Gronau
Sinnvoll und dringend notwendig

Dienstag, 09.06.2009, 10:06 Uhr

Gronau - „Diese Initiative ist nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig.“ Rainer Hülskötter vom Jugendamt der Stadt Gronau brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: Das Angebot der „Hummel“ werde von der Stadt nicht nur begrüßt, sondern aktiv unterstützt. Denn: „Die Psychiatrie kann nicht alles leisten.“

Wie berichtet, hat ein von betroffenen Eltern angeregter Arbeitskreis ein auf drei Säulen ruhendes Konzept zur Unterstützung von Kindern psychisch kranker Eltern entwickelt. Durch Aufklärung, soziale Gruppenarbeit und Einzelfallbetreuung sollen Kinder psychisch Kranker vor Schäden bewahrt und befähigt werden, „die eigene Identität zu entwickeln“, wie Annette Bretall vom Diakonischen Werk bei der Begrüßung zur ersten Informationsveranstaltung der „Hummel“ im Walter-Thiemann-Haus erklärte.

„Es war ein ungeheurer Druck“, erklärte ein Betroffener über seine Versuche, trotz Krankheit der Rolle als Ernährer und Vater einer Tochter gerecht zu werden. „Durch die Krankheit produziert man auch höhere Anforderungen“, erklärte er. Immer wieder holte ihn die Krankheit ein, auch wenn es Phasen gab, in denen er ohne Medikamente klarkam. Eine Umschulung verhinderte nicht, dass am Ende die Frührente stand. Denn Arbeitgeber, die bereit zur Freistellung während der Krankheit seien, gebe es leider kaum. Gleichzeitig habe er nicht auffallen wollen. „Man will sich an der Normalität orientieren.“

„Verstanden habe ich die Krankheit meiner Eltern erst durch mein Studium“, bekannte Daniela Prause , die heute als Diplom-Psychologin am Lukas-Krankenhaus tätig ist. Erst im Gespräch mit anderen im Jugendlichen-Alter sei ihr bewusst geworden, was „Normalität“ bedeute. Dabei habe sie nicht Liebe und Zuneigung vermisst, sondern „manchmal eher zu viel“ bekommen. Sie habe aber durch ihre familiäre Situation gelernt, Dinge einzufordern. „Ich denke, dass ich viele Stärken durch und mit Hilfe meiner Eltern entwickelt habe“, zog sie während der Veranstaltung eine persönlich positive Bilanz.

Dass das nicht überall gelingt, brachte Ingeborg Belger in Erinnerung. „Da gibt es viele Gefühle von Verlassenheit und Traurigkeit bei den Kindern“, sagte die Diplom-Psychologin, die ebenfalls am Lukas-Krankenhaus tätig ist. Prause bestätigte das aus ihrer beruflichen Praxis. Sie sehe hier einen der Hauptaufträge der „Hummel“: „In die Köpfe der Fachleute bringen, dass sie nicht nur einen Patienten haben, sondern dass der auch eine Familie hat.“

Die Not betroffener Familien, die nicht zuletzt mit Tabus und Stigmata zu kämpfen hätten, gerate mehr und mehr in den Blickpunkt, erklärte Ingeborg Varghese, Chefärztin der Psychiatrie am Lukas-Krankenhaus. Hier sei auch die Mitarbeit anderer Institutionen gefragt: „Es ist wichtig, dass Lehrer und Kindergärten die Augen offen halten, um eventuell betroffenen Familien helfen zu können, aus der Isolation zu kommen.“

Dass der „Hummel“-Arbeitskreis mit seinem Projekt auf einem guten Weg ist, bestätigte Beatrix Karen. Die Kinder- und Jugendpsychologin aus Duisburg stellte ein ähnliches Konzept vor, das in Duisburg bereits umgesetzt wird. Gute Vernetzung, konkrete Ansprechpartner und viel Geduld nannte sie als Grundvoraussetzungen für den Erfolg der Arbeit. In Gronau sei da bereits viel erreicht worden. „Das A und O ist, dass Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie kooperieren“, erklärte sie. „Da haben Sie hier ein großes Plus.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/368437?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F696959%2F696966%2F
Startklar für den Reifenwechsel
Mit immer größeren Reifen haben es die Handwerksbetrieb zu tun. Peter Voß, Obermeister der Vulkaniseur-Innung Münster, verzeichnet bereits eine wechselfreudige Kundschaft, die von Sommer- auf Winterreifen umsteigt. Der Terminkalender in der Werkstatt füllt sich.
Nachrichten-Ticker