Tobit-Labs richten auf Parkplatz eigenes Zentrum ein
Schnelltest im Vorbeifahren

Ahaus -

Während der aus Ottenstein stammende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unter anderem wegen nicht eingehaltener Ankündigungen bei Tests und Impfungen massiv in der Kritik steht, nimmt seine Heimatkommune mehr und mehr eine Vorreiterrolle ein: Seit Montag führt der DRK-Ortsverband an der Parallelstraße kostenlose Corona-Schnelltests durch.

Mittwoch, 10.03.2021, 19:24 Uhr aktualisiert: 10.03.2021, 19:30 Uhr
Tobit-Projektentwickler Peter Sommer lässt sich ebenfalls im Drive-in-Schalter testen. Das in diesem Fall negative Ergebnis liegt innerhalb von 15 Minuten vor.
Tobit-Projektentwickler Peter Sommer lässt sich ebenfalls im Drive-in-Schalter testen. Das in diesem Fall negative Ergebnis liegt innerhalb von 15 Minuten vor. Foto: Johannes Schmittmann

Am Dienstag erweiterte das Unternehmen Tobit-Labs das Angebot in direkter Nachbarschaft: Auf dem hauseigenen Parkplatz am Schumacherring werden seitdem Bürger aus dem Kreis Borken getestet.

Auf den ersten Blick erinnert das System an die Drive-in-Schalter einer Fastfood-Kette. „Egal ob mit dem Auto, dem Fahrrad, auf Inlinern oder zu Fuß: Man folgt einfach den Schildern. Das versteht jedes Kind“, sagt Peter Sommer , bei Tobit-Labs für Projektentwicklung und Marketing zuständig.

Ein Klick zur Uhrzeit

​Vorher braucht es aber einen Termin. Der wird über die seit Dienstag scharf geschaltete Website (testen.kreis-borken.de) vereinbart. Mit einem Klick kann man auswählen, zu welcher Uhrzeit man an welchem Ort getestet werden möchte. Bisher sind hier die verschiedenen DRK-Testzentren, die Jakobihalle in Oeding und eben das „Tobit Labs DriveThru“ aufgeführt. „In Zukunft können sich hier aber auch Apotheken und Arztpraxen registrieren lassen“, erklärt Peter Sommer.

Wenn man sich für das Tobit-Angebot entschieden hat, muss derjenige nur noch pünktlich erscheinen. Weder für das Einchecken noch für den Test selbst müssen Autofahrer aussteigen. Am ersten Bildschirm scannen sie den QR-Code ein, anschließend spuckt das System eine Nummer aus.

Lolli zur Belohnung

Am nächsten Schalter wird es dann ernst. Die medizinisch geschulten Mitarbeiter des Ahauser Software-Entwicklers nehmen hier, nach Kontrolle des Personalausweises, Abstriche von Rachen und Nase. Weil das bekanntlich etwas unangenehm sein kann, gibt es als Belohnung für Jung und Alt einen Lolli – ebenfalls kostenlos.

​In dem angrenzenden Container werten die Mitarbeiter den Test aus. Anschließend gibt es über das System die Nachricht, ob das Ergebnis positiv oder negativ ausfällt. Gleichzeitig erscheint in der digitalen „Wallet“ (englisch für Brieftasche) eine Bestätigung. Bei Tobit-Labs denkt man nämlich schon weiter. „Wenn das Ergebnis negativ ist, könnte ich es in Zukunft im Einzelhandel oder in der Kneipe vorzeigen“, erklärt Sommer. Quasi als Einlasskontrolle, ähnlich wie es in Israel bei Geimpften und Nicht-Geimpften angewendet wird.

Doch wie kam das Ahauser Unternehmen überhaupt auf die Idee? „Wir können aktuell nicht nur auf die Impfungen setzen. Daher müssen wir zusehen, dass wir testen, testen, testen“, so Sommer. Da bei Tobit-Labs seit fünf Wochen alle Mitarbeiter regelmäßig getestet werden, hatte man bereits Erfahrungen gesammelt. „Wir haben die Station quasi nur nach draußen verlegt und für alle geöffnet.“

Finanzielles Risiko

​Mit dem Schritt ging das Unternehmen auch ein finanzielles Risiko ein. Denn bisher liegt die Bestätigung der Kassenärztlichen Vereinigung für die Übernahme der Kosten noch nicht vor. „Wir wollen aber eine Vorreiterrolle einnehmen und etwas für die Menschen im Kreis tun. Im schlimmsten Fall machen wir damit etwas Verlust“, erklärt Peter Sommer. „Unser vorrangiges Ziel ist es, Leute zu finden, die sagen: Wenn das so funktioniert, dann stelle ich so etwas auch auf die Beine.“

Er kann sich zum Beispiel gut vorstellen, dass es zukünftig auch ein Testzentrum auf dem Oldenkottplatz gibt. „Dann kann ich beim Gang in die Innenstadt noch einmal sichergehen, dass ich nicht infiziert bin.“ Zunächst liegt der Fokus aber auf den hauseigenen Drive-in-Schalter. Pro Woche könnten hier bis zu 1700 Tests durchgeführt werden.

Am Drive-in-Schalter wird derzeit von Montag bis Freitag zwischen 6 und 20 Uhr testet, am Wochenende zwischen 10 und 18 Uhr. Die maximale Kapazität liegt derzeit bei rund 3500 Tests pro Woche. Laut Tobit ist bei Bedarf eine Aufstockung problemlos möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7860622?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F146%2F
Nachrichten-Ticker