Johanna Schmitz und Beate Wittenbrink wollen in Ahaus eine „Maria-2.0“-Gruppe gründen
Berufung steckt nicht im Y-Chromosom

Ahaus -

Sieben Thesen haben Beate Wittenbrink und Johanna Schmitz an der Tür der St.-Marienkirche in der Ahauser Innenstadt angeschlagen. Gleich zweimal. Zuletzt Ende vergangener Woche.

Die beiden Ahauserinnen wollen die Bewegung Maria 2.0 in Ahaus bekannter machen und suchen Mitstreiterinnen.

Freitag, 12.03.2021, 18:12 Uhr
Zum wiederholten Mal bringt Johanna Schmitz an der Kirche die sieben Thesen von Maria 2.0 an. Das Plakat wurde immer wieder entfernt. Frauen kämpfen auch in Ahaus für mehr Rechte in der katholischen Kirche. Eigentlich fordern sie nur Gleichberechtigung.
Zum wiederholten Mal bringt Johanna Schmitz an der Kirche die sieben Thesen von Maria 2.0 an. Das Plakat wurde immer wieder entfernt. Frauen kämpfen auch in Ahaus für mehr Rechte in der katholischen Kirche. Eigentlich fordern sie nur Gleichberechtigung. Foto: Stephan Rape

Für gleiche Rechte von Frau und Mann in der katholischen Kirche , für mehr Mitbestimmung der Gläubigen, für mehr Transparenz und eine Aufhebung des Pflichtzölibats. Für eine Kirche, die sich für Menschen, Gesellschaft und Umwelt einsetzt.

Fast ein wenig verloren hatte der kleine Anschlag zwischen anderen Plakaten im Eingang der Kirche in der Ahauser Innenstadt gehangen. Einigen war offenbar auch das schon zu viel: Nach dem Wochenende ist von dem Plakat nichts mehr zu sehen. Nicht außen und auch nicht in der Kirche.

Zuvor war bereits der erste Thesenanschlag Ende Februar nach wenigen Tagen wieder von der Tür verschwunden.

Nicht auf dem Esel zum Gottesdienst

Beate Wittenbrink lässt sich davon nicht entmutigen. Zusammen mit Johanna Schmitz sucht sie gerade Frauen in Ahaus, die sich ebenfalls für Veränderung in der katholischen Kirche einsetzen wollen. Ihre Meinung ist klar: „Man kann doch nicht die Lebensverhältnisse von vor 2000 Jahren ansetzen“, sagt sie. Es reite ja auch niemand mehr auf einem Esel zum Gottesdienst.

Als Gemeindemitglied sieht sie sich mit in der Verantwortung dafür, was in der Kirche passiert. Und da müsse sich dringend etwas bewegen. „Die Berufung für ein Amt in der Kirche steckt nicht im Y-Chromosom“, macht die 55-Jährige ganz deutlich.

Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht

Es solle ja auch jedem freistehen: „Wer weiter durch einen männlichen Priester versorgt werden möchte, kann ja zu ihm gehen“, sagt sie. Aber es solle eben sowohl als auch möglich sein. „Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht“, erklärt sie. Das sei auch in der katholischen Kirche umzusetzen. Dabei hat sie aber auch ein ganz konkretes Problem im Blick – einmal ganz abseits der Gleichberechtigung: „Es wird bald zu wenige Priester geben“, sagt sie. Folge wären dann noch größere Seelsorgeeinheiten.

Und da werde aktuell ein immenses Potenzial verschenkt, wenn man Frauen von Ämtern in der Kirche ausschließe. „Oder Männer, die eben nicht im Zölibat leben wollen“, sagt sie. Und noch etwas: Mit der Weiterentwicklung der Kirche könne man auch in Deutschland einen eigenen Weg gehen. „Genauso wie die Kirche in Amerika oder Afrika eigene Wege geht, könnten wir das hier auch tun“, sagt sie. Das Thema sei ja auch längst nichts Neues mehr. „Schon 1910 hat ein Bischof in München gefordert, den Frauen mehr Rechte einzuräumen“, sagt sie.

Offene Türen beim Pfarrer

Dass das funktioniere, beweise doch der Blick in andere Glaubensgemeinschaften. Etwa in der orthodoxen Kirche oder – nur einen Steinwurf vom Turm der St.-Marienkirche entfernt – in der evangelischen Kirche.

Ob nun mit oder ohne Plakat an der Tür, bei Pfarrer Stefan Jürgens rennen die Frauen jedenfalls sperrangelweit-offene Türen ein: „Eine Religionsgemeinschaft, die 50 Prozent ihrer Mitglieder diskriminiert, kann einpacken“, sagt der leitende Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt Ahaus.

Die Kirche müsse sich den Frauen öffnen. Für das Engagement der Frauen hat er nur ein Wort: „Großartig!“ Sie tun in seinen Augen einen enorm wichtigen Dienst. Die Kirche müsse sich in allen Fragen mit dem Thema Gleichberechtigung auseinandersetzen.

Der Pfarrer, in dessen früherer Gemeinde Heilig Kreuz in Münster die Maria-2.0-Bewegung „erfunden“ wurde, begrüßt es ausdrücklich, dass die Bewegung auch in Ahaus Fuß fasst. Mehr noch: „Ich würde mir wünschen, dass die Frauen noch selbstbewusster und ein bisschen frecher auftreten“, sagt er. Ein weiterer Wunsch: „Ein viel größeres Echo für die Aktion.“

Johanna Schmitz und Beate Wittenbrink wollen auch in Ahaus eine eigene Maria-2.0-Gruppe gründen und suchen Frauen, die die Ziele mitverfolgen wollen.

Sie können sich entweder per E-Mail an johanna_sch@gmx.de oder unter  0176 43214406 melden.

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