Gronau
„Meine Frau“ reicht nicht

Donnerstag, 04.11.2010, 10:11 Uhr

Gronau - Dass der Mensch an sich nicht gerne an seinen eigenen Tod denkt, weiß Felizita Söbbeke . Noch immer sei dieses Thema mit einem Tabu belegt, sagte die Eper Fachanwältin für Erbrecht am Dienstagabend im Sparkassen-Finanzzentrum Gronau. Aber sie weiß ebenso: „Erben geht nicht ohne Sterben.“ Wenn man sich diesem Thema verschließe, könne das fatale Folgen haben, erklärte Söbbeke. Umso erfreuter zeigte sie sich darüber, dass trotz des Tabu-Themas rund 100 Zuhörer zur Auftaktveranstaltung der 10. Gronauer Erbrechtstage gekommen waren, die sie gemeinsam mit der Sparkasse organisiert hat.

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Sparkassen-Vorstandssprecher Wilfried Hammans, stellte Petra Raad als Verwaltungsratsvorsitzende des kommunalen Kreditinstituts den Referenten vor: Prof. Dr. Klaus Michael Groll , seit 1987 Lehrbeauftragter der Maximilians-Universität München, bekannt aus Funk und Fernsehen und frisch gekürter Ehrenpräsident des Deutschen Forums für Erb­recht. Sein Thema - „Kluge Testamentsgestaltung - Ausschaltung unliebsamer Personen“ - heiße im Umkehrschluss, dass es auch weniger kluge Gestaltungen gebe, so Raad. „Das bedeutet, der Wille des Erblassers wird entweder nicht umgesetzt oder es kommt zu langwierigen Erbrechtsstreitigkeiten.“

Wie sehr Letzteres Familien auseinanderreißen kann, darüber plauderte der Referent hier und da aus dem Nähkästchen. Sein eindringlicher Rat: „Frieden stiften, das sollte das allerhöchste Ziel beim letzten Willen sein.“ Darüber hinaus gebe es aber noch weitere Ziele: die Schaffung von Rechtssicherheit zum Beispiel, den Vermögensschutz und die Steuerersparnis, um dem Fiskus, „dem Raubritter unserer Zeit“, möglichst viel vorzuenthalten. Dennoch träfen immer noch 75 Prozent der Deutschen keine „letztwillige Verfügung“, so Klaus Michael Groll.

Und wenn doch, dann seien die oft fehlerhaft. Etwa in puncto Form: So erfordere das privatschriftliche Testament die Handschriftlichkeit „von A bis Z“. Daneben gebe es noch das notarielle Testament und den notariellen Erbvertrag, mit dem sich der Erblasser fest binde.

Auch inhaltlich müsse beim letzten Willen einiges beachtet werden: Erben sollten klar benannt werden, „meine Frau“ reiche gerade heute nicht aus. Bei mehreren Erben müsse die Quote geregelt werden. Und gerade Erbengemeinschaften böten ein immenses Konfliktpotenzial, so Groll: weil jedem Erben alles gehöre, jeder ein volles Mitspracherecht habe und der Einzelne sogar die Veräußerung etwa eines Hauses erzwingen könne. In aller Kürze skizzierte der Experte drei Lösungsmöglichkeiten zur klaren Regelung: die sogenannte Teilanordnung, das Vermächtnis und das Vorausermächtnis.

Dennoch riet er den Anwesenden, sich für ihren letzten Willen fachkundigen Rat einzuholen. Denn das Thema Erbrecht sei „hochgradig komplex“ und jeder einzelne Fall anders gelagert. Da brauche es bei Beratern Geduld, Ehrgeiz zur Einarbeitung in die jeweilige Situation und „künstlerische Inspiration“.

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