Gronau
Arbeitsmarkt Europa entdecken

Montag, 28.09.2009, 11:09 Uhr

Gronau - „Auch in der Krise bewegt sich etwas auf dem Arbeitsmarkt.“ Nicht nur Barbara Ossyra, die neue Leiterin der Agentur für Arbeit in Coesfeld, bemühte sich um eine positive Sicht der Dinge. Bei der Eröffnung des „European Job Day “ am Samstag im Wirtschaftszentrum Gronau herrschte vorsichtige Aufbruchstimmung. Dr. Markus Büning , der als Vertreter der Stadt die Organisatoren und Aussteller begrüßte, würdigte die europäische Jobbörse als „weiteren Mosaikstein auf dem Weg zu einem europäischen Arbeitsmarkt.“

Büning appellierte an die Arbeitssuchenden, „das bestehende Angebot aktiv zu nutzen“. Begleitet von Norbert Berges von der Gronauer Arbeitsagentur und Berthold Deitermann vom Eper ServicePunkt Arbeit suchten Ossyra und Büning dann das Gespräch mit den 21 Ausstellern.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Stände bereits von Interessenten umlagert. Vor einer Pinnwand der Arbeitsagentur mit Angeboten in der Schweiz, in Österreich , Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden drängten sich Besucher ebenso wie beim Beratungsstand der niederländischen Agentur für Arbeit UWV und Arbeitgebern wie etwa Altex, Molkerei Söbbeke und Zeitarbeitsfirmen.

Zwischen entsprechenden Referaten im Vortragsraum beriet Wim Evers am Stand über arbeits- und versicherungsrechtliche Bedingungen jenseits der Grenze. Daneben warb er unter dem Titel „BergenWerk“ für Saisonarbeiter in Österreichs Skigebieten. „Da gibt es etwa 6000 Stellen“, sagte er. „Bedingung ist, dass sie Deutsch sprechen“, erklärte er einer Interessentin. „Im Metallbereich gibt es noch etwas“, erfuhr gleich danach ein Mann, der daneben stand. „Fast 90 Prozent der Angebote gehen über Zeitarbeit“, sagte Evers. „Aber das wird als verlängerte Probezeit gesehen.“

Flexibilität, Mut und Qualifizierung, aber auch persönliche Entwicklung sind für die Fachleute Schlüssel zur erfolgreichen Jobsuche. Immer wichtiger werde ihr „Talentportal“, in dem individuelle Stolpersteine und Ressourcen abgeklärt würden, meint Rita Sundag von „Job find4u“ - etwa bei Zeitsoldaten nach dem Ende ihrer Dienstzeit. „Es gibt viele Berufe, die man gar nicht kennt.“ Ähnlich sieht das Burkhard John von der Berufsbildungsstätte Westmünsterland. „Wir sagen den Leuten: Mach erstmal einen Berufsfindungstest.“ Problem dabei: „Die Agentur für Arbeit stellt so gut wie keine Beratungsgutscheine mehr aus.“

„Die Anforderungen wachsen, und die Durchfallquoten auch“, hat Jochen Meyer von der Handwerkskammer festgestellt. Wer allerdings nach einer soliden handwerklichen Ausbildung eine Weiterqualifizierung mache, sei gut aufgestellt. Handwerk als „zweitbester“ Ausbildungsweg: „Das ist nicht mehr aktuell.“

Fast eine Erfolgsgeschichte konnte Thomas Gillner vom Service-Punkt Arbeit in Epe berichten. Ihm begegneten am Samstag viele seiner Klienten. Darunter ein Familienvater, der durch seine Vermittlung vor eineinhalb Jahren in ein Zeitarbeitsmodell ging und dann eine Festanstellung als Lackierer bekam. „Ich hatte vorher keinen Bock mehr, zu malochen“, gesteht der Mann ein. Und von Zeitarbeit hielt er gar nichts. Inzwischen sieht er das anders: „Jetzt bin ich in dem Trott und will da bleiben“, sagt er. Auch habe er festgestellt: „Wenn man will, kann man alles lernen.“ Der Mann habe seine Chance genutzt, meint Gillner - etwa durch den Erwerb von Führerscheinen. „Dadurch ist er wieder flexibler einsetzbar.“ Allerdings ist er ab 1. Oktober wieder arbeitslos. Grund: „wirtschaftliche Schieflage“.

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