Gronau
Drückerkolonne soll von Gronau aus agieren

Freitag, 12.10.2007, 09:10 Uhr

Gronau . Das RTL-Magazin „Extra“ hat am Montagabend einen Beitrag über eine sogenannte Drückerkolonne gesendet, die von Gronau aus bundesweit auf Mitgliederfang für einen angeblichen Tierschutzverein gehen soll. Der Tierschutzverein Gronau und Umgebung distanziert sich in einer Pressemitteilung ausdrücklich von dieser Gruppe und ihren aggressiven Methoden. „Als seriöse Tierschutzorganisation verzichten wir wie alle im Deutschen Tierschutzbund organisierten Vereinigungen gänzlich auf aggressive Tür- und Telefonwerbung zur Spenden- und Mitgliedergewinnung“, betont Vorstandssprecherin Jutta Ramnitz .

RTL hatte einen Redakteur in die Gruppe, die unter dem strengen Kommando eines „mit Goldketten behangenen Zwei-Meter-Manns“ namens Bernd stehen soll, eingeschleust. Bernd, seit sieben Jahren Chef der Drücker-Kolonne, habe früher als Zuhälter gearbeitet, bis er gemerkt habe, „dass man mit Tierschutz viel mehr verdienen kann als im Rotlichtmilieu“. Vor allem Menschen ohne Perspektive würden mit harmlos klingenden Anzeigen geködert, am Gronauer Bahnhof abgeholt und dann wie Leibeigene behandelt. Bis zu 15 Leute sollen im Haus des Drücker-Chefs unter miserablen Umständen eingepfercht sein. Mit Druck, Einschüchterung und Gewaltandrohung, würden die „Mitarbeiter“ gezwungen, insbesondere in Fußgängerzonen Passanten zu einer Mitgliedschaft in dem angeblichen Tierschutzverein zu drängen – für 80 Euro plus Verwaltungsgebühr. Wer nicht genügend „Scheine schreibt“, bekommt Strafen, die zu finanziellen Abhängigkeiten gegenüber dem Chef führen. Laut RTL kassiert der Drückerchef rund 2400 Euro am Tag – also 700 000 Euro jährlich. Was davon tatsächlich für Tiere abfalle, strebe gegen null, so Christoph Müllerleile, Experte für Spendenwesen. Ein bis zwei Prozent sollen es sein. Für die Drücker bleiben nach RTL-Berechnung 66 Cent Stundenlohn.

Jutta Ramnitz vom Tierschutzverein Gronau, der als gemeinnützig anerkannt ist, zeigt sich angesichts der Methoden derartiger Organisationen besorgt. „Damit beschädigen sie auch unseren Ruf und nehmen uns auch mögliche Spenden für unsere wichtige Vorortarbeit hier in Gronau weg“, ärgert sie sich und betont noch einmal: „Wir wollen durch unsere nachhaltige Tierschutzarbeit überzeugen und nicht durch zweifelhafte Methoden der Spenden- und Mitgliedergewinnung.“ Zudem biete man ein Maximum an Transparenz, lege bei den jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen Rechenschaft über alle Projekte, Einnahmen und Ausgaben ab. Wer eine Mitgliedschaft unterschreibe, solle auf eben solche Punkte achten“, rät auch Steffen Seckler, Pressereferent beim Deutschen Tierschutzbund.

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