Elf Tage in Siebenbürgen unterwegs
Studienreise führte Gruppe in evangelische Gemeinden und Schulen

Gronau -

Beeindruckt von der Vielfalt der Kulturen, der Religionen und Traditionen sowie den Begegnungen mit Menschen waren die 25 Teilnehmer der Studienfahrt „Zwischen Tradition und Zukunft“ ins rumänische Siebenbürgen. Geführt hat ein versierter Reiseleiter: Dr. Tamas Szöcs, Kirchenmusiker in Gronau, Kreiskantor und gebürtiger Siebenbürger. Mit ihm hatte Pfarrerin Kerstin A. Hemker, Schulreferentin der Evangelischen Kirchenkreise Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg, die Leitung inne.

Dienstag, 08.11.2011, 18:11 Uhr

Auf der elftägigen Studienfahrt begegneten die Besucher in den deutschsprachigen evangelisch-lutherischen Gemeinden in den Orten Wolkendorf, Kronstadt , Schässburg, Mediasch, Heltau und Hermannstadt einer 800-jährigen christlichen Tradition. Zeugen dieser langen Geschichte seien unter anderem die beeindruckenden Siebenbürger Kirchenburgen, sieben davon als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt, heißt es in einem Bericht der Gruppe. Die Kirchenburgen, eine besondere Bauform einer Kirche umgeben mit Mauern, Vorratsräumen und Wehrtürmen, wurden von Siedlern aus dem deutschen Sprachraum, später „Siebenbürger Sachsen“ genannt, im späten Mittelalter zum Schutz vor Tartaren, Mongolen und Osmanen gebaut.
Umfasste die deutschsprachige Minderheit in Rumänien 1930 zirka 750 000 Personen, sank diese Zahl dramatisch während und nach Ende der Ceausescu-Diktatur auf etwa 11 000 Personen, 1,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Durch die große Abwanderung nach Deutschland und Österreich schrumpften die Kirchengemeinden. Mit großem Aufwand versuchen die kleinen evangelischen Gemeinden die historischen Gebäude, ihre wertvollen Altäre und Orgeln, die in einigen Kirchen von Dr. Tamas Szöcs zu kleinen Konzerten genutzt werden konnten, zu erhalten.
Ferner stellen die Armut vieler Kirchenmitglieder und ihr hohes Alter für die deutschsprachigen evangelischen Kirchengemeinden eine große Herausforderung dar. Und trotz dieser großen Probleme begegneten die Teilnehmer der Studienfahrt immer wieder engagierten und der Zukunft positiv zugewandten Vertretern der Kirche in Gemeinden und übergemeindlichen Arbeitsbereichen. Beeindruckend schilderte der Hermannstädter Stadtpfarrer, Killian Dörr, den Umbau der Kirchenburg Hammersdorf zu einem ökologischen Bildungszentrum, um ein sichtbares Zeichen für die christliche Schöpfungsverantwortung zu setzen. Auch im sozialen Bereich ist die Gemeinde aktiv. 38 ehrenamtliche Helfer besuchen Hilfsbedürftige, Straßenkinder werden betreut, Obdachlose und Drogenabhängige finden ein betreutes Zuhause, die kostenlose Medikamentenabgabe wird von vielen Menschen besucht.
„Gerade weil wir so wenige geworden sind, müssen wir uns zur Gesellschaft hin öffnen. Auch sind wir Brückenbauer zwischen West und Ost“, umrissen Pfarrer Dietrich Galter, Leiter der Evangelischen Akademie Siebenbürgen , und seine Frau Dr. Sunhild Galter ihre Arbeit.
Neben den kirchlichen Kontakten besuchten die Teilnehmer der Studienfahrt auch zwei staatliche deutschsprachige Gymnasien. „Die deutsche Sprache stellt für unsere Schüler eine Brücke nach Europa dar“, erläuterte Schulleiter Gerold Hermann vom Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium.
„Wir hoffen, dass begonnene Kontakte zwischen Kirchengemeinden und Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken und der Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnis in Siebenbürgen fortgesetzt werden“, ist der Wunsch aller Teilnehmer.

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