Gronau
Explosives vom „Pielepatten-Putin“

Montag, 01.12.2008, 12:12 Uhr

-mfk- Gronau . Jetzt ist der Skandal publik: Wie Samstagnacht aus gut unterrichteten Kreisen zu hören war, plante der CDU-Fraktions-Grande Heiner Möllers offenbar, den historischen Wasserturm in die Luft zu sprengen. Weil die Sanierung für 800 000 Euro zu teuer und ihm der Turm ohnehin ein Dorn ihm Auge war – der Farben wegen: Mit dem roten Dach, der gelben Fassade und dem sommerlichen Grün drum herum habe der Turm den „Pielepatten-Putin“ zu sehr an eine Ampel-Koalition erinnert. Die Quelle gilt als zuverlässig – handelt es sich doch um Kalle Kaminski , seines Zeichens Hausmeister im Rathaus.

Beim Publikum in der Bürgerhalle löste diese Enthüllung allerdings weniger einen Sturm der Entrüstung denn der Heiterkeit aus. Schließlich bildete Kalle alias Klaus Wiedau das wortgewaltige Finale der „Max kommt!“-Show. Dabei zeichneten sich bei den Protagonisten Otto Lohle, Stefan Busch und Klaus Wiedau im 16. Jahr ihres Bestehens als Mäxe erste geriatrische Schwächen ab – überzogen sie diesmal doch „nur“ um eine halbe Stunde. Die Gäste taten angesichts des viereinhalb-stündigen Programms dennoch gut daran, gehörig Sitzfleisch mitzubringen – und sich über die aktuellen Ereignisse auf dem Laufenden zu halten. Schon allein deshalb, weil die Mäxe wieder mit Talk-Gästen plauderten, die 2008 für Schlagzeilen gesorgt haben.

So verriet Ex-WN-Mitarbeiterin Julia Friedrichs, die es mit 80 000 verkauften Exemplaren ihres Buches „Gestatten: Elite“ auf die Bestsellerlisten geschafft hat, dass sie derzeit selbst zu den Minderleistern gehöre: Im April solle ihr neues Buch über die Unterschicht erscheinen, aber: „Ich habe noch gar nicht angefangen“, sagte Friedrichs.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn, der sich ob der Rentenerhöhung mit Senioren angelegt und dafür Tausende böser Briefe bekommen hatte, bekannte, dass er die Morddrohungen darunter zwar unter der Rubrik „Spinner“ verbucht, auf der Straße aber schon mal dran gedacht habe. Und dass er sich im Falle seines politischen Aus vorstellen könne, als Grundschullehrer zu arbeiten. Für Klaus Wiedau kein Wunder: „Halben Tag arbeiten bei vollem Gehalt.“ Die Lacher hatte er auf seiner Seite.

Ernster ging da der Talk mit „Euroman“ Roland Därr über die Bühne: Lohle und Wiedau fragten den selbst ernannten Gronauer Restaurantkritiker kritisch nach Qualifikationen und Resonanzen, die von Wirte-Seite bis zum Hausverbot reichten. Das allerdings habe der neue Besitzer des betreffenden Restaurants kürzlich zurückgenommen, berichtete Därr, der zwar gerne mal im Berliner „Adlon“ speisen würde, sich als Fan der gutbürgerlichen Küche in Gronau aber gut aufgehoben fühlt.

Ebenfalls mit dabei war DSDS-Kandidatin Janina Ribeiro aus Epe , die keinen Hehl daraus machte, dass Dieter Bohlen hinter den Kulissen „vielleicht noch freundlicher“ ist als Otto Lohle. Mit zwei Songs bewies sie dem Publikum, dass ihr dreimaliges Weiterkommen bei der Casting-Show durchaus gerechtfertigt war, und erntete dafür begeisterten Beifall.

Auch die letzte Gesprächsrunde entwickelte sich zum Show-Act: Mit Reinhard Niehues und Thomas Kottig standen die Nordenia-Starter bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft der Staplerfahrer auf der Bühne. Und sie hatten auch gleich einen Stapler mitgebracht, um ihr Können zu zeigen – unter anderem beim Aufhängen von Dessous . . .

Freilich beschränkten sich die Mäxe nicht auf die Plauderrunden. Vielmehr hatten sie sich abermals Show-Unterstützung von vielen Seiten gesichert: Die Nico-Mey-Band war ebenso mit von der Partie wie die Free-Artistic-Gruppe des Gronauer Turnvereins. Ebenfalls artistisch zeigte sich die HipHop-Gruppe „Break Panthers“ aus Ahaus. Eine flotte Sohle anderer Art legten Maren Wittenhaus, Karin Schlamann und Marietta Schüürmann – dank derer malerischer Qualitäten die Eper „Perle“ das Bühnenbild zierte – aufs Parkett: Als „Trio Klick-Klack“ ersteppten sie sich reichlich Beifall. Nicht minder glanzvoll war der Gala-Auftritt der „Dance Company“ in bestem Blues-Brothers-Stil.

Nicht zu vergessen natürlich die drei Hauptakteure in ihren Paraderollen. So deckte „Kai Klöten“ in seinem dreiteiligen Video-Jahresrückblick auf, dass der Frust über die „Perle“ so groß ist, dass sich sogar die Heimatvereine von Gronau und Epe verbündet haben, um gegen den Sparkassen-Neubau vorzugehen – mit einem rabiaten Mittel: einem alten Panzer.

Otto Lohle kritisierte als „Tönne Speckmann“ aus der Südstadt beim Telefonat mit einem Eon-Boss, dass sich Epe langsam zum „Beverly Hills des Münsterlandes“ entwickle, der Entschädigungszahlungen für die Gas-Kavernen-Nutzung wegen: „Ich sehe hier bloß noch vergoldete Melk-Amaturen . . .“

„Dr. Busch“ schlüpfte, unterstützt von der Nico-Mey Big Band aus Alstätte, bei seinem Jazzfest-Rückblick gleich in mehrere Rollen bekannter Musiker. Unter anderem gab er gesangliche Interpretationen von Juliane Werding ebenso zum Besten wie von Fats Domino, Peter Maffay und Udo Lindenberg („Ich war ein guter Drummer; das ist aber schon ziemlich lange her, heute trink’ ich lieber Eierlikööör . . .“).

Bei Kalle Kaminski schließlich bekam nicht nur die Südstadt ihr obligatorisches Fett weg, sondern auch etliche Lokalpolitiker. Nebst Heiner Möllers sein CDU-Kollege Josef Pieper, der „Sarkozy der Gronauer Steckdosen“: „Morgens leiden die Schüler unter ihm, abends als Politiker alle Gronauer.“ Zur Sprengung des Wasserturms ließ sich Kaminski übrigens nicht verleiten – weder durch Möllers Drohungen noch Bestechungsversuche. Schließlich, so Kaminski, „sieht der Wasserturm nach 100 Jahren noch besser aus als die ,Perle’ kurz nach ihrer Entstehung . . .“

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