Gemeindeprüfungsanstalt stellt Bericht zur Situation der Stadt Ahaus vor
Mehr Chancen als Risiken

Ahaus -

Die Gemeindeprüfungsanstalt NRW (gpa NRW) hat die Stadt Ahaus unter die Lupe genommen. Und stellt ihr vor allem in finanzieller Hinsicht ein gutes Zeugnis aus: „Der Handlungsbedarf, ihre Haushaltssituation zu verbessern, ist vergleichsweise gering“, stellen die Prüfer in ihren Ausführungen fest.

Dienstag, 20.04.2021, 19:16 Uhr aktualisiert: 20.04.2021, 19:20 Uhr
In der Ahauser Stadtkasse klimpert nicht nur Hartgeld – die fast 70 Millionen Euro sind eine „komfortable Risikovorsorge“.
In der Ahauser Stadtkasse klimpert nicht nur Hartgeld – die fast 70 Millionen Euro sind eine „komfortable Risikovorsorge“. Foto: dpa

In den Jahren 2014 bis 2018 hat die Stadt durchgehend positive Jahresergebnisse erwirtschaftet – allein 2018 blieben dank eines starken Anstiegs der Steuererträge fast elf Millionen Euro übrig, mit denen die Ausgleichsrücklage auf 58 Millionen Euro aufgestockt werden konnte. Nur zwei der 46 Vergleichskommunen konnten 2018 ein besseres Jahresergebnis je Einwohner ausweisen. Bis auf 2017 gehört die Stadt durchgängig zum Viertel der Vergleichskommunen mit den besten Werten.

Damit verfüge Ahaus über eine „komfortable Risikovorsorge“, die nach dem endgültigen Abschluss des 2019er-Haushalts wohl nochmals anwachsen werde: Die Planung sah einen Jahresüberschuss von 200 000 Euro vor, voraussichtlich wird er dank sprudelnder Gewerbesteuererträge aber wohl bei rund zehn Millionen Euro liegen.

Insofern sei es kein Problem, dass die Haushaltsplanung für die nächsten Jahre Fehlbeträge ausweise, bis 2023 sollen diese sich auf rund zehn Millionen Euro summieren. „Aufgrund der zugrunde gelegten vorsichtigen und risikobewussten Planannahmen sieht die gpa NRW in der mittelfristigen Planung allerdings mehr Chancen als Risiken“, heißt es in dem Gutachten. Dennoch sei anzunehmen, dass die Corona-Pandemie auch auf die Stadt Ahaus finanziell auswirken wird. Sie soll deshalb schon jetzt Konsolidierungspotenziale identifizieren – sprich Einsparmöglichkeiten.

Die aktuell gute Lage hat ihren Ursprung nicht in den guten Verdiensten der Ahauser Bürger: Deren Kaufkraft liegt unter dem Durchschnitt der begutachteten Gemeinden – der durchschnittliche Verdienst ist also eher gering.

Entsprechend niedrig sind die Deckungsmittel im städtischen Haushalt, die sich aus den Steuererträgen und Schlüsselzuweisungen je Einwohner ergeben. Das birgt die Gefahr, dass die hohen Gewerbesteuereinnahmen, mit denen die Stadt bislang ihre gestiegenen Ausgaben decken konnte, im Fall einer schlechteren wirtschaftlichen Lage wegbrechen können. „Diese positive Entwicklung kann für die nächsten Jahre nicht als gesichert angesehen werden“, warnt die gpa.

Bei den Strukturmerkmalen schneidet Ahaus im Vergleich mit anderen Städten gleicher Größenordnung dagegen gut ab: Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ist sehr gering, die der Jugendlichen dagegen relativ hoch.

Trotzdem prophezeien die Experten einen Bevölkerungsschwund: In den kommenden 20 Jahren werde die Einwohnerzahl um 3000 von aktuell 39 400 auf 36 400 sinken. Unter dem Punkt Kooperationen mit anderen Gemeinden werden unter anderem der Musikschulverbund mit Legden, Heek und Schöppingen und der Volkshochschul-Zweckverband mit den drei Gemeinden plus Vreden, Stadtlohn und Südlohn genannt.

Besonders erwähnenswert finden die Gemeindeprüfer die grenzüberschreitenden Aktivitäten des Löschzugs Alstätte der Freiwilligen Feuerwehr, der auch für einen Teil der niederländischen Gemeinde Haaksbergen zuständig ist.

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