Gronau
Zwecks Integration in Berlin

Donnerstag, 10.12.2009, 06:12 Uhr

Gronau - Drei Lehrer und mehr als 30 Teilnehmer aus den Integrations- (Sprach-)kursen der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft „Chance“ besuchten jetzt die Bundeshauptstadt Berlin . Es war die zweite Reise dieser Art, die die „Chance“ auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Jens Spahn durchführte, um hautnah mitzuerleben, wie Politiker in einem Parlament Politik machen.

In der Vorbereitungen auf diesen Tag gab es sehr viel an Verständnisproblemen - nicht nur sprachlicher Art - zu bewältigen. Was bedeutet das Wort Demokratie? Was macht ein Parlament? Wer macht die Gesetze? Welche Rolle spielt die Bundeskanzlerin, welche der Bundespräsident? Wer hat die Macht? Wie viele Parteien gibt es? Die drei Lehrkräfte der „Chance“ Christina Jäger , Ulrich Bock und Dr. Anne Terglane-Fuhrer bereiteten die Inhalte der Fahrt vor und begleiteten die Teilnehmer.

Nach einer Stadtführung am ersten Reisetag stand am nächsten der Besuch des Reichstages auf dem Programm. Im Plenarsaal erfuhren die Gronau viel über Gestaltung und Funktion des Plenarsaals und die Arbeitsweise des Parlaments. Das anschließend geplante Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Jens Spahn konnte dieser wegen einer Ausschusssitzung nicht einhalten. Er verabschiedete die Gronauer aber mit dem Versprechen, sie im Dezember in den Integrationskursen zu besuchen.

Wenig später hielt er sein Versprechen und war in den Räumen der „Chance“-Sprachkurse in Gronau zu Gast, um die Fragen der Reiseteilnehmer zu beantworten. Er nahm sich viel Zeit dafür, die Problemlagen zu verstehen, und versprach, mehrere aufgeworfenen Fragen mit nach Berlin zu nehmen.

Die Teilnehmer befinden sich in sogenannten Alphabetisierungskursen, die auf maximal 1200 Unterrichtsstunden begrenzt sind. Für den überwiegenden Teil der Migranten, die in ihren Herkunftsländern keine Schule besucht haben und vor Eintritt in die Kurse nicht lesen und schreiben konnten, ist diese Zeit nicht ausreichend, die deutsche Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. So lautete die Frage an Spahn, wie eine über das aktuelle Kursende im März bzw. April hinausgehende Sprachkursteilnahme gefördert werden könne.

Des Weiteren wollten die Teilnehmer wissen, ob ein Abschlusstest speziell für Alphabetisierungskursabsolventen ausgearbeitet werden könne. Bisher ist eine verpflichtende Prüfung vorgesehen, wobei ein Test angewandt wird, der für regelrechte Sprachkurse erstellt worden ist. Das Niveau wurde den relativ neuen Alphabetisierungskursen nicht angepasst. Und schließlich fragten die Teilnehmer, die zum Teil bereits Jahrzehnte in Deutschland leben, ob das Bleiberecht so verändert werden könne, dass Migrantenfamilien schneller einen sicheren Status erlangen.

Zum Abschluss der Veranstaltung überreicht Ira von Borczyskowski, Geschäftsführerin der „Chance“, als kleines Dankeschön eine „Grenzlandkiste“ an Spahn. Diese wird von überwiegend jugendlichen Teilnehmern in der Holzwerkstatt an der Beckerhook­straße erstellt und mit Produkten regionaler Hersteller befüllt.

Ihr Dank galt auch zwei Gronauer Kreditinstituten, der Volksbank Gronau-Ahaus e.G. und der Sparkasse, ohne deren Spenden manche Angebote der Integrationsarbeit der „Chance“ nicht umgesetzt werden könnten.

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