Gronau
Hühnergötter und Strandgut

Dienstag, 20.04.2010, 11:04 Uhr

Gronau - Sammler gibt es bekanntlich viele. Einer, der seit fast 60 Jahren dieses Hobby pflegt, ist der Neu-Gronauer Frank-Michael Männicke. Wer das Büro des Personalberaters der „Chance“ betritt, dem fällt sofort eine große Glasvitrine in den Blick, in der sich eine Reihe von Holzarbeiten und Sammelobjekten befinden. „Alles aus Treibholz, ein wundervolles Material“, schwärmt Männicke. Schon als kleiner Junge nahm ihn sein Vater in das kaum mehr als 1000 Einwohner zählende Prerow mit. An den Stränden der Ostsee hat er vermutlich sein erstes Stück Holz, den ersten Bernstein oder das erste Stück Blasentang aufgesammelt. An ein bestimmtes erstes Stück kann er sich indes nicht mehr erinnern. Aber daran, dass auch abseits der Küste gesucht wurde: „Geangelt haben wir auch viel.“ Wenn er mit seinem Vater an der Elbe auf die Jagd nach Barschen und Hechten ging, nahm er sich auch immer die Zeit, auf den überschwemmten Elbwiesen nach „ Strandgut “ zu suchen. Aber darf man überhaupt „suchen“ sagen? „ Die schönsten Stücke“, so Frank Männicke, „findet man meist nicht, wenn man danach sucht. Die entdeckt man eher zufällig. “

Die Sammelleidenschaft für alle erdenklichen Arten von Treibholz hat Männicke bis heute nicht losgelassen. An der Ostsee, auf dem sogenannten Darss, dem mittleren Teil der Halbinsel Fischland in Mecklenburg-Vorpommern, hat der Neu-Gronauer sein besonderes Verhältnis zum Strandgut entwickelt. „Seit jener Zeit kann ich praktisch kein Stück Treibholz mehr liegenlassen. Das sind doch alles von der Natur geformte Schätze.“ Treibholz mitnehmen, um es im Kamin zu verbrennen, wie es sein Schwager tut, das könnte er niemals.

Besonders fasziniert den Naturliebhaber und gelernten Stahlschiffbauer, wie lange die Fundstücke mitunter im Wasser umhertrieben, bevor sie schließlich - von Meer und Luft gezeichnet - endgültig an irgendeinem Strand landen. Frank Männicke beeindruckt aber nicht nur die Form der Stücke - manche sehen aus wie Gesichter, andere erinnern an Tiergestalten - er verbindet verschiedene Materialien und bastelt daraus eigensinnige kleine Kunstwerke. In seiner Wohnung präsentiert er seine Kombinationen aus Treibholz und Feuersteinen, die er mit Bindfaden zusammenfügt. Diese Installationen haben etwas Archaisches an sich und sind von einer natürlichen Schönheit.

Die sogenannten „ Hühnergötter “ - Feuersteine mit natürlichen Löchern - haben ebenfalls einen festen Platz in seiner Sammlung. Männicke macht daraus Anhänger und verschenkt diese oft an Freunde. Warum aber der merkwürdige Name „Hühnergötter“? „Es gibt mehrere Deutungen zu dem Begriff. Eine besagt, dass die Bauern diese glückverheißenden Steine ihren Hühnern mit ins Nest gelegt haben, damit sie mehr Eier legen.“ Anderenorts hält sich die Erklärung, dass die am Hühnerstall aufgehängten Steinketten durch ihr klapperndes Geräusch den Fuchs fernhalten sollten.

Vor einigen Jahren kam Frank Männicke auf die Idee, seine Leidenschaft für das Strandgut mit Gleichgesinnten zu teilen. Er entwarf seine eigene Website, die sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Tummelplatz für Sammler aller Couleur entwickelte. „Meine Idee war es, den Begriff Strandgut weiter zu fassen und dem Thema in allen möglichen Richtungen neuen Raum zu geben.“

Besucher seiner Website staunen nicht schlecht, wenn sie zum ersten Mal auf www.drift-wood-art.de gehen. Da stößt man beispielsweise auf das Lied eines Liedermachers aus Tangermünde, dessen CD „Treibgut“ heißt, auf eine Hobbydesignerin aus Bochum, die Strandgut in ihre Filzarbeiten einbaut, oder auf eine Schriftstellerin, die dort ein Gedicht mit dem Titel „Flaschenpost“ eingestellt hat. Männicke, der sich jedes Jahr im Sommer in Dänemark auf die Suche nach neuem Strandgut macht, ist dankbar für jeden Beitrag. „Gerade kürzlich hat mir eine Sammlerin aus Schleswig-Holstein, die gestrandete Schuhe sammelt, einen Beitrag geschickt, der mit einem sehr netten Text versehen war.“

Seine Sammelleidenschaft hat sich natürlich auch bei den Mitarbeitern der „Chance“ herumgesprochen. Und so beschenkten sie Frank Männicke zu seinem Geburtstag mit einem selbst gebastelten Segelschiff - hergestellt aus Pappe und einem Stück Treibholz aus der Berkel.

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