Ausbruch der Covid-19-Infektionen war für den Caritasverband eine große Herausforderung
Vor allem große Unsicherheit

Ahaus -

Die Corona-Pandemie hat den Caritasverband Ahaus-Vreden in diesem Jahr vor große Herausforderungen gestellt. In einer Serie blickt der Verband auf die Ereignisse zurück. Den Auftakt macht der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Merzbach. Er spart auch nicht mit Kritik an der Politik.

Sonntag, 27.12.2020, 17:00 Uhr
Caritas-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Merzbach erzählt, wie er den Beginn der Corona-Pandemie erlebte.
Caritas-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Merzbach erzählt, wie er den Beginn der Corona-Pandemie erlebte. Foto: Caritasverband

„Corona und die Folgen“, unter diesem Titel beleuchtet der Caritasverband Ahaus-Vreden die Auswirkungen der Pandemie auf seine Arbeit. Im ersten Teil berichtet der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Merzbach, wie das Virus den Verband traf.

Merzbach erinnert sich vor allem an die große Unsicherheit, die zu Beginn der Pandemie am Anfang dieses Jahres herrschte. „Das Virus und seine Auswirkungen waren noch unbekannt. Es gab eine Entwicklung, die aus China und dann Italien kommend zunächst weit weg schien, uns dann aber doch sehr schnell erreichte.“

Unsicherheiten gab es auf verschiedenen Ebenen, erinnert sich der Vorsitzende des Vorstands des Caritasverbands Ahaus-Vreden. Im medizinischen Bereich ging es um die Frage, welche Krankheiten das Virus verursacht, ob es ein Gegenmittel gibt, wie sich Mitarbeiter und Klienten schützen können „und was wir tun können, um sie zu schützen.“

Ein großes Fragezeichen stand auch hinter den Angeboten in der ambulanten Pflege, der Behindertenhilfe und der Beratungsinfrastruktur der Caritas : Lassen sich alle Angebote auch in der Krise aufrechterhalten, um für die Menschen da zu sein? Hans-Peter Merzbach: „Der ganze Verband wurde von der Pandemie betroffen, jeder in seinem Verantwortungs- und Aufgabenbereich, vom Mitarbeiter über den Bewohner und die Schulleitung bis hin zum Vorstand. Das zu bewältigen, war und ist für alle ein großer Kraftakt.“

Als einschneidend sieht der Caritas-Verantwortliche das damals verhängte komplette Besuchsverbot in Einrichtungen der Altenhilfe. „Die Isolation von Heimbewohnern war eine sehr schwierige Aufgabe, auch von unserem Selbstverständnis her.“ Die ersten Todesfälle von Bewohnern im Zusammenhang mit Corona seien für alle Beteiligten nur sehr schwer auszuhalten gewesen.

Es galt, Gefährdungsbeurteilungen zu überarbeiten und sich zum Beispiel mit Pandemieplänen zu beschäftigen. „Wir mussten sehr schnell ein Krisenmanagement aufbauen, entwickeln und umsetzen.“ Ein Krisenstab wurde eingerichtet, Lageberichte an die Aufsichtsgremien verschickt, die wirtschaftlichen Folgen eingeschätzt, Gespräche mit Banken und Versicherungen geführt, Dienst- und Einsatzpläne überarbeitet und vieles mehr. „In unserer Grenzland-Wäscherei haben wir Schichtsysteme eingeführt, um bei einem möglichen Ausbruch arbeitsfähig zu bleiben und weiter Wäsche in Krankenhäuser und Altenheime liefern zu können.“

Die Digitalisierung beschleunigte sich in allen Bereichen. Videotelefonie ersetzte Präsenz-Konferenzen. „Viele Dinge, die hier mittelfristig geplant waren, haben wir sehr schnell umgesetzt.“ Die Umstellung auf Homeoffice und die Forcierung von Digitalisierungsprozessen habe ebenfalls erstaunlich gut funktioniert. „Die Bereitschaft unserer Mitarbeiter, sich dieser Situation zu stellen, hat uns sehr geholfen.“

Bei aller Digitalisierung – Pflege aus dem Homeoffice, das geht nicht. „Unser Auftrag ist die Sorge um benachteiligte Menschen, um Kranke, Alte, Arme, Behinderte.“ Eine solche Mammutaufgabe sei nur im Team zu schaffen.

Als nicht ganz so gute Teamplayer sieht er einige verantwortliche Landespolitiker. „Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie mehr auf die Verbände und deren Erfahrungen hören.“

Vor allem, was die praktische Umsetzung von Verordnungen angeht. „Wenn die räumlichen und personellen Voraussetzungen für bestimmte Maßnahmen schlichtweg nicht vorhanden sind, hilft auch die bestgemeinte Regelung nicht.“ Außerdem entstehe der Eindruck, dass die Verantwortung zu Lasten der Einrichtungen und Träger und damit auch der Mitarbeiter verschoben werde.

Blickt Hans-Peter Merzbach auf die seit dem Frühjahr gemachten Erfahrungen, dann hätte man rückblickend natürlich immer Dinge verbessern können. „Im Rheinland sagt man: Wenn man aus der Kirche kommt, ist man schlauer.“ Aber die Pandemie sei nun mal eine besondere und einmalige Situation, für die es keine Erfahrungswerte gab.

Trotz aller Mehrarbeit in dieser Corona-Pandemie, trotz der von Infizierungen betroffenen Dienste – „die Solidarität unserer Mitarbeiter, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, ist sehr hoch.“ Das Infektionsgeschehen einzudämmen sei nach wie vor eine Aufgabe, die nur gemeinsam bewältigt werden könne.

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