Gronau
Mit Werken und Glauben zur letzten Reise

Montag, 12.11.2007, 12:11 Uhr

Gronau . Hugo von Hofmannsthals Drama „Jedermann“, das zu den Salzburger Festspielen gehört wie der Frost zum Winter, wurde am Samstag vom Rheinischen Landestheater Neuss auf die Bühne der Aula gebracht. Während die eher kleine Rolle der Buhlschaft in Salzburg seit Senta Berger in den 70er Jahren immer mit einem Star besetzt wird, wirkte die Neusser Buhlschaft trotz rotem Kleid und blonder Mähne – wie Nina Hoss als vorletzte Buhlschaft der Festspiele - eher blass.

Die sattsam bekannte Geschichte des reichen Jedermann, den im besten Mannesalter der Tod holen kommt, war gelungen inszeniert. Vorbild für Hofmannsthal waren spätmittelalterliche Mysterienspiele. Abgesehen von der Sprache, hatte die Inszenierung jedoch nichts Antiquiertes. So waren die zum Schutz und Wohlbefinden des Reichen erbarmungslos drauflosknüppelnden Büttel, die anfangs den Schuldknecht gefangen nehmen und in den Kerker bringen mussten, als Polizisten mit Sturmhauben gekleidet. Geglückt auch der zwei-etagige Bühnenaufbau mit Schattenrissen in Weiß und Schwarz sowie die in Giebelform gehängten Leuchtstoffröhren.

Jedermanns oberflächlicher Charakter offenbart sich sehr überzeugend in der Begegnung mit seiner alten und gebrechlichen Mutter (Hergard Engert), die ihn zu einem ehrbaren und gottgefälligen Leben anhalten will.

Jedermann würde gern die Anwesenheit des Todes verdrängen. Doch es hilft letztendlich nichts: weder, dass er das Personal, den guten Gesell, mit Aufträgen überhäuft, noch dass er mit Freunden und Verwandten trinkt und feiert und mit der Freundin, der Buhlschaft, turtelt.

Nur eine Stunde gönnt der Tod (Hannes Schäfer) Jedermann schließlich, um Begleiter für seine letzte Reise zu gewinnen. Unter den Menschen, mit denen Jedermann sich umgibt, findet er aber niemanden. In einem interessanten Regieeinfall werden die Schauspieler dann zu Sängern. Sie lassen die BachKantate „O Ewigkeit, du Donnerwort“ sowie den Choral „Wach auf, oh Mensch vom Sünden-Schlaf“ aus Bachs Markuspassion erklingen.

Bitter kommt es bei Jedermann (sehr überzeugend in der Rolle Hermann Große-Berg) an, als er schließlich begreifen muss, dass er all sein Geld ebenfalls nicht mitnehmen kann. Sein Geld – Mammon – wunderbar verführerisch verkörpert von einer mit Pelz und Schmuck behangenen Vera Kasimir, die ihn eiskalt abblitzen lässt. Nur Werke (ebenfalls Hergard Engert) und Glaube (Raik Singer) sind bereit, die letzte Reise mit ihm anzutreten. Dabei wirkt Glaube, ganz in Schwarz gewandet mit Nietengürtel und kitschigem Jesusbild aufs T-Shirt gedruckt, wie das Abziehbild eines hippen, jugendlichen Christen. Als Jedermann sich endlich zu Gott bekennt, hat auch der Teufel im roten Anzug und mit einem Stöckelschuh statt Bocksfuß keine Macht mehr.

Eine beeindruckende Aufführung, die ein größeres Publikum verdient hätte.

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