Gronau
Erster EHEC-Fall in Gronau

Montag, 06.06.2011, 18:06 Uhr

Gronau /Kreis Borken - Seit dem 2. Juni wird im St.-Antonius-Hospital eine Gronauerin behandelt, die an EHEC erkrankt ist. Das teilte das Kreisgesundheitsamt am Montag mit.

Erste Symptome traten demnach bei der Rentnerin am 30. Mai auf. Seit Donnerstag (2. Juni) werde sie stationär behandelt, nachdem sie mit blutigem Durchfall in das Krankenhaus eingeliefert worden sei. Die Patientin - sie ist zwischen 60 und 70 Jahre alt - wurde den Hygiene-Standards des Hauses entsprechend isoliert, die Behandlung findet unter den gegebenen Schutzmaßnahmen statt.

„Grundsätzlich werden bei uns im Haus alle mit Durchfall eingelieferten Patienten gescreent und zunächst isoliert in Einzelzimmern mit eigenem WC untergebracht“, sagt Dr. Jürgen Wigger , Ärztlicher Direktor des Hauses und damit auch für das Hygiene-Management verantwortlich. „Diese besonderen Verfahrensweise und die Abläufe seien - unabhängig von den aktuellen EHEC-Fällen - standardisiert und werden regelmäßigen Kontrollen unterzogen“, ergänzt Ralf Flege, Kaufmännischer Direktor des Antonius-Hospitals.

„Auch für das behandelnde Personal gelten in diesen Fällen besondere Schutzvorschriften wie das Tragen von Mundschutz und der Wechsel der Kleidung vor und nach Betreten des Zimmers“, so Wigger. Im konkreten Fall sei „ein besonderes Augenmerk“ auf die Einhaltung dieser Standards gelegt worden, weil die Patientin unter blutigem Durchfall (Wigger: „. . . der nur fünf Prozent der Durchfallerkrankungen ausmacht.“) litt. Das Ergebnis der Stuhlproben durch ein privates Hygiene-Institut seien der Uni-Klinik Münster und dem Kreisgesundheitsamt mitgeteilt worden.

Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), bei dem es zu besonders schweren Krankheitsverläufen kommt, wurde bei der Gronauerin nach Auskunft des Krankenhauses bisher nicht nachgewiesen. Wigger hält die HUS-Wahrscheinlichkeit für „sehr gering“. Denn: „Die blutigen Durchfälle sind abgeklungen, die Frau ist auf dem Weg der Gesundung.“

Die behandelnden Ärzte rechnen damit, bis Mitte der Woche eine Mitteilung über den Stamm der Bakterien zu erhalten, die für die Erkrankung der Rentnerin verantwortlich sind.

„Der Patientin geht es den Umständen entsprechend sehr gut“, betont auch Dr. Gisbert Linnemann, behandelnder Chefarzt der Inneren Medizin. Auch er geht von einem gutartigen Verlauf aus, selbst wenn noch nicht klar sei, um welchen Erreger-Stamm es sich handle. „Es gibt aber keine Nierenprobleme oder Nierenveränderungen bei der Patientin“, so Linnemann weiter. Und: „Auch der Familie der Patientin geht es gut.“ Sollte sich alles weiterhin gut entwickeln, könnte die Frau bereits im Lauf der Woche entlassen werden.

Die Rentnerin hatte sich, wie Linnemann deutlich macht, vor der Erkrankung nicht in Norddeutschland aufgehalten, wo bisher die meisten EHEC-Fälle auftraten. Die Gronauerin war vielmehr zu einem Familienbesuch im belgisch-niederländischen Grenzgebiet unterwegs. Die genauen Ernährungsgewohnheiten gelte es noch abzuklären.

Sorgen, sich wegen des EHEC-Falles im Krankenhaus anzustecken, müssen sich andere Patienten nach den Worten von Wigger und Linnemann nicht machen. Linnemann: „Der Besuch auf dem Wochenmarkt ist genauso gefährlich.“

Dennoch rät Wigger angesichts der EHEC-Erkrankungen generell zu einer gesunden Vorsicht: „Wer aktuell unter Durchfall leidet, sollte eher zum Hausarzt gehen als sonst.“ Bereits am vergangenen Freitag (3. Juni) war die EHEC-Erkrankung einer Frau aus Borken gemeldet worden, somit sind nun im Kreis zwei Fälle bekannt.

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