Gronau
Bürgerpflicht im Ehrenamt

Samstag, 26.09.2009, 10:09 Uhr

Gronau - Hannelore Radau tut es, Erwin Aust ebenso. Und auch der Gronauer Neubürger Rüdiger Fuchs ist in diesem Jahr schon zum zweiten Mal dabei: „Wahl und Demokratie - das bedeutet etwas für mich“, sagt der 43-Jährige, der im Mai aus dem niederbayerischen Pocking nach Gronau übergesiedelt ist und bei der Bundestagswahl am Sonntag in Wahllokal 11 Wahlhelfer sein wird.

Die meisten der 175 Wahlhelfer, die in Gronau bei der Bundestagswahl in den Wahllokalen sitzen werden, sind in einer der politischen Parteien aktiv oder kommen aus der Verwaltung. Einige haben sich aus eigenem Antrieb gemeldet. Andere werden von der Stadt angeschrieben - so wie Erwin Aust.

„Ich habe mich da leicht eingefunden“, sagt der 74-Jährige, der in seinem ersten Jahr als Wahlhelfer nun schon zum dritten Mal in Wahllokal 6 Dienst tut. „Es macht recht viel Spaß“, sagt er. Man komme miteinander ins Gespräch - „da fallen auch Scherze“. Eine der Frauen habe alle über Tag mit Kaffee und Kuchen versorgt. Er freue sich auf Sonntag. Sorgen bereite ihm lediglich die geringe Wahlbeteiligung. „In unserem Wahllokal war die bei der Europawahl gerade mal 34 Prozent“, erinnert er sich. „Das ist schon schlimm.“

Hannelore Radau findet die Sonntage in Wahllokal 1 abwechslungsreich und auch spannend. Darum ist sie „ein bisschen betrübt, dass man selbst nichts mitbekommt“, wenn die ersten Hochrechnungen verkündet werden. Aber es gehöre eben dazu, dass man dann selbst beim Auszählen der Stimmen sitzt. Die Rentnerin hat sich aus eigenem Antrieb als Wahlhelferin gemeldet. „Ich war schon vor vier Jahren dabei“, sagt sie. „Und als in der Zeitung stand, dass wieder Wahlhelfer gebraucht werden, habe ich bei der Stadt angerufen.“ Sie habe Verständnis dafür, dass bei vielen die Bereitschaft dazu gering sei: „Ich denke, Berufstätige freuen sich auf einen freien Sonntag.“

Genau dieses Dilemma beklagt der städtische Wahlamtsleiter Detlef Hollenborg, der mit einem fünfköpfigen Team die Wahlen vorbereitet und organisiert - er braucht verlässliche Leute und kann nicht jeden nehmen, an passenden Freiwilligen aber hapert es meist. „Das ist schon verschwindend gering“, sagt er über den Anteil an Freiwilligen, die nicht aus Verwaltung oder Parteien zum Wahlhelferamt gekommen sind. Etwa zehn Personen seien das in ganz Gronau.

Rüdiger Fuchs hat sich bei seiner Gronauer Wahlhelfer-Premiere am 30. August so seine eigenen Gedanken gemacht. „Mir scheint die Wahl hier eine andere Bedeutung zu haben als in Bayern“, meint er. Dort sei die Wahlabgabe immer etwas Besonderes gewesen. Ganze Familien und Sippen seien an den Urnen erschienen - selbstverständlich in Festtagskleidung. „Mir scheint, hier ist das weniger ein gesellschaftliches Ereignis als eher etwas Zweckdienliches“, sagt er. Auch die Wahlabende verbrächten die Menschen in seiner Heimatstadt häufig in Gesellschaft, nicht zuletzt weil in kleinen Ortsteilen die Wahllokale oft im Wirtshaus untergebracht sind. „Da bleibt man anschließend gleich beisammen sitzen“, sagt er. „Ich glaube fast, man könnte durch die Auswahl der Wahllokale die Wahlbeteiligung erhöhen.“ Gerade dieser Punkt bewegt den Finanzbeamten sehr. „Wir sollten nie vergessen, dass wir zwei Diktaturen hinter uns haben. Deshalb tuts mir auch weh, wenn so wenig Leute zur Wahl gehen.“ Wahlenthaltung sei immer die falsche Entscheidung, meint er. „Man kann ja auch jemand anders wählen als die großen Parteien - der Stimmzettel ist groß.“

Das sehen auch Radau und Aust so: „Das ist doch Bürgerpflicht“, sagen beide. Eine bessere Wahlbeteiligung wünscht sich auch Wahlamtsleiter Hollenborg. „Das ist auch unser Anliegen“, sagt er. „Wir sind im Kreis allgemein das Schlusslicht.“

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