Gronau
„Integration kann gelingen“

Samstag, 24.05.2008, 10:05 Uhr

Gronau . Unter dem Motto „Integration – (wie) geht das?“ hatte der Integrationsgesprächskreis der Schule Driland-Kolleg Vereine und Organisationen in Gronau zu einer Diskussion eingeladen. Etwa 70 Interessierte nahmen an der Veranstaltung mit Migrationsexperten und Migranten aus dem Irak, der Türkei und den Niederlanden teil. Außer einem insgesamt eher düsteren Bild vom Zusammenleben der Deutschen mit den annähernd 12 Prozent ausländischen Bürgern in Gronau gab es auch einige Lichtblicke, gute Ideen und viele neue Kontakte.

Als Experten auf dem Podium waren Marlies Imping von der Caritas-Flüchtlingsberatung und Ulrich Fuhrmann , Lehrer an der Anne-Frank-Schule und Mitarbeiter der Beratungsstelle für Aussiedler und Ausländer, anwesend. Frau Imping berichtete über die derzeitige deutsche Asylgesetzgebung. Sie bemängelte vor allem, dass Ausländer, die in Deutschland geduldet werden, auch nach zehn oder 15 Jahren kein Bleiberecht erhalten, sondern täglich mit ihrer Abschiebung rechnen müssen. So könne niemand eine dauerhafte Existenz aufbauen.

Fuhrmann bemängelte vor allem die seiner Ansicht nach unzureichende Situation an den deutschen Schulen. Seiner Meinung nach müsse die Lehrerschaft schon in ihrer Ausbildung auf einen ausländischen Anteil an Schülern vorbereitet werden. Darüber hinaus zeige die Verteilung der Migrantenkinder auf die Schulformen in Gronau, dass von Chancengleichheit zwischen Ausländern und Deutschen keine Rede sein könne.

Von ihren Schwierigkeiten, Kontakte mit Deutschen in Gronau herzustellen, berichteten die geladenen Ausländer. Diar Rahim aus dem Irak sagte: „Ich habe meine deutsche Nachbarin zum Kaffee eingeladen, aber sie ist nicht gekommen, weil ich ein Kopftuch trage.“ Obwohl Deutsche um sie herum fortwährend Mauern bildeten, sei sie nicht bereit, ihre „Anstrengungen um die Integration“ aufzugeben. Von großen Schwierigkeiten wussten auch die anderen integrationswilligen Ausländer zu berichten. Oftmals werde man als Ausländer in Gronau freundlich behandelt, es bleibe aber fortwährend eine Distanz vorhanden, sagte die aus den Niederlanden stammende Marjolein Haandrikman-Bakker, die über Sportangebote versucht hatte, Kontakte zu Deutschen aufzubauen, aber immer wieder vor geschlossenen Sporthallen stand, weil sie keine Übersicht der Ferien- und Feiertage in NRW erhielt.

Die anwesenden Ausländer gaben aber nicht nur den Deutschen die Schuld an den Integrationsschwierigkeiten, von denen sie berichteten. Der türkischstämmige Ali Canbay berichtete von der Parallelwelt, in die sich viele Türken zurückziehen. Sie würden sich zu wenig bemühen, stattdessen den bequemen Weg des Rückzugs in das soziale Netz ihrer Landsleute suchen.

Kritik wurde auch an den türkischen Organisationen in Deutschland geäußert, die sich nach Meinung einiger Anwesenden zu wenig um eine Integration der Türken in Deutschland bemühen.

Viele gute Anregungen kamen aus dem engagierten Publikum. Man solle, so wurde gefordert, dem Thema die Tragik nehmen und stattdessen im Kleinen handeln. Dass Deutsche bewusst Kontaktangebote machen, schien allen Ausländern der beste Weg zur Integration zu sein. Darüber hinaus waren es vor allem die gemeinsamen Aktivitäten in Vereinen und Organisationen, die als ein viel versprechender Weg zur Verbesserung herausgestellt wurden. Viele Ausländer wünschten sich ein aktives Interesse der Deutschen an ihrem Leben. Von Seiten der Experten und der Ausländer wurde immer wieder positiv die Rolle des Driland-Kolleg hervorgehoben, das Ausländern in seinen Vorkursen auch weitgehende Sprachförderungen anbietet und damit den Weg zur Kommunikation mit Deutschen ebnet.

Souverän geleitet wurde der Abend von Christa Kellersmann aus Nordhorn, die zwar Deutsche ist, den ausländischen Studierenden aber dennoch ein Vorbild sein kann, da sie in diesem Jahr mit 58 Jahren ein hervorragendes Abitur erhalten wird und so zeigt, dass man auch unter widrigen Umständen viel aus sich machen kann.

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