Gronau
Schuldlos, aber verantwortlich

Donnerstag, 28.10.2010, 08:10 Uhr

Gronau - Es war schrecklich, und es geschah vor der eigenen Haustür. Bert Woudstra kann sich noch gut daran erinnern. An die Pflicht, den „Judenstern“ tragen zu müssen, an Ausgrenzung und Diskriminierung, Deportation und Mord. Bert Woudstra aus Enschede berichtet als Zeitzeuge über die Judenverfolgung während des Nationalsozialismus. - Eine von zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der „Woche der Erinnerung“.

Im vergangenen Jahr hatte die Veranstaltungsreihe ihre Premiere. Der gute Erfolg hat die Veranstalter zu einer Neuauflage motiviert. „Die Woche soll ein fester Bestandteil im Kalender werden“, sagt Gesa Miethe von der Fridtjof-Nansen-Realschule . Rund um den 9. November, an dem 1938 die sogenannte Reichpogromnacht stattfand (siehe „Zum Thema“), wollen die Veranstalter an den Terror in Nazi-Deutschland erinnern.

Sie wollen aber auch eine Brücke in die Gegenwart schlagen: Flüchtlingsberaterin Marlies Imping zum Beispiel beobachtet besorgt, dass die Fremdenfeindlichkeit in der „Festung Europa“ deutlich zunimmt. Und Pfarrerin Bettina Roth-Tyburski ist sich gewiss, dass die Beschimpfung „Du Jude!“ bei Jugendlichen wieder auf dem Vormarsch sei. Solchen Tendenzen möchten die Kooperationspartner durch Erinnerung und Mahnung entgegenwirken. „Wir sind nicht schuld, aber wir tragen für diesen Teil unserer Geschichte eine Verantwortung“, sagt Elisabeth Diekmann von der Pfarrgemeinde St. Agatha Epe.

Das diesjährige Programm, für das die Veranstalter besonders junge Menschen gewinnen möchten, setzt deshalb auf eine Mischung aus Erinnerung und Mahnung sowie Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Gegenwart. Die Teilnahme an allen öffentlichen Veranstaltungen ist kostenlos.

» Auftakt der „Woche der Erinnerung“ ist am 4. November (Donnerstag). Um 19 Uhr wird im Walter-Thiemann-Haus der Film „Comedian Harmonists“ vorgeführt. Daran schließt sich eine Diskussion an.

» Zu einem Ökumenischen Gottesdienst laden die Veranstalter am 7. November (Sonntag) um 10 Uhr in die Evangelische Kirche Epe ein. Dieser wird unter anderem von Susanne Hirtzbruch (Orgel), dem Klezmer-Ensemble „Bublischki“ und Schülern der Anne-Frank-Schule Gronau gestaltet.

» Zeitzeuge Bert Woudstra aus Enschede berichtet am 8. November (Montag) über seine Erfahrungen, die er als Kind jüdischer Eltern während der NS-Zeit machen musste. Die Veranstaltung im Walter-Thiemann-Haus beginnt um 19 Uhr. Nach dem Bericht ist ein Gedankenaustausch vorgesehen.

» Für den 9. November (Dienstag) rufen die Kooperationspartner zu einer Mahn- und Gedenkveranstaltung auf. Dazu treffen sich die Teilnehmer um 17 Uhr am Alten Rathausturm. Von dort aus ziehen sie in einem Schweigemarsch zum Standort der ehemaligen Synagoge am Kurt-Schumacher-Platz. Bereits um 10 Uhr legen Schüler der Carl-Sonnenschein-Realschule an der ehemaligen Synagoge in Epe, Wilhelmstraße 5, einen Kranz nieder.

» Konfirmanden, Firmbewerber und Schüler besuchen am 10. November (Mittwoch) die Synagoge in Enschede (nicht öffentlich).

Die Kooperationspartner der „Woche der Erinnerung“ würden sich über weitere Mitstreiter freuen. Angesprochen sind Institutionen und Vereine. Die Programm-Flyer gibt´s bei den Veranstaltern.

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