Gronau
Experten puzzlen an Brandbild

Gronau-Epe - Die einen haben ihre Arbeit getan, für die anderen fängt sie gerade erst an: Brandermittler der Polizei haben mit Unterstützung eines Brandsachverständigen am Montag mit der Untersuchung der Brandstelle auf dem „Germania“-Gelände...

Montag, 02.03.2009, 18:03 Uhr

Gronau-Epe - Die einen haben ihre Arbeit getan, für die anderen fängt sie gerade erst an: Brandermittler der Polizei haben mit Unterstützung eines Brandsachverständigen am Montag mit der Untersuchung der Brandstelle auf dem „Germania“-Gelände begonnen.

Bis Kriminalhauptkommissar Udo E. - der aus Sicherheitserwägungen lieber nicht mit vollem Namen genannt werden möchte - von der „Zentralen Kriminaltitätsbekämpfung Borken“, seine Kollegen und Brandexperte Werner Beckmann Ergebnisse präsentieren können, wird es aber vermutlich noch dauern. Wie ein Puzzle müssen die Fachleute zuvor Stück für Stück ein Bild der Brandstelle zusammensetzen und den Verlauf des Großbrandes rekonstruieren. „Erste belastbare Zeugenaussagen haben wir dabei durch die Schilderungen der Feuerwehrleute“, sagt Beckmann.

Der Sachverständige für Brand- und Explosionsursachen ist als Brandamtmann a.D. ein „alter Hase“ in seinem Metier. Auf dem „Germania“-Gelände stand am Montag zunächst die Begutachtung der Brandstelle auf dem Plan. Gemeinsam mit den Brandermittlern der Polizei wurde dann die Brandmeldeanlage, die um 2.34 Uhr am Samstagmorgen Alarm ausgelöst hatte, ausgelesen. Die Daten sollen den Experten erste Anhaltspunkte dafür geben, wo das Feuer ausgebrochen ist und wie es sich bis zum „Totalschaden“ von Werk II entwickelt hat.

Werner Beckmann schloss am Montag nicht aus, dass weitere spezielle Untersuchungen der Brandstelle folgen - etwa der Einsatz von Hunden, die auf das Aufspüren von sogenannten Brandbeschleunigern spezialisiert sind.

Weniger mit den Ursachen als mit den Folgen des Brandes muss sich derweil die Stadt Gronau beschäftigen. Denn: Die Kommune muss für den Einsatz von Menschen und Material während des Großbrandes aufkommen. Mittel dafür werden im Etat außerplanmäßig bereitgestellt werden müssen - einen regulären Ansatz für solche Fälle gibt es nicht.

„Grundsätzlich zahlen wir die Gesamtrechnung“, machte Sandra Cichon , Leiterin des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung, auf Anfrage der WN deutlich. In welcher Größenordnung Forderungen auf die Stadt zukommen, vermag sie indes zur Zeit noch nicht zu sagen. „Das hängt davon ab, ob und in welchem Umfang die einzelnen Organisationen Rechnungen erstellen oder Leistungen möglicherweise auch kostenfrei im Wege der Amtshilfe erbracht werden“, so Sandra Cichon. Ganz sicher aber wird die Kommune das Geld für das Sprengmaterial und die Unterbringung von evakuierten Bürgern in Hotels zahlen müssen. Davon machten in der Nacht zum Sonntag aber nur eine Handvoll Anlieger Gebrauch. Vier weitere Personen wurden krankheitsbedingt im St.-Antonius-Hospital untergebracht. In der Overbergschule wurden in der Spitze mehr als 160 Bürger betreut - die Zahl sei in den späten Abendstunden vorübergehend gestiegen, als sich die zweite Sprengung in der Nacht abzeichnete.

„Entzerrt wurde die Situation dann aber dadurch, dass der Sprengmeister am späten Samstagabend die Evakuierungszone auf einen 150-Meter-Radius um den Schornstein herum zurücknahm“, so die Fachdienstleiterin weiter.

Cichon war es auch, die im Zuge der Gefahrenabwehr letztlich die Entscheidung zur Sprengung des Schornsteines zu treffen hatte. Viel Spielraum hatte sie dabei nicht, nachdem Statiker der Stadt und Baufachberater des THW die Einsturzgefahr des Kamins übereinstimmend bejaht hatten. „Das Risiko, ,Nein zu sagen, war letztlich größer“, so die Juristin gegenüber den WN.

Und welche Lehren zieht die Stadt aus dem „Germania“-Brand? „Wir werden das sicher organisatorisch nachbereiten“, so Cichon, für die die Mitwirkung in der Einsatzleitung bei einem solchen Großereignis eine Premiere war, wie sie sagt. „Ich habe einiges dabei gelernt“, räumt sie ein, steht damit aber nicht alleine da. Auch der Notfallmanager des Kreises, ein Mann mit Erfahrung in seinem Job, habe eingeräumt, dass ihm der Einsatz einige neue Aspekte beschert habe. Dass es ein spezieller Einsatz war, belegt auch die Aussage eines Gronauer Feuerwehrmannes: 40 Jahre sei er bei der Feuerwehr , „aber dass wir die Löscharbeiten vorübergehend einstellen müssen, um etwas zu sprengen, das habe ich noch nicht erlebt“.

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