Stadtrat lehnt Antrag der Grünen auf rein vegetarisches/veganes Catering ab
Es gibt weiter Fleischhäppchen

Ahaus -

Bei Veranstaltungen der Stadtverwaltung dürfen weiter Fleischhäppchen serviert werden. Der Stadtrat lehnte am Dienstagabend einen Antrag der Grünen ab, wonach nur noch saisonal und regional rein vegetarische und vegane Produkte serviert werden sollten.

Mittwoch, 28.04.2021, 18:43 Uhr aktualisiert: 28.04.2021, 21:15 Uhr
Auch künftig werden mit Fleisch belegte Brötchen bei Veranstaltungen der Stadtverwaltung Ahaus, wie dem Neujahrsempfang, den Gästen gereicht.
Auch künftig werden mit Fleisch belegte Brötchen bei Veranstaltungen der Stadtverwaltung Ahaus, wie dem Neujahrsempfang, den Gästen gereicht. Foto: Klaus Meyer

 Zudem hätten die Produkte je nach regionaler Verfügbarkeit mindestens zu 25 Prozent aus Zutaten nach Biostandard (EG-Öko-Verordnung) sein müssen. Bis auf die Grünen lehnten alle Parteien den Antrag ab.

„Wer es nicht mag, soll es besser sein lassen“, sagte Norbert Frankemölle (WGW). Für Andreas Dönnebrink (SPD) ist es ein Unding, den Bürgern und der Verwaltung vorzuschreiben, was es zu essen gebe. „Keiner wird gezwungen, Fleisch zu essen“, sagte Dönnebrink.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende fand es aber einen richtigen Ansatz, über regionale und saisonale Produkte nachzudenken. Dönnebrink zeigte sich jedoch überzeugt, dass man mit Verboten nichts erreiche.

Eine vegetarische Option hinzuzufügen, hielt auch Christian Rudde ( CDU ) für denkbar. Ihn hätten aber mehrere Landwirte angesprochen, die den Vorschlag der Grünen ablehnten.

CDU sieht Grünen-Image bestätigt

Bestimmte Kriterien für verwendetes Fleisch konnte sich Marco Schultewolter (FDP) vorstellen. „Ein Fleischverbot halten wir für unangemessen.“ Gar übergriffig fand Hanne Lange (UWG) den Antrag.

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Vortkamp unterstrich der Antrag wieder einmal das Image der Grünen als Bevormundungspartei.

Grünen-Fraktionschef Dietmar Eisele verteidigte den Antrag: „Ich würde gerne auch Veganern etwas anbieten.“ Das nicht zu können, empfand er „auch als Verbotskultur. Sie schließen eine Gruppe aus. Das ist eine Stigmatisierung.“

In der zuweilen polemisch geführten Debatte wurde die Frage aufgeworfen, ob künftig Personaleinstellungen demnächst nach dem Body-Mass-Index erfolgten. „Verbieten Sie doch das Rauchen“, hieß es in Richtung der Grünen. Das, so erwiderte Dietmar Eisele, sei bei öffentlichen Veranstaltungen doch schon geschehen.

Den Grünen wurde von Christian Rudde vorgeworfen, dass die Zahlen nicht stimmten. Der Christdemokrat bezog sich selbst auf Daten aus der Region.

Geringe Energieeffizienz

Die Grünen hatten Zahlen für die weltweite Fleischproduktion aufgeführt (ohne das jedoch ausdrücklich zu erwähnen), unter anderem aus dem Fleischatlas 2018, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique. Andere Daten stammen unter anderem vom Umweltbundesministerium oder dem WWF. Die Grünen hatten nie behauptet, die Zahlen bezögen sich auf Ahaus.

Veränderungen werden berücksichtigt

Aus Sicht der Grünen schadet der Fleischkonsum der Umwelt weit mehr als der Konsum pflanzlicher Produkte. Das liege unter anderem an der sehr geringen Energieeffizienz. „Wir bauen Nahrungsmittel an, um sie an Tiere zu verfüttern, welche ausschließlich zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden.“ Das begünstige die Verwendung von Düngern, Pestiziden und fördere Monokulturen. Zudem habe der Fleischverzehr der Deutschen 2018 bei 60,2 Kilogramm gelegen, „die Weltgesundheitsorganisation und die Verbraucherzentralen empfehlen 15 bis 31 Kilo als gesundheitlich unbedenkliche Menge an Fleisch“, heißt es in der Antragsbegründung.

Außerdem solle die Stadt Ahaus als Fairtrade-Stadt mit gutem Beispiel vorangehen „und der Bevölkerung zeigen, wie lecker Speisen ohne Fleisch sind“.

Abschließend erklärte Bürgermeisterin Karola Voß, dass „Veränderungen im Ernährungsverhalten berücksichtigt“ würden.

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