Gronau
„Kraut“ rockt immer noch

Sonntag, 16.09.2007, 16:09 Uhr

Gronau . „ Krautrock “ – das Wort hört sich erst mal ein bisschen despektierlich an. So als ob Briten und Amerikaner das Recht auf Rock für sich allein gepachtet hätten. Doch tatsächlich blickten die Urväter der Gattung durchaus anerkennend auf das, was auf deutschen Rock-Äckern blühte. Denn gerade die Krautrocker der ersten Stunde fanden eine musikalische Handschrift, die sie unverwechselbar machte. Bestes Beispiel: Bröselmaschine , Urgewächs der Krautrock-Szene, 1968 gegründet, nach ein paar Jahren verdorrt und 1984 sowie 2005 erneut aufgeblüht. Am Freitagabend spielte die Band – wenn auch nicht in der ursprünglichen Besetzung – im Rockmuseum. Und man kann‘s nach diesem Erlebnis nicht anders sagen: Kraut rockt! Immer noch.

Die Wurzeln der Bröselmaschine liegen im Folkrock, was im Konzerts u.a. mit der Ballade „Once I had a sweetheart“ belegt wurde. Doch der Ende der 60er Jahre aufkommende psychedelische Rock, mit beeinflusst durch indische Musik, fand ebenfalls Widerhall in den Kompositionen von Bröselmaschine. Peter Bursch griff mehrfach zur Sitar, deren Klänge die Zuhörer in höhere Sphären führten.

Doch dann kehrten die „Krauter“ wieder auf den Boden der Tatsachen zurück mit erdigem Blues, mit Titeln, die abgingen wie ein D-Zug.

Der Sound stimmte: Tom Plötzer an den Keyboards orgelte, was das Zeug hielt, Michael Dommes erwies sich als formidabler Sologitarrist, Detlef Wiederhöft agierte als ruhender Pol im Hintergrund. Schlagzeuger Manni von Bohr hatte seine umfangreiche Batterie nicht nur zur Zierde aufgebaut. In einem nicht enden wollenden Solo entlockte er Fellen und Becken ein akustisches Feuerwerk.

Anja Lerch schien zunächst vokales Beiwerk, drehte aber beim Blues richtig auf, lieferte sich mit Michael Dommes einen Imitationswettstreit nach dem Motto: Versuch mal was zu spielen, das ich nicht nachsingen kann.

In das Stück „Windy and Warm“ integrierte Bursch (da kam der „Gitarrenlehrer der Nation“ in ihm durch) den „Animals“-Klassiker „House of the rising Sun“. „I feel Fine“ der Beatles fand sich ebenso wie eine Hommage an die Heimatregion der Musiker, das Ruhrgebiet.

Schade nur, dass wieder erheblich mehr Leute nicht da waren als da waren. Um es mal verbrämt auszudrücken. Die, die da waren, genossen ein grandioses Doppelkonzert, das die Band „Punk Floyd“ mit gelungenen Coverversionen eröffnet hatte.

Den Musikern sei dank, dass sie den zahlenmäßig wenigen Fans trotzdem die volle Musik-Dröhnung gönnten.Die dankten ihrerseits mit einem fantastischen Feedback. So soll Krautrock sein.

Martin Borck

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