Gronau
Emotionen fuhren Achterbahn

Montag, 29.11.2010, 07:11 Uhr

Gronau - Die Emotionen fuhren Achterbahn am Samstagabend bei der Talk- und Comedyshow „Max kommt - Menschen 2010“. Die drei „Mäxe“ befriedigten alle Bedürfnisse auf der Humorskala. Von platt bis scharfzüngig, von Parodie bis Satire. Einerseits. Doch viele der 700 Besucher hatten einen Kloß im Hals, als Karl Theodor Becks auf der Bühne der Bürgerhalle stand: Der Münsteraner hatte im Sommer seinen 21 Jahre alten Sohn Benedikt verloren. Der junge Mann war einer derjenigen, die bei der Loveparade ums Leben kamen.

„Wir waren kurz vorher nach Kolumbien geflogen. Beim Abschied hatte er mich umarmt und uns ermahnt, dass wir gut auf uns aufpassen sollen“, schilderte Becks unter Tränen. In Mittelamerika erfuhren die Eltern vom Tod ihres Sohnes. Neben dem tiefen Schmerz über den Verlust traf Becks das Verhalten des Duisburger Oberbürgermeisters Sauerland. Der hätte in Becks Augen die moralisch-politische Verantwortung für die Katastrophe übernehmen müssen. Becks hatte ihn öffentlich zum Rücktritt aufgefordert.

Claudia und Carola Nyhuis, die dem Love-Parade-Gedränge unbeschadet entkamen, schilderten ihre Eindrücke. „Wir bekamen von dem Drama gar nicht so viel mit. Wir wollten heraus, wurden von der Menge aber zurück aufs Gelände gedrängt.“

Die Betroffenheit im Publikum war mit Händen zu greifen. Die Darbietung des Balletts vom TV Gronau erwies sich da als gelungene Überleitung zu den heiteren Teilen des Programms. Die jungen Damen tanzten zum „Herbst“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Das wirkte spielerisch-leicht, bedarf aber intensiven Trainings. Coach Claudio Romero beeindruckte anschließend mit einem Solo zum Titel „Mr. Bojangle“.

Im Talk-Teil der Show informierten Michael Achteresch und Pia Niehoff über soziale und nachhaltige Projekte der Bernhard-Bosch-Stiftung in Mozambique (www.bosch-textil.de) bzw. auf der Finca Irlanda in Mexiko (www.niehoff-kaffee.de).

Mitternachts-Magier Knut Knackstedt verblüffte mit geheimnisvollen Kräften. Auch wenn sich der Gronauer vom Outfit her sehr dunkel und düster gibt, sagte er: „Ich möchte den Menschen die Angst nehmen.“ Die Angst vielleicht - aber nicht das Staunen und die Verblüffung. Wie um alles in der Welt schafft er es, dass sich die Zinken einer Gabel verbiegen - offenbar nur durch mentale Kräfte? Da blieb sogar den Mäxen die Spucke weg.

„Fünf Tage die Woche dick, die Leute sind zufrieden, und Geld kriegt er auch noch dafür“ - so stellte Lohle den Biersommelier Rainer Diekmann vor. Der bietet Bierseminare an - und tatsächlich scheint es auf diesen Veranstaltungen sehr heiter zuzugehen. Aber bei allem Spaß vermittelt Diekmann viel Wissenswertes über den Gerstensaft. Hochprozentiger geht es bei Sasse zu. Frank Wigger, Brennmeister der Schöppinger Destille, erläuterte die Bedeutung von frischen Zutaten für die Qualität des Erzeugnisses.

Was das lokale Sport- und Kulturleben zu bieten hat - es war bei den „Mäxen“ vertreten“: Die Musikschulband “Alegria“ mit der Sängerin Janina Ribeiro, die „Combo Complet“ und die Kita Astrid Lindgren. Deren Kinder boten zusammen mit Leiterin Sandra Kolhoff Teile eines Rolf-Zuckowski-Musicals dar. Süß.

Die Dance-Company, seit Jahren steter Begleiter der Mäxe, brachte mit den vier „Leibniz-Kids“ eine Extra-Portion Schwung in ihre Darbietung: Die vier düsten mit Wave­boards über die Bühne. So cool und rasant, dass sie den Tänzerinnen fast die Show stahlen. Donnernder Applaus war ihnen sicher.

Nackte Tatsachen waren beim Video-Jahresrückblick der „Mäxe“ Trumpf: Da wurde an der Demarkationslinie zwischen Gronau und Epe ein Nacktscanner der besonderen Art aufgestellt, da präsentierte der Reitverein Epe angeblich ein neues Angebot mit Nacktreiten - und über die weiteren Ausschweifungen der Mäxe deckt man lieber den Mantel des Schweigens... Lustig wars, wenn auch nicht immer jugendfrei.

„Landrat Zwickel“ bekam von Lohles alter ego Tönne Speckmann Nachhilfe darin, wie man die nächste Hochwasserkatastrohe medial noch besser ausschlachten kann. „Schleusen schließen, bis wirklich nix mehr geht, und dann fluten.“ Da ist Medienpräsenz garantiert.

„Max“ Stefan Busch erfreute mit seiner Weihnachtslied-Persiflage, bei der Stars von Elvis bis Wolfgang Petri auftraten.

Und dann war da noch Kalle Kaminski alias Klaus Wiedau, der in seinem Rundumschlag vor nichts und niemandem Halt machte: Karlheinz Busens Kandidatur zum FDP-Vorsitzenden in NRW zum Beispiel löste bei Kaminski Allmachtsfantasien aus - bezüglich Busen: „Wenn der Papst würde, würde man Rom bald nicht wiedererkennen: Erstmal kriegte der Petersdom ein Krüppelwalmdach wie alle Busen-Bauten, und der Petersplatz - das wären in seinen Augen 600 Bauplätze à 350 Quadratmeter.“

Das „Patchwork-Partisanen-Parlament“ - sprich der Stadtrat - und viele seiner Protagonisten wurden trefflich durch den Kakao gezogen: Herbert Krause als „geklonter Martin Luther aus dem Bögehold“, der „als Kind in einen Topf mit Kümmerling gefallen ist“, weil er sich jetzt um alles kümmert; der „sozialistische Elferrat“ (SPD-Fraktion), Jörg von Borczyskwoski, der von „Kim Jong Kalle“ (Bürgermeister Holtwisch) in ein Straflager geschickt wird: „Entweder Dschungelcamp oder politische Umerziehung bei der Jungen Union Epe“. Epe-Hasser Kaminski riet süffisant zum Dschungelcamp...

Die Suade gipfelte in der Erkenntnis: „Es reicht nicht nur, unfähig zu sein. Man muss auch in die Politik gehen, um es zu beweisen.“

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