Züchter erhalten zehnmal mehr Anfragen als sonst
Junge Hunde sind ein Renner

Alstätte -

Die Corona-Pandemie hat schon einige neue Trends hervorgebracht. Toilettenpapier, Nudeln oder Puzzles waren beliebt wie lange nicht. Nun zeichnet sich der nächste Corona-Trend ab, der für Tierschützer jedoch alarmierend ist: Hunde.

Donnerstag, 21.01.2021, 19:13 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 19:17 Uhr
Jacqueline Stegehuis kann sich derzeit vor Anfragen nach ihren Chow Chows kaum retten.
Jacqueline Stegehuis kann sich derzeit vor Anfragen nach ihren Chow Chows kaum retten. Foto: Anne Schiebener

Jacqueline Stegehuis züchtet in Alstätte Chow Chows, eine chinesische Hunderasse mit wuscheligem Fell. Im Durchschnitt bringen ihre Hunde zwei Würfe mit acht bis zehn Welpen pro Jahr zur Welt. Für den Nachwuchs hat sie viele Interessenten. „Derzeit erhalten wir mindestens drei bis vier Anfragen pro Woche“, sagt Jacqueline Stegehuis. „Wir müssen die meisten enttäuschen.“

Damit ist die Welpen-Nachfrage deutlich höher als sonst. „Ich möchte nicht übertreiben, aber es sind mindestens zehnmal so viele Anfragen wie normal“, sagt die Züchterin. Und damit ist Jacqueline Stegehuis in Ahaus nicht alleine. Eine weitere Hundezüchterin berichtet, dass ihre Hunde jährlich zwei Würfe mit zwölf bis 18 Welpen zur Welt bringen. Für einen Welpen bekomme sie täglich drei bis vier Anfragen. „Das kostet viel Zeit“, sagt sie und möchte nicht namentlich genannt werden, um keine weitere Werbung für ihre Hundezucht zu machen.

Trotz der hohen Nachfrage erhöht Jacqueline Stegehuis nicht den Preis für einen Welpen. „Das Züchten ist für uns ein Hobby. Das Wichtigste ist, dass unsere Welpen in einem warmen Haus landen und wir unsere Hunde mit dem Einkommen ernähren können“, so die Züchterin. „Also überhaupt keine Gewinnjagd.“

Dass sich immer mehr Ahauser einen Welpen anschaffen möchten, könnte laut Jacqueline Stegehuis folgenden Grund haben: „Wir denken, dass aufgrund dieser Corona-Pandemie mehr Menschen einen Welpen kaufen, weil sie jetzt zu Hause sind und die Zeit dafür haben.“

Das birgt jedoch auch Gefahren, sollte Corona vorbei sein, fürchtet sie. „Sobald alles wieder normal ist, wird der Hund als Belastung empfunden. Dann landen viele in einem Tierheim.“

Denn sind eingetragene Hundezüchter mit den Welpen-Anfragen überlastet, dann kaufen viele Leute aus Frust im Internet. „Es gibt so viel Nachfrage, dass sich viele an die Zuchtfabriken wenden“, sagt die Alstätterin. „Sehr traurig.“

Wer wirklich langfristig an einem Hund interessiert ist, sollte sich an einen Hundezüchter mit Siegel des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) wenden oder beim örtlichen Tierheim nachfragen.

Die Leiterin von Julias Tierheim in Ahaus kann den Corona-Trend bestätigen. „Wir haben vermehrte Anfragen zur Tiervermittlung. Da müssen wir auch immer aussieben“, sagt Julia Rehermann. Denn Homeoffice und „jetzt passt es gerade“ seien als Gründe für die Neuanschaffung eines Tieres nicht ausreichend.

Deswegen sucht das Tierheim die Interessenten aus, die auf lange Sicht planen. „Wir achten darauf, dass es bedachte Anfragen sind“, sagt Julia Rehermann. Trotzdem sei der Lockdown ein guter Zeitpunkt, um einen adoptierten Hund an die neue Umgebung zu gewöhnen. „Wer sich einen neuen Hund holt, macht das häufig im Urlaub“, sagt die Tierheim-Leiterin. „Leute nutzen auch jetzt die Zeit, in der man nicht viel anderes machen kann, für die Eingewöhnung.“

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