere Besucherräume und vorgegebene Laufwege. Matthias Wittland: „Wir wollen sicherstellen, dass möglichst kein Corona in die Heime und Dienste gebracht wird.“

Allerdings werde dem Caritasverband Ahaus-Vreden diese Aufgabe nicht ganz einfach gemacht. „Das Kreisgesundheitsamt hat erklärt, dass es für die Lieferung der Antigen-Schnelltests nicht zuständig ist“, erläutert Matthias Wittland.

„Die Tests können von den einzelnen Trägern und Einrichtungen selbst beschafft werden.“ Die Refinanzierung soll über den Gesundheitsfonds erfolgen. „Mit einer Deckelung auf sieben Euro pro Test.“ Die Preise für einen Schnelltest bewegen sich derzeit zwischen 6,70 und 9,90 Euro netto, habe eine Anfrage des Caritasverbands bei mehreren Unternehmen ergeben.

Ein Mitarbeiter für Tests gebunden

Geklärt ist zumindest die Frage, wer die Schnelltests in den Einrichtungen durchführen darf. „Pflegefachkräfte, die eingewiesen wurden“, berichtet Matthias Wittland. „Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine Fachkraft, die ich eigentlich auf der Station benötige, die Tests durchführen und auswerten muss.“ Dafür seien pro Test etwa 15 Minuten zu veranschlagen. „Das bedeutet, dass pro Tag ein Mitarbeiter für diese zusätzliche Aufgabe gebunden wird. Die Fachkraft fehlt aber in der Pflege.“

Doch es gebe auch Vorteile: „Wir können den Menschen schneller Sicherheit geben.“ Das Ergebnis eines Antigen-Schnelltests liege nach 15 Minuten vor. Auf das Laborergebnis eines PCR-Tests (Polymerase-Kettenreaktion)müsse man zwischen 24 und 72 Stunden warten, je nach Laborauslastung. Der Caritasverband trage seinen Teil zum Gelingen der vom Bund verordneten Maßnahmen vor, erklärt Matthias Wittland. „Entscheidend wird aber sein, wie die praktische Umsetzung zusammen mit der Unteren Gesundheitsbehörde vor Ort läuft.“

Der Umgang mit den Bewohnern wird noch vorsichtiger. Aber wir möchten Besuche weiter zulassen.

Matthias Wittland

Dabei hat das Caritas-Vorstandsmitglied auch die aktuelle Situation in den Pflegeeinrichtungen im Blick. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Borken hat die 50er-Marke überschritten. Damit gelten weitere Schutzmaßnahmen. Matthias Wittland: „Der Umgang mit den Bewohnern wird noch vorsichtiger. Aber wir möchten Besuche weiter zulassen.“

Eine Phase wie im Frühjahr, als Bewohner komplett isoliert werden mussten, soll es nach Möglichkeit nicht wieder geben. „Die Einrichtungen sollen so lange es geht offen bleiben, damit die alten Menschen ihre Kontakte halten können.“

Die Besuchsverbote hätten bei Mitarbeitern und vor allem den Bewohnern Spuren hinterlassen. „Corona verändert die Menschen“, sagt Matthias Wittland. „Eine Bewohnerin einer Senioreneinrichtung hat gesagt: „Im Krieg war es nicht so schlimm. Da konnten wir uns wenigstens in den Arm nehmen.“

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