Gronau
„Rasenblick statt Seeblick“ ärgert Anwohner

Dienstag, 20.07.2010, 09:20 Uhr

Gronau - Vor 100 Jahren, im Juli 1910, gelang Arbeitern in der heutigen Schieferkuhle bei Schachtarbeiten ein spektakulärer Fund: Sie stießen auf die Reste eines Schlangenhalssauriers, die in jahrelanger Arbeit wieder zusammengefügt wurden. Auf eine jahrelange Puzzle-Arbeit bis zur Fertigstellung ihres Wohnquartiers wollen die Anlieger der Schieferkuhle allerdings lieber nicht warten - das machten sie im Rahmen eines Ortstermins deutlich, zu dem die Fraktion „Pro Bürgerschaft“ jetzt eingeladen hatte.

Das Fazit des Termins: Die Freude der Anlieger über ihr neues Zuhause ist nachhaltig getrübt durch fehlende Infrastruktur, mangelhafte Pflege der städtischen Flächen (Wege, Straßen, Grachten, unbebaute Grundstücke). Aber auch Müllablagerungen, Wildwuchs mit Rattenbefall auf Flächen von Investoren und Projektentwicklern prägen das Bild.

Die Führung durch die verschiedenen Bereiche des Wohnquartiers wurden durch die jeweiligen Bewohner vorgenommen. Vor Ort, aber auch im Rahmen einer anschließenden Besprechung wurden die neuralgischen Punkte analysiert. Nachfolgend eine Auswahl der Themen, die den Anliegern unter den Nägeln brennen:

» Der versprochene wunderschöne Seeblick wird durch nicht gemähte, städtische Flächen verhindert („ Rasenblick statt Seeblick“). Zugesagt worden sei, dass alle Flächen vier Mal pro Jahr gemäht würden.

» Die offen gestalteten Grachten werden als Gefahr für Kinder angesehen. In den Planungen von Prof. Fritschi seien Absperrketten vorgesehen gewesen.

» Die Grachten und Uferbereiche würden nur unzureichend gereinigt - mit der Folge von Hygiene-Gefahren.

» Verwahrloste Flächen (Müllablagerungen, zwei Meter hohes Unkraut, alte Bauwagen, umgefallene Bauschilder, Schutt) ärgern viele Anlieger. Sie fragen sich, wie Grundstücke in diesem Zustand vermarktet werden sollen.

» Hundekot ist hier (wie überall im Stadtgebiet) ein Dauerbrenner. Die Anlieger wünschen sich Hundekot-Tütenständer und die Ausweisung von Hundetoiletten.

» Trotz Planungen gebe es, so die Anlieger, keinen Kinderspielplatz, keine Ruhebänke und keine Abfallbehälter. Zudem werden Begegnungsflächen für Jung und Alt vermisst.

» Kritik auch an der Platzgestaltung, die völlig unzureichend sei. Hier sei nur mit Schotter (Glassplitter inklusive) gearbeitet worden. Die Folge: Hauseingänge können aus diesem Grund nicht gestaltet werden. Zudem diene die Platzanlage bisher nur als „Rennstrecke“.

» Bis heute warten die Anlieger auf die ursprünglich geplante Verkehrsführung. Derzeit werde der Verkehr umgeleitet, eine Brücke sei sogar gesperrt.

» Lärm entstehe - auch nach 22 Uhr - durch Wasserschöpfen, das ein Gronauer Gartenbauunternehmen im Auftrag der Stadt an der Schieferkuhle durchführt. „Wo bleibt die Nachtruhe?“, fragen die Anlieger.

» Als Mangel empfinden die Anwohner auch das Fehlen von Laternen und die Gestaltung der vorhandenen Beleuchtung mit drei verschiedenen Laternentypen. Im Rahmen der Schulwegsicherung sollte hier nachgebessert werden.

Fazit der Bewohner, so „Pro Bürgerschaft“: Die Realität bleibe hinter den Versprechungen der Hochglanzbroschüren zurück, die in den Niederlanden verteilt worden seien. Herbert Krause , „Pro Bürgerschaft“: „So hatten sich viele ihr neues Zuhause offenbar nicht vorgestellt.“

Als positiv wurden hingegen die Gespräche mit der Polizei dargestellt. Streifenwagen seien häufiger präsent, Jugendliche würden auf Fehlverhalten aufmerksam gemacht oder - wenn nötig - vom Aufenthaltsort verwiesen.

Krause und die Vertreter von „Pro Bürgerschaft“ zeigten sich von der regen Teilnahme, aber auch vom Gemeinschaftssinn der Anlieger des Quartiers beeindruckt, bei denen nachbarschaftliches Miteinander offenbar hohen Stellenwert habe.

Die Fraktion bekräftige in diesem Zusammenhang ihre Forderung, dem Lückenschluss in der Bebauung und der Schaffung und Pflege von Infrastruktur in diesen Gebieten den Vorrang zu geben vor der Ausweisung von neuen Baugebieten. Krause: „Vor diesem Hintergrund ist auch unsere Ablehnung der Bauplanung Doetkottenweg, Schwarzenbergstraße und Steenkuhle zu verstehen.“

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