Gronau
Alte Klostermauern müssen weichen

Donnerstag, 13.11.2008, 12:11 Uhr

Gronau / Glanerbrück . Viele Gronauer Katholiken verbinden mit dem Redemptoristenkloster direkt jenseits der Grenze in Glanerbrück schöne Erinnerungen. Vor allem Bewohner des Buterlands besuchten dort früher oft die Gottesdienste, bis die Patres das Kloster 1967 aufgaben. Heute ist das Gebäude ein Teil des Ariëns-Seniorenheims. Das soll jedoch Ende 2009 Anfang 2010 völlig renoviert werden. Mit der Folge, dass auch der historische Gebäudeteil abgerissen wird. Das bestätigte Vorstandsmitglied Jan van der Linden von Ariëns-Zorgpalet gegenüber den WN. „Es ist nicht anders zu machen“, so van der Linde. Das Gebäude befindet sich ihm zufolge in einem schlechten baulichen Zustand. Die Pläne für die neue Senioren-Einrichtung an der Grenze ließen sich nur realisieren, wenn das alte Kloster – das nicht unter Denkmalschutz steht – weiche. Der alte Kirchhof der Patres soll dagegen renoviert werden und erhalten bleiben.

Für John Schiffel , Mitglied des Kirchenvorstandsvorstands der Enscheder St.-Jozef-Kerk, ein Unding. „Immer mehr Substanz unseres religiösen Erbes geht verloren“, klagt er. Dabei spiegelt sich gerade in dem Kloster in Glanerbrück ein interessantes Kapitel deutscher Kultur- und Religionsgeschichte wider.

Die über 120 Jahre alten Gemäuer (die bis zu 1,20 Meter dick sind) beherbergen derzeit unter anderem Wohnungen für Senioren, Behandlungsräume und die wunderbare Sakramentskapelle. Sie ist in der ehemaligen Bibliothek des Klosters untergebracht. Ein Raum mit spiritueller Ausstrahlung. Hier (und in der größeren Kapelle des Ariëns-Hauses) werden regelmäßig Messen abgehalten. „Gronauer kommen allerdings nur noch selten zu den Gottesdiensten“, sagt Pater Weemaes, der die Gottesdienste zelebriert.

Das war früher anders. Die Redemptoristenpatres, erzählt Schiffel, galten als pragmatische Geistliche, die mit beiden Beinen im Leben standen und anders als mancher Pfarrer weniger fundamentalistisch in Glaubensfragen waren. „Vor allem auf die Arbeiterfamilien hatten die Patres großen Einfluss“, sagt er.

Die Gottesdienste im Kloster galten bei Glanerbrückern und Gronauern als lebensnäher, die Atmosphäre war angenehmer – und die Bußen nach den Beichten nicht so heftig. „Außerdem standen im Garten des Klosters Apfel- und Nussbäume, die von der Gronauer und Glanerbrücker Jugend gerne geplündert wurden“, erzählt Schiffel.

Die Patres rekrutierten ihre Messdiener aus beiden Orten, Glanerbrück und Gronau. Die Jungen brachten für die Redemptoristen jedes Opfer. Ganz gleich, ob sie mitten in der Nacht bei Messen dienen mussten oder die Gottesdienste zu Feiertagen auch mal Stunden dauerten, heißt es in einer Schrift über das Kloster.

Die Patres und die Bevölkerung in der gesamten Grenzregion verband große Herzlichkeit. Der Alstätter Pfarrer Beike berichtete, dass vier der Patres im November 1936 fünf Tage lang in Alstätte weilten. Während dieser Zeit teilten sie nicht weniger als 20 000 Mal die Kommunion aus.

Für die Gronauer Katholiken ging in den 30er- und 40er-Jahren vor allem von Pater Anton ten Winkel eine große Anziehungskraft aus. ( Zur Person).

Die Ära der Redemptoristen in Glanerbrück endete 1967, als das Gebäude der Dr.-Ariëns-Stiftung übergeben wurde, die hier die Senioreneinrichtung eröffnete. Das Gebäude wurde damals umgebaut – trotz großer Probleme gelang es, das Kloster in den neuen Komplex zu integrieren. Doch den nächsten Umbau sollen die ehemaligen Klostermauern nicht mehr übererleben.

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