Gronau
„Für die Kinder wäre das eine Katastrophe“

Dienstag, 04.11.2008, 12:11 Uhr

-mfk- Gronau . Seit 20 Jahren lebt Familie Ö. in Gronau, muss ihre Duldung regelmäßig von der Ausländerbehörde erneuern lassen. Nun droht ihr offenbar die Abschiebung . Das zumindest schließen die Familie und einige Lehrer der Kinder aus einem Schreiben des Kreises Borken. Die Pädagogen wollen dem nicht tatenlos zusehen. Zwar hätten sie formalrechtlich „nichts in der Hand“, weiß Ulrich Fuhrmann , Lehrer an der Anne-Frank-Schule und Aktiver des Arbeitskreises Asyl. Gleichwohl appellieren sie an die zuständige Ausländerbehörde, die Abschiebung auszusetzen oder zumindest zu warten, „damit die Kinder Schulabschlüsse erwerben und sich damit eventuell Lebensperspektiven aufbauen können“.

Das Schreiben der Ausländerbehörde des Kreises kam Anfang Oktober. Darin verpflichtet sie die Eltern, sich am heutigen Dienstag zwecks „Vorführung beim türkischen Generalkonsulat in Münster“ bereitzuhalten. Dort sollen die (bisher staatenlosen) Kinder nachregistriert werden. Für Fuhrmann und seine Kollegen ein Indiz für eine bevorstehende Ausweisung. „Die Kinder bekommen einen türkischen Pass. Denn ohne Pass kein Flugticket“, erläutert er.

Für Fuhrmann und seine Mitstreiter steht damit auch der Zielort der mutmaßlich drohenden Abschiebung fest: die Türkei . „Für die Kinder wäre das eine Katastrophe “, sagt Fuhrmann. Denn eigentlich käme die Familie nach eigener Aussage nicht von dort: Zwar hätten die Großeltern türkische Wurzeln, die Eltern aber stammten aus dem Libanon und seien als Bürgerkriegsflüchtlinge erst nach Izmir, dann nach Deutschland gekommen. „Die Kinder würden in ein Land gebracht, dessen Sprache sie nicht sprechen“, erklärt Fuhrmann ein Problem. Ein weiteres sei, dass die Familie auseinander gerissen würde: Denn die älteste Tochter sei volljährig, besitze eine Aufenthaltserlaubnis und würde deshalb nicht mit abgeschoben.

Zu diesen Problemen äußerte sich Andrea Hertleif von der Pressestelle des Kreises nur grundsätzlich. Zum konkreten Fall Ö. wollte sie mit Hinweis auf den Datenschutz keine detaillierteren Angaben machen und eine bevorstehend Abschiebung weder bestätigen noch dementieren. Dass Familien auseinander gerissen werden, versuche die Ausländerbehörde stets zu vermeiden, sagte Hertleif. „Das hängt aber immer vom Einzelfall ab.“ Auch sei eine Abschiebung in ein Land, in dem für die Betroffenen sprachliche Probleme entstehen, „natürlich unglücklich“. Das sei aber grundsätzlich kein Verhinderungsgrund. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die geltende Rechtslage: „Türkische Staatsbürger können nur in die Türkei abgeschoben werden.“

Zum Fall Ö. teilte der Kreis nur so viel mit: „Mit der Nachregistrierung ihrer Kinder kommen die Eltern Ö. einer Verpflichtung nach, der sie eigentlich schon viel früher hätten Folge leisten müssen. Sie ist für die Beschaffung von Passersatzpapieren notwendig, die eine Ausreise ermöglichen.“

Andrea Hertleif verwies jedoch auch darauf, dass eine Nachregistrierung und damit die Möglichkeit, an Passpapiere zu gelangen, minderjährigen Kindern auch eine Chance biete: Wenn sie am 1. Juli 2007 bereits das 14. Lebensjahr vollendet hatten, gelte für sie die sogenannte Altfallregelung, die es ihnen ermöglicht, eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis zu bekommen – sofern die Eltern ausgereist sind, die Vormundschaft geregelt ist und eine erfolgreiche Integration nachgewiesen werden kann.

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