Gronau
Extrabälle ohne Ende

Donnerstag, 13.08.2009, 10:08 Uhr

Gronau - Die Zeiten, als ein „Pinball“ seinem Namen noch alle Ehre machte, waren lange vorbei, als der „Pinball 2000“ auf den Markt kam. „Da haben die Firmen Bally und Williams noch mal versucht, etwas zu retten“, erklärt Günter Morlock . Der Gronauer muss es wissen, schließlich ist er der „Flipperflüsterer“.

„Solange ich denken kann, flippere ich“, sagt der 42-Jährige. Aus der schlichten Lust am Spiel mit der schnellen, verchromten Metallkugel wurde eine echte Leidenschaft. Bis zu 70 Geräte hat er im Laufe der Jahre besessen. Aktuell sind es etwa 20. Weil in der Garage nur Platz für vier ist, hat er einen Teil ausgelagert. Am liebsten aber hätte er eine Halle, wo sie alle stehen könnten. „Ins Haus darf ich sie nicht stellen, da macht meine Lebensgefährtin nicht mit“, lacht er.

Ihren Zenit aber hat die Branche längst überschritten: Lange nachdem Halbautomatik und Elektromechanik die Ursprungsidee eines Balls, der mittels einer Metallfeder auf eine angeschrägte und mit Nägeln („pins“) in Gewinnfelder unterteilte Holzplatte angetriebenen wird, abgelöst hatten, stellten die Hersteller die Produktion ein. Heute gibt es nur noch eine Firma namens „Stern“, die etwa vier neue Geräte pro Jahr herausbringt. „In Australien gibt es noch jemanden, der Repros baut“, weiß Morlock. „Ansonsten kommen die ausschließlich aus den USA.“ Die Zeit der Dinosaurier in der Kneipenkultur war vorbei, als die Computerelektronik den Spielemarkt eroberte.

Nicht so für Morlock und Gleichgesinnte, die mit ihm in der German Pinball Association und Foren Informationen, Ersatzteile, Anekdoten und Geräte austauschen - und natürlich auch Meisterschaften austragen. Vom Gummi über Lampen bis hin zu Schaltplänen und kompletten Kopfteilen mit Displays wird in Foren und Märkten alles gehandelt, was des Flipperers Herz begehrt. Für kleinere Reparaturen greift der Heizungs- und Sanitär-Installateur selbst zu Schraubenzieher und Lötkolben, aber oft ist fachmännische Hilfe gefragt.

Dann müssen wieder Rollböcke ran, um die etwa 150 Kilogramm pro Gerät ins Auto zu wuchten. „Ich habe schon viele, viele Tonnen bewegt“, sagt Morlock. Aber was tut man nicht alles, um mit federleichten Schlägen per Flipper die Kugel durch das Gewirr aus Rampen, Karussells, Schlagtürmen, Kontaktschaltern und Federn zu schicken, nur damit am Ende der Highscore grandios ist und vielleicht ein Extra-Ball abfällt.

Den ersten Flipper hatte Morlock, da war er kaum zehn Jahre alt. „Das war ein Laserball von Williams“, erinnert er sich. Den habe er leider nicht mehr. Stattdessen besitzt er so spannende Geräte wie den „Arabian Nights“ von 1996, der einen Sammlerwert von etwa 3000 Euro hat und ganze Geschichten aus 1001 Nacht erzählt. Gut ist, wer nach einer bestimmten Serie von erfüllten Aufgaben den Flaschengeist befreit. Oder der „ Indiana Jones “, bei dem die Kugel per Revolverzug abgefeuert wird. „Das ist ein Gerät mit unheimlich vielen Möglichkeiten - da wird einem nie langweilig“, begeistert sich Morlock, während er spielt und spielt und spielt . . .

Hat einmal ein „Profi“ wie er ein Gerät im Spiel, wird es schwierig mit der Terminplanung. Immer wieder fischt er die Kugel aus scheinbar hoffnungslosen Positionen zurück ins Spiel, holt Freibälle oder zaubert gar bis zu sechs Bälle gleichzeitig ins Spiel.

Und natürlich beherrscht er die Kunst, am Flipper zu rütteln, ohne dass er „tillt“. „Die Empfindlichkeit kann man einstellen“, erklärt er grinsend. „Wenn die Dinger irgendwo öffentlich stehen, ist die Empfindlichkeit natürlich ganz gering eingestellt, weil das dann mehr Geld bringt.“

Kostenlos flippern, ohne „tillen“, bei freier Gerätewahl - in Morlocks Garage erfüllen sich Jugendträume. Tatsächlich haben sich beide Töchter von der Leidenschaft des Vaters anstecken lassen. Die ältere hat bereits selbst zwei Flipper in der Wohnung, die jüngere 20-Jährige würde gerne nachziehen. „Die hat aber den Platz nicht“, bedauert er.

Und auch im Freundeskreis zieht die Lust an der schnellen Kugel Kreise. „Wenn ein Freund anruft, weil er auf ein Bier vorbeikommen will“, schmunzelt Morlock, „dann weiß ich immer schon: Der will eine Runde flippern.“

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