Gronau
Man gebe dem Fischer ein Netz…

Gronau. „Die Energiefragen und die Preisentwicklung sind auch in Brasilien ein Problem. Sie machen Sorgen, wecken aber auch Hoffnungen“, erklärt Maria Elisabeth Detert aus Epe, die seit Jahren als Agraringenieurin in dem großen Land in Südamerika...

Mittwoch, 04.06.2008, 11:06 Uhr

Gronau . „Die Energiefragen und die Preisentwicklung sind auch in Brasilien ein Problem. Sie machen Sorgen, wecken aber auch Hoffnungen“, erklärt Maria Elisabeth Detert aus Epe, die seit Jahren als Agraringenieurin in dem großen Land in Südamerika lebt und arbeitet. Als Fachkraft der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe ist sie in der Diözese Coroatá eingesetzt. Seit sechs Jahren unterstützt die Diözese Münster ihre Tätigkeit. Hilfestellung für ihre Arbeit erhält sie aber auch von der St.-Agatha-Kirchengemeinde Epe und von verschiedenen Gruppen u.a. aus Vreden, Ahaus und dem Kloster Gerleve.

„Die Diskussion über Energie gegen Nahrungsmittel hat viele Menschen zum Nachdenken gebracht“, so Maria Detert im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Entwicklungshilfe soll in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft Brasiliens Lösungsansätze bringen und Mindestanforderungen erfüllen. So soll das Mindesteinkommen, das aus der Landwirtschaft erzielt wird, höher sein als die Hilfszuwendungen vom Staat, damit Landwirtschaft interessant bleibt.

Schon so einige Projekte hat Maria Detert in den vergangenen Jahren angestoßen und verwirklicht. Auf dem Gelände der Genossenschaft, die mit ihrer Hilfe aufgebaut wurde, finden heute Ausbildungen für Kinder und Jugendliche und Fortbildungsmaßnahmen für Erwachsene statt. Das Hauptthema sei allerdings die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit sowie der Einkünfte und Erträge der Kleinbauern. Diese Genossenschaft will eine Lehr- und Versuchsanstalt werden, die all das in die Praxis umsetzt. Das geht natürlich nur mit Hilfe des Staates, so die Agraringenieurin, die auch dazu beigetragen hat, dass ein Imkerei heute zu den Einnahmequellen der Kleinbauern gehört. Hier hat nach ihren Aussagen das alte Sprichwort seine Berechtigung: „Man gebe dem Fischer ein Netz und zeige ihm, wie man Fische fängt.“ So habe sich die Honig-Produktion als Segen für die landlosen Bauern in der Region erwiesen.

Gerade arbeitet Maria Detert an einem Projekt, an dem auf zwei Versuchsflächen der landwirtschaftlichen „Cooperativa Terra e Vide“ in Cantanhede und Pirapemas baumartige Legominosen in die traditionellen Reisanbauflächen eingebaut wurden. Es handelt sich dabei um eine schnell wachsende Baumart, deren Hartholz sehr gut verwertet werden kann. Es wird zur Herstellung von Weidepfählen und als Baumaterial verwendet, oder es wird Holzkohle daraus hergestellt. Der Fruchtfolgeplan sieht den Anbau von Reis, Mais und Maniok vor, dem die Einsaat von Weideland und die Produktion von organischem Material folgt. Die Weidewirtschaft dient den Kühen, Ziegen und Schafen, und der folgende Holzanbau sieht den Holzschnitt, den Verkauf von Weidepfählen und die Herstellung von Holzkohle vor. Mit diesem Projekt sollen praktikable Methoden für die Kleinbauern umgesetzt werden, die an deren Bedingungen angepasst sind. „Vielleicht bekommen wir auch Geld von der brasilianischen Regierung“, hofft Maria Detert. „Wir können eine Art Versuchsgut für die Beratung und Weiterbildung der Bauern darstellen und Techniker einstellen.“ Kurse zur Milchverarbeitung oder für die Konservierung von Futtermitteln, insbesondere von Mais- und Grassilage, habe es in der Vergangenheit schon gegeben. Damit wäre die „Cooperativa Terra e Vida“ die Keimzelle für diesen Ansatz, die mit jeweils zehn Bauern pro umliegender Stadt dieses Modell in die Praxis überträgt.

„Die ,Cooperativa’ bewirtschaftet Flächen der Diözese von Coronatá. Dafür und fürs Experimentieren an neuen Modellen fehlen die Mittel“, wie die Agraringenieurin erklärt. Ihr Dank ging vor allen Dingen an die Mitglieder der Agatha-Gemeinde, die durch viele Aktionen und die ständigen Aktivitäten des Arbeitskreises mit dafür Sorge tragen, dass auch in den kommenden Jahren die Arbeit in der Diözese Coronatá weitergehen kann.

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