Gronau
Auf der Suche nach den Resten von „2008 TC3“

Freitag, 25.12.2009, 09:12 Uhr

Gronau - Das Weltall - unendliche Weiten. Trotz des unermesslichen Raumes kommen sich Himmelskörper immer wieder mal in die Quere. Manchmal kollidieren sie. Auch die Erde hat während ihrer rund 4 Milliarden Jahre alten Geschichte schon häufig Zusammenstöße erlebt. Solange die anderen Himmelskörper klein sind, steckt der Heimatplanet das gut weg: Sternschnuppen wie gerade die in der vergangenen Woche, den Meteoriten vom 12. Oktober oder den etwas weniger spektakulären, der am 15. August dieses Jahres auch über Gronau zu sehen war. Dickere Brocken haben aber im Laufe der Erdgeschichte auch riesige Krater hinterlassen. Einer wird sogar für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gemacht.

Ein Mann, der sich mit Begeisterung für Himmelserscheinungen interessiert, ist der Gronauer Carl Johannink. Der Amateur-Astronom, Mitglied der „Dutch Meteor Society“, begab sich Anfang dieses Monats auf eine elftägige Exkursion in den Sudan . Dort waren nämlich die Reste eines Asteroiden niedergegangen - und die sind für die Forschung von großer Bedeutung.

Der Kleinstplanet mit dem Namen „2008 TC3 “ - wie alle anderen Asteroiden und Planeten auf einer keplerschen Umlaufbahn um die Sonne - war am 6. Oktober 2008 entdeckt worden. Als die Wissenschaftler aus den Beobachtungen die Bahn berechnen wollten, spielten die Computer verrückt: Die Bahnbestimmung war zunächst nicht möglich - weil die Erde dem Asteroiden im Weg stand. Das bedeutete: Es würde zu einer Kollision kommen.

„Von dem Moment an wurde die ganze astronomische Welt informiert“, sagt Johannink. „Man wollte so schnell wie möglich wissen, wie groß das Objekt war und wo genau der Einschlag stattfinden würde. In den nächsten Stunden wurde festgestellt, dass es sich um einen Gesteinsbrocken von ungefähr fünf Metern im Durchmesser handelte. Der Einschlag würde im Norden des Sudan erfolgen.“

Am Tag darauf traf der Brocken auf den äußeren Rand der Erdatmosphäre - mit einer Geschwindigkeit von 12,8 Kilometer pro Sekunde. Zeugen berichten, dass es um 5.46 Uhr Ortszeit sehr heftige Lichterscheinungen gab. Es soll taghell geworden sein - und viele Leute hörten einen Knall. Etwa 35 Kilometer über dem Erdboden, so ergaben spätere Berechnungen, explodierte der Asteroid. Es wurde eine Energie freigesetzt, die 0,9 bis 2,1 Kilotonnen TNT entsprach, schreiben Experten.

Sofort wurden Kontakte zur Physikabteilung der Universität von Khartoum, der Hauptstadt des Sudan, geknüpft. Dort wurde die erste Begehung des Geländes organisiert, auf dem die Überreste des Asteroiden vermutet wurden. Bei dieser ersten Suche wurden bereits 200 Fragmente des explodierten Gesteinsbrockens entdeckt. Und es stellte sich heraus, dass es sich um einen besonderen Typen von Meteoriten handelte: ein Unikat mit einer bislang noch nie entdeckten Zusammensetzung.

Das war der Anlass für Fachleute - darunter Peter Jenniskens von der NASA und Muawia Shaddad von der Universiät von Khartoum - , einen Workshop mit einer weiteren Suche in der nubischen Wüste zu organisieren. An diesem Workshop nahm auch Johannink teil. An vier Tagen fanden Wanderungen von jeweils 15 bis 20 Kilometern durch die Wüste statt auf der Suche nach weiteren Fragmenten. Als Basislager nutzte die Expedition die „Station 6“, einen kleinen Bahnhof an der Bahnlinie von Khartoum nach Ägypten.

„20 Fachleute und 50 Studenten machten sich an jedem Morgen auf den Weg. Dabei wanderten wir in einer Linie von anderthalb Kilometer Länge nebeneinander durch vorher bestimmte Gebiete.“ Die Suche erbrachte 250 neue, teils winzig kleine Überbleibsel des Meteors. Sie ermöglichen es, weitere Untersuchungen anzustellen - die wiederum zu größerer Kenntnis über Asteroiden im Allgemeinen beitragen - und damit zum Bild des gesamten Universums.

Für Johannink war es die Expedition eine beeindruckende Erfahrung: „Die Gastfreundschaft der Sudanesen war überwältigend. Die gemeinsamen Mahlzeiten in der Wüste unter einem mit funkelnden Sternen übersäten, ansonsten schwarzen Himmel und die vielen interessanten Gespräche mit den Studenten und Fachleuten - das war ein einmaliges Erlebnis.“

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